Capitol Hannover

Einstürzende Neubauten “Lament”

Datum: 10.11.2014 | Zeit: 20:30 Uhr | Ort: Capitol Hannover

Einlass: 19:30 | Beginn: 20:30 Uhr

Einstürzende Neubauten sind wieder im Studio und arbeiten an einer neuen, aussergewöhnlichen Komposition. Die Premiere mit einem speziell konzipierten Konzert findet am 8.11.2014 in Diksmuide, Belgien statt. Am 10. November sind Einstürzende Neubauten mit “Lament” dann zu Gast im Capitol Hannover.

Tickets gibt es bereits an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie unter Tel.: 0511/ 12 12 33 33

Es war einmal… Im West-­Berlin um 1980 empfanden viele junge kreative Menschen den Ausnahmezustand als Normalität in der deshalb auch alles möglich schien.

Als Blixa Bargeld gefragt wird ob er am 1. April 1980 im Moon Club spielen will erfindet er die Band Einstürzende Neubauten, sagt zu und ruft dann ein paar Freunde an: die Erstbesetzung der Band besteht aus denen, die an dem Abend gerade Zeit haben: Blixa Bargeld, Gudrun Gut, N.U.Unruh und Beate Bartel.

1981 begeben sich Blixa Bargeld, NU Unruh und FM Einheit in ein Tonstudio um eine „unhörbare“ Platte aufzunehmen: Kollaps ist ein Frontalangriff auf die damaligen vom mainstream taub gemachten Hörgewohnheiten. Das Instrumentarium besteht, auch mangels finanzieller Möglichkeiten, aus „gefundenen“ und selbstgebauten Objekten aus Stahlblechen, Bohrmaschinen, Hämmern, einer Nicht-­‐Stimme, die deutschen Wortfetzen einen Text entreissen und einer professionellen Studiotechnik, die konsequent gegen ihre eigentliche technische Bestimmung eingesetzt wird.

Damit wird das Konstrukt Einstürzende Neubauten zu einer der wenigen deutschen Bands, die international einen echten Impuls aussendet und auf zahlreiche andere Bands und Kunstgenres, von Tanztheater über Bildender Kunst und Film bis heute inspirierend wirkt; von Schlingensief bis Tarrantino… In der Folge sind sie ad hoc 1982 eingeladen zur documenta 7 in Kassel und der Biennale Paris, 1986 , als deutscher Beitrag, zur EXPO in Vancouver, Canada.

Es folgen zahlreiche Produktionen und ausgedehnte Konzerttourneen in den letzten 34 Jahren, zuletzt eine Australien-­Tour 2013. Durch ihre originäre und radikale Neudefinition von dem Begriff Musik erfolgten unweigerlich und durchaus erwünscht auch Zusammenarbeiten wie mit Wim Wenders (Himmel über Berlin), Peter Zadek („Andi“, Deutsches Schauspielhaus Hamburg 1987) oder 1994 mit Werner Schwab „Faust…“ oder früher schon, während ihrer Japan Tournee 1985 der Film „½ Mensch“ mit den Stücken ihres gleichnamigen Albums und dem japanischen Regisseur Sogho Iishi, aufgenommen in einer leerstehenden Fabrikhalle in Tokio und einem Butoh-­Tanz-­Ensemble (1986 dt. Premiere auf der Berlinale).

Insbesondere jedoch mit dem bedeutendsten deutschen Nachkriegsdramatiker Heiner Müller (Bildbeschreibung, 1988, Hamletmaschine, 1990). Mit dessen dramaturgischer Mitarbeit und auf Einladung von Erich Wonder entsteht auch eine der legendären „Site-­specific performances“, die durchgehend zu einer Neben-­Konstante im Werk der Neubauten gehört. „Im Auge des Taifun“ findet 1992 zur 300 Jahr Feier der Akademie der Künste zu Wien statt und beschallt die Wiener Ringstrasse in einem umgebauten gläsernen Truck der von Huskys gezogen wird.

Den Beginn dieser Performances stellt wohl die von Blixa Bargeld und Andrew Unruh dar, ohne Publikum!: „Stahlmusik –aufgenommen in einer Autobahnbrücke am 1.6.1980“.

Die Aufführung von „Concerto for Voice and Machinery“ 1984 im Institute of Contemporary Arts in London erlangte so nachhaltigen Eindruck, dass es 2007 zu einer rekonstruierten Performance von Jo Mitchell führte. Weitere „Site-­specific performances „ waren: ebenfalls 1984, in der Mojave Wüste, 1986 „Im Goldenen Saal der Zeppelintribüne“ (ehemaliges Reichsparteitagsgelände Nürnberg), 1989 Fiat Lingotto, ehemalige Fiatwerke in Turin.

2004 lassen die Einstürzenden Neubauten den kurz vor dem Abriss stehenden, bereits entkernten „Palast der Republik“ der ehemaligen DDR „erklingen“, mit Einbindung eines Chores von 100 Kehlen.

Zum 100. Todestag John Cages werden 2012 Arbeiten der Einstürzenden Neubauten im Museum Mathildenhöhe Darmstadt gezeigt, Blixa Bargeld verfasst einen Katalog-­Beitrag für die John Cage Ausstellung in der Akadamie der Künste zu Berlin.

Während im Jahr 2014 eine vom Goethe-­Institut veranstaltete weltweite Ausstellung über das West-­Berlin der 80er mit den Einstürzenden Neubauten als massgeblichen Protagonisten zu sehen sein wird, verknüpft die Band explizit ihre in der Tradition der Avantgarde stehenden Techniken mit dem Weltereignis und deren zeitgleicher Entstehungsgeschichte vor 100 Jahren: dem 1. Weltkrieg.

Umfangreiche Recherchen von Ton-­Aufnahmen aus den Jahren 1914-­1916 von Kriegsgefangenen aus aller Welt (aufgenommen in einem der ersten großen Lager in der Nähe Berlins) aus dem Lautarchiv der Humboldt-­Universität Berlin und dem Deutschen Rundfunkarchiv. Zudem umfangreiche Materialbesichtigung im Militärhistorischen Museum Dresden und musikgeschichtliche Verbindungen von einem der ältesten musikalischen Formen, wie dem „Lament“, dem Klagelied und der Motette eines flämischen Renaissancekomponisten, der wie viele der Tondokumente der Kriegsgefangenen, die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn behandelt. Das Instrumentarium der Neubauten aus Stahl, Stimme, objets trouvés und innovativster Technik wird hierfür mit einem Streicher-­Ensemble erweitert, verworfen und neu definiert. Dies wird kein Konzert über den 1. Weltkrieg sondern eine Komposition, die sich aus dem Themenkomplex herausschält: „erst muss man Platz schaffen, damit etwas Neues entstehen kann“(Blixa Bargeld).

 
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Veranstaltungsort:
Capitol Hannover
Schwarzer Bär 2
30449 Hannover

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