Kantorei-Konzert "Zwischen-Zeiten"

Kantorei-Konzert „Zwischen-Zeiten“

Datum: 22.11.2014 | Zeit: 17:00 Uhr | Ort: St. Martinskirche

Kantorei-Konzert "Zwischen-Zeiten"
Kantorei-Konzert „Zwischen-Zeiten“

Am Sa., den 22. November um 17 Uhr findet das alljährliche Herbst-Konzert der in Linden gut bekannten und sangesstarken Kantorei St. Martin in der St. Martins-Kirche, am Lindener Berg, Nähe Lindener Markt gelegen, statt.

Es musizieren

  1. die Kantorei St. Martin; Leitung Kirchenkreiskantorin in St. Martin Annette Samse
  2. Solisten: Theresa Etzold, Sopran; Claudia Erdmann, Alt Jörg Erler, Tenor; Sven Erdmann, Baß Prof. Dr. Hans Bäßler, Orgel und Truhenorgel Ensemble Ad Cor (Gambe, Violone und Blockflöte; historische Instrumente)

Gesamt-Leitung: Annette Samse

Musikalisch Abfolge

Die Orgel-Solo-Stücke, die Prof. Dr. Bäßler (Hochschule für Musik, Hannover) spielen wird, sind z.Zt. noch nicht bekannt. Sie erklingen zu Beginn und zwischen den Chor-Vorträgen.

Die Chorwerke sind:

  1. Johann Christoph Pez (1664 – 1716)
    Missa in a (nur Kyrie und Gloria ausgeführt)
  2. Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
    Kantate Nr. 106 BWV „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ – ‚Actus tragicus’
  3. Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
    Hör mein Bitten – Hymnus nach Psalm 55, 2-8

Dieses Konzert ist insofern für die Kantorei ein besonderes, als mit ihm unsere neue Truhenorgel erstmals erklingen wird. – Im Förderverein für die Kirchenmusik in St. Martin Hann.-Linden wurde dieses Projekt seit 4 Jahren geplant und zu ca. 40% finanziert. – Ca. 60% des Kaufpreises von ca. 22.000,- € wurde durch die Gemeindespende 2014 aufgebracht. – Wir danken allen Spendern sehr herzlich.

  1. Johann Christoph Pez (1764-1716)
    Missa in a“ – bearbeitet von J.S. Bach

Der Komponist dieser Messe galt in der Bach-Forschung lange als unbekannt. Erst 1961 klärte Hans-Joachim Schulze die Autorenfrage. Das kompositorische Schaffen von Johann Christoph Pez (1664 in München -1716 in Stuttgart) umfaßt neben geistlicher und weltlicher Vokalmusik auch reine Instrumentalmusik.
In die beiden vorliegenden Messe-Sätze hat Bach nur wenig eingegriffen.

Fragt man nach den Motiven Bachs, diese in Harmonie und Stimmführung doch recht einfach scheinenden Sätze zu kopieren, so dürfte dies zum einen mit Bachs Wißbegierde zu tun haben. Zum anderen aber sei auf die variable Klangfülle und auf die trotz ihrer Schlichtheit mit einer gewissen Raffinesse geführten Vokal- und Instrumentalstimmen verwiesen. Und nicht zuletzt dürfte das im
stile antico gehaltene „Qui sedes“ Bachs Aufmerksamkeit erregt haben.

  1. Johann Sebastian Bach (1685-1750)
    Kantate Nr. 106 BWV „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“

„Der ‚Actus tragicus’ ist ein Stück Weltliteratur“ (Alfred Dürr). Mit Recht: Die Kantate gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Kantaten Bachs. – Mit geringsten Mitteln, nämlich 4 Singstimmen und einem recht individuellen Instrumental-Ensemble aus 2 Blockflöten, 2 Gamben und Basso continuo sowie einem 4-stimmigen Chor schuf Bach ein „Geniewerk, wie es auch großen Meistern nur selten gelingt und mit dem der 22-jährige alle seine Zeitgenossen mit einem Schlag weit hinter sich läßt“ (Dürr).

