Lesung von Marie Dettmer „… aber herbstlich! Die Achte.“

Lindener Bergfriedhof im Herbst
Lindener Bergfriedhof im Herbst

Marie Dettmer liest im Rahmen ihrer Lesereihe „Vier Jahreszeiten“ unter dem Motto „… aber herbstlich! Die Achte.“
Texte und Gedichte von Brecht, Eich, Goethe, Hesse, Kaléko, Keller, Morgenstern, Rilke, R. Walser u. a.

Am Sonntag, den 06. Oktober 2013 um 16.00 Uhr im Küchengartenpavillon auf dem Lindener Bergfriedhof, Am Lindener Berge 44, 30449 Hannover.

Der Eintritt ist frei.

www.quartier-ev.de

Buchvorstellung: Zwischen Deisterplatz und Fischerhof

Der "Hammermann" vor der Hanomag
Der „Hammermann“ vor der Hanomag

Der Verein Quartier e.V. und Horst Deuker stellen das neue Buch „Zwischen Deisterplatz und Fischerhof“ vor.

Am 02.10.2013 um 18:00 Uhr im AhrbergViertel am Deisterplatz.
Großer Tagungsraum der Arbeiterwohlfahrt Region Hannover e.V.

Der Autor, Horst Deuker, geboren in der Göttingerstraße Jahrgang 1931, erzählt von den Menschen und ihren Häusern, die diesen Stadtteil, der immer ein wenig unbeachtet blieb, geprägt haben. Er wirft einen Blick zurück in seine Jugendzeit bis hinein die 8oer Jahre Damit berührt er auf dieser Verkehrsschlagader Linden – Süd, die vielen Orte, die er nicht vergessen hat, etwa den von Altenschen Garten, Fritz Ahrberg mit seinem Unternehmen, Wurstfabrik. Das urbane Treiben auf der Straße mit seinen vielen Schaufenstern. Er streift die „goldenen Zeiten“ des Thalia – Theaters, die einen nie bekannten ganz besonderen Flair brachten, erinnert an „Klein – Rumänien“ und an seinen Sportverein Alexandria, dessen Wurzeln hier an der Göttingerstraße liegen. Nicht vergessen sind die stürmischen Jahre mit ihrem auf und ab der alles beherrschenden großen HANOMAG.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch

Quartier-Rundgang: Der Lindener Berg

Eingang zum Bergfriedhof
Eingang zum Bergfriedhof

Quartier-Rundgang
am Sonntag, den 8.9.2013 ab 15 Uhr
Thema: „Der Lindener Berg“

Der Lindener Berg hat nicht nur Natur, sondern auch Kultur und Geschichte zu bieten. Dazu gehören auch zahlreiche interessante Gebäude wie Küchengartenpavillon, Friedhofskapelle, Eiskeller, Villa Osmers, Jazz-Club und Mittwochtheater, der Wasserhochbehälter mit der Sternwarte und der Lindener Turm. Dazu gehören aber auch Grünflächen wie die Kleingärten, der Botanische Schulgarten oder der Bergfriedhof.
Der Rundgang ist Teil des städtischen Programms „Grünes Hannover“, in dem sehenswerte Grünflächen vorgestellt werden.

Dauer ca. 90 Minuten. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Treffpunkt: Haupteingang Lindener Bergfriedhof, Am Lindener Berge 44
Führung: Jonny Peter, Quartier e.V.

Rundgang zu Gräbern Lindener Juden

Jüdischer Friedhof An der Strangriede
Jüdischer Friedhof An der Strangriede
(Foto: Tim Schredder – wikipedia.de)

Führung zur „Geschichte der Juden in Linden: Grabstätten auf dem Alten jüdischen Friedhof und dem jüdischen Friedhof An der Strangriede“ am Sonntag, 18.8.2013, von 10.00 – 13.00 Uhr.

Beginn: Alter Jüdischer Friedhof an der Oberstraße in der Nordstadt um 10 Uhr.
Männliche Besucher bitte mit Kopfbedeckung.
Kosten 6 Euro (mit Kaffee-/Teepause)

Seit 1763 lebten Juden im damaligen Dorf Linden. Um 1810 wurden sechs jüdische Familien gezählt, im Jahr 1900 insgesamt 200 jüdische Einwohner. Die Juden in Linden waren auf die Unterstützung der hannoverschen Nachbargemeinde angewiesen, deren Friedhöfe sie zur Bestattung ihrer Toten nutzten. Jedoch bewahrten die Lindener Juden mehr als hundert Jahre ihre Eigenständigkeit. 1892 wurden die Lindener Juden von der Synagogengemeinde Hannover aufgenommen. Schriftliche Quellen zur jüdischen Lokalgeschichte in Linden sind kaum überliefert. Auch Sachzeugnisse fehlen, abgesehen von den Grabsteinen Lindener Juden auf dem Alten jüdischen Friedhof und dem jüdischen Friedhof An der Strangriede in der hannoverschen Nordstadt.