Anlaß und Entstehungszeit liegen im Dunkeln. – Aus Werksvergleichen erfolgt eine vorsichtige Einordnung der Kantate in Bachs Mühlhausener Zeit (Juli 1007-1708).

Den Text hat Bach wahrscheinlich selber aus Bibel-Zitaten und Choral-Strophen zusammengestellt. – Er läßt kaum eine andere Verwendung als zu einer Trauerfeier zu (evtl. für seinen Onkel Tobias Lämmerhirt, der ihm 50 Gulden hinterließ – ein stattliches Startkapital für die geplante Begründung eines eigenen Hausstandes durch Bach, dessen Jahresgehalt damals 85 Gulden betrug. – evtl. zum Tode des Bürgermeisters von Mühlhausen, Strecker).
Die Kantate paßt also zum Ewigkeits-Sonntag am Folgetag des Konzerts.

  1. Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
    Hör mein Bitten … Hymnus nach Psalm 55, 2-8

Felix Mendelssohn-Bartholdy, Komponist, Pianist und Organist, gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Er entstammt einer hochbegabten deutsch-jüdischen Familie aus dem friderizianischen Berlin. * 3.2.1809 in Hamburg † 4.11. 1847 in Leipzig.

Sein Großvater, der Philosoph Moses Mendelssohn (* 6.9. 1729 in Dessau; † 4.1.1786 in Berlin), ein Freund Lessings, der ihm ein literarische Denkmal im „Nathan der Weise“ gesetzt hat, war der Vordenker der jüdischen Aufklärung (Haskala).

Von ihm gibt es die Anekdote, daß ihn ein Freund fragte, ob es nicht besser für ihn sei, sich taufen zu lassen.
Darauf Moses M.: „Laß’ ich mich nicht taufen, bin ich für die Leut‘ der Jude Mendelssohn – laß ich mich aber taufen, dann bin ich für die Leut‘ der getaufte Jude Mendelssohn.“ – Er blieb, wie er geboren war.

Dessen Sohn Abraham (* 10.12.1776 in Berlin; † 19.11.1835 ebenda), Vater von Felix, Fanny (beide hoch-musikbegabt) u.a., leitete zwischen 1804 und 1821 zusammen mit seinem Bruder Joseph das von diesem gegründete Bankhaus Mendelssohn. Abraham Mendelssohn erzog seine 5 Kinder christlich und konvertierte gemeinsam mit seiner Frau Lea Salomon schließlich 1816 selbst zum Protestantismus. Dabei nahm er den nicht-jüdischen Namen Bartholdy an.

Vielleicht liegt in dieser Familienbiographie der Schlüssel zum Verständnis von Mendelssohns religiöser Musik und seiner Liebe zu den Psalm-Vertonungen, die die Kantorei so gern singt, als jüdisch-christliche Symbiose.

„Hör mein Bitten …“ ist ein solcher Hymnus, ohne wörtliche Text-Übernahme (Paraphrase) für Solo-Sopran, Chor und obligate Orgel. Komponiert 1844 in Deutschland – für ein englisches Publikum; Uraufführung Januar 1845 in London. – Anfang 1847 hat Mendelssohn auf Anregung englischer Freunde seiner Musik eine Orchesterfassung instrumentiert, deren Druck er wegen seines frühen Todes im Nov. 1847 nicht mehr erlebte.

Eintritt: 12,- € (ermäßigt 8,- €) – Vorverkaufsrabatt 2,- € (im Gemeindebüro St. Martin, Kirchstr. 19).

Dr. Gunter Berndt
Kantorei-Sänger u. Vorstandsmitglied des Fördervereins für die Kirchenmusik in St. Martin Hannover-Linden.
Annette Samse (Kirchenkreis-Kantorin in St. Martin Linden)
Grafik: Alexander Paul; www.alex-grafik.de

 
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Veranstaltungsort:
St. Martinskirche
Kirchstraße 19
30449 Hannover

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