Dr. Peter Schulze stellt Zurzeit im Küchengartenpavillon (Verein Quartier e.V.) auf dem Lindener Bergfriedhof Fotos und Dokumente zum Thema „VonGrabsteinen Lindener Juden“ aus. Die Ausstellung soll den Besuchern am Beispiel ausgewählter Grabsteine und ihrer Inschriften einen ersten Zugang zum jüdischen Leben in Linden im 18. und 19. Jahrhundert vermitteln. Die Ausstellung ist bis zum 23.8.2013 im Küchengartenpavillon zu sehen.

Der Rundgang am 18.8. über die beiden Friedhöfe ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung.

Quartier e.V.
Küchengartenpavillon
Am Lindener Berge 44
30449 Hannover
www.quartier-ev.de

Gruseliges auf dem Lindener Bergfriedhof

Eingang: Am Lindener Berge

Eingang zum Bergfriedhof
Eingang zum Bergfriedhof
Wer sich für Friedhöfe interessiert, sollte jetzt weiterlesen bzw. weitergehen. Dann könnt Ihr den ganz besonderen Lindener Bergfriedhof kennenlernen. Und das lohnt sich! Was fällt Euch gleich auf? Er ist richtig schön verwunschen und nicht so geputzt wie andere Friedhöfe. An diesem Ort wird heute kaum noch jemand begraben. Es gibt hier noch richtig alte Gruften (in die man leider nicht reingucken kann)! Außerdem seht Ihr ja auch die tollen uralten Grabsteine, die zum Teil mit Figuren gestaltet sind und oft – wie es früher üblich war – alte Berufsbezeichnungen enthalten.
Grabstein mit Engel
Grabstein mit Engel
Das Gelände, auf dem heute die alte Kapelle steht, wurde 1863 von Georg Egestorff gestiftet. Hier liegen unter der alten Kastanie die Gräber der Familie von Alten (Von-Alten-Garten). Und wir finden auch etwas ganz Seltenes: Es gibt christliche und jüdische Gräber auf einem Friedhof.Und jetzt zur Natur: Im Frühjahr blühen ganz viele, zum Teil seltene Blumen in allen Formen und Farben (Scilla-Blüte) – bitte auf keinen Fall welche abreißen! Besonders fallen Euch aber natürlich die schönen alten Bäume auf! Was glaubt Ihr, wie viele auf der Roten Liste stehen!fledermaeuse1Das ist nur ein kleiner Teil der Artenvielfalt des Friedhofs: Hier wachsen über 160 Pflanzenarten, hier brüten 25 Vogelarten /Mönchsgrasmücke, Hecken-Braunelle, Nachtigall, usw.) und dazu kommen noch „Gastvögel“ wie z.B. der Buntspecht, Kuckuck und Eichelhäher. Es gibt Igel und Marder, Erdkröten – und es muss sogar einen Kauz geben, weil hin und wieder Gewölle mit Mäuseresten gefunden werden. Sie fühlen sich wahrscheinlich alle so wohl, weil sie in Ruhe leben können.FledermausAch ja, und dann – ganz besonders wichtig – die Fledermäuse. Sie sind nicht fliegende Ungeheuer, die sich in den langen Haaren der Frauen verfangen und ihr Blut saugen? Hokuspokus! Ihr braucht keine Angst zu haben! Europäische Fledermäuse machen sich ausschließlich über Insekten her. Ein einziges Tier vertilgt im Laufe eines Sommers bis zu einer halben Million Stechmücken und anderes Geziefer! (Dabei sind sie so klein, dass mehrere auf einen Daumen passen!)FledermauskastenDoch keiner dankt es ihnen! Sie sind vom Aussterben bedroht. Das liegt unter anderem daran, dass sie in Wohnungsnot geraten sind. Baumhöhlen und Mauerspalte, Felswände und Verschalungen, wo diese Säugetiere leben und Winterschlaf halten, kommen in unseren aufgeräumten Landschaften und Städten viel zu selten vor. Hier auf dem Friedhof gibt es für sie recht gute Lebensbedingungen.Vielleicht seht Ihr einen der extra aufgehängten Fledermauskästen.

Und wenn Ihr Lust habt, hier noch eine klitzekleine Rallye:

Einige Fragen für besonders Pfiffige:

  • Wie viele Bäume gibt es auf dem Bergfriedhof? Schätzt mal!
  • Welche Jahreszahl trägt der älteste Grabstein?
  • Wann wurde der sogenannte „Küchengartenpavillon“ auf den Bergfriedhof gesetzt und wer arbeitet heute darin?
  • Wie heißt der große Brunnen?
  • Warum erfüllt der Friedhof die Vorraussetzungen für einen „geschützten Landschaftsbestandteil“ und sollte deshalb unter Naturschutz gestellt werden?

Antworten:Fledermaus

  • ca. 320
  • 1865
  • 1914 / Der Verein Quartier e.V.
  • Engelsbrunnen
  • z.B. Artenvielfalt, Schönheit und Seltenheit, Verschönerung des Orts- und Landschaftsbildes, Filterung der Luftschadstoffe durch Pflanzen
Lindener Rathaus um 1900

Zeittafel Lindener Geschichte

Jeder kann dazu beitragen die Lindener Geschichte zu vervollständigen. Ist etwas vergessen worden oder vielleicht falsch? Gibt es zu einem Ereigniss der Lindener Geschichte ein Bild? Einfach eine E-Mail an info@linden-entdecken.de schicken. Ich bin über jede Info dankbar.

Die Anfänge Lindens

Die Geschichte Lindens beginnt mit der ersten bekannten Urkunde ausgestellt zwischen 1115 und 1119 – in loco Linden – dem Gerichtssitzes des Grafen Wittekind oder Widukind von Schwalenberg.

1130 üben die Grafen von Roden-Limmer Herrschaft und Gericht in Linden aus.

1280 erhielt die Familie von Alten die ersten Lehen in Linden. Bis auf die Zeit zwischen 1688 und 1816 als die Reichsgrafen von Platen-Hallermund an ihre Stelle getreten waren, ging an der Familie von Alten kein Weg vorbei in Linden.

1285 wird die Martinskirche am Lindener Berg als sonntäglicher Versammlungsort erwähnt.

 

1392 ist es wahrscheinlich, als der Lindener Wartturm auf dem Lindener Berg erbaut wird.

1413 soll es gewesen sein, wenn man den Inschriften des Brüningsteins am Eingang des Von-Alten-Gartens glauben mag, dass der edle Herr Brüning im Streit um einen Jagdfalken getötet wurde.

 

Bis 1869 war die einzige Brücke über die Ihme am alten Verkehrsknoten des Schwarzen Bären. Seit wann es hier eine Brücke gibt ist nicht geklärt. Zuerst wurde die Ihme hier wahrscheinlich nur durch eine flache Furt durchquert, aber schon 1493 wird von Ausbesserungsarbeiten an einer Brücke über die Ihme berichtet.

 

1100 – 1532 gibt es das Reichs der Inka.

1119 wird der Templerorden gegründet.

 

1150 wird erstmals der Vicus Hanovere (vicus: Marktflecken) im Hildesheimer „Miracula Sancti Bernwardi“ erwähnt.

1241 erhält Hannover das Stadtprivileg.

1248 erfolgt der Baubeginn des Kölner Doms.

Ab 1250 werden große Teile der hanoverschen Stadtmauer aus den Kalksteinen des Lindener Berges gebaut. Darunter auch der Beginenturm (1357).

1271 bricht Marco Polo nach China auf.

1337 – 1453 Hundertjähriger Krieg zwischen Frankreich und England

Um 1352 wütet ein Pestepidemie in Europa.

1356 wird die Hanse gegründet.

Am 15. Juli 1410 fand die Schlacht bei Tannenberg statt.

1427 – 1521 herrschte das Aztekenreich.

Im Mai 1429 rettet Jeanne d’Arc Frankreich.

1435 hat Hannover 5.000 Einwohner

1450 – 1456 wird die Gutenbergbibel gedruckt.

1492 wird Granada zurück erobert und die Reconquista ist damit abgeschlossen. Im selben Jahr entdeckt Christoph Kolumbus Amerika.

Im 14. und 15. Jahrhundert streitet sich der Adel um Besitz- und Hoheitsrechte für Linden. Auf dem Lindener Berg sind schon Steingruben und Kalksteinbrüche in Betrieb.

1523 verpfänden die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg das ganze Dorf Linden an den Bürgermeister und Rat von Hannover.

1538 führt man die Reformation in Linden ein.

 

1595 wird der Familie von Alten nach jahrelangem Zwist die niedere Gerichtsbarkeit zugestanden. Die hohe und geistliche Gerichtsbarkeit übt das Amt Calenberg aus.

1600 ist der Gutsherr von Alten der bedeutenste Grundherr in Linden. Die Dorfbewohner sind abgabepflichtig. Zu dieser Zeit besteht Linden aus sechs Meierhöfen, fünf Halbspännerhöfen und 29 Kötnerstellen.

 

1625 plant Tilly im Dreißigjährigen Krieg vom Lindener Berg aus die Eroberung Hannovers. Die Einwohner Lindens litten nicht nur unter den Kaiserlichen, sondern auch unter den Dänen, Schweden und auch den eigenen Truppen des Welfenherzogs. In dieser Zeit gehen viele Höfe in Flammen auf. Am Ende des 30jährigen Krieges ist das Dorf stark zerstört und völlig verarmt.

 

1646 wird der erste Vorläufer der Gaststätte „Zum Schwarzer Bären“ der „Hengstmannsche Hof“ gegründet.

1650 ist die Ihme ein schiffbar durch die Anlage des Schnellen Grabens als Verbindung zwischen Leine und Ihme.

1652 ist die Windmühle auf dem Lindener Berg nach holländischer Art fertiggestellt. Sie wird zur Zwangsmühle für Linden und die umliegenden Dörfer.
Der in Hannover residierende Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg legt in Linden einen 30 Morgen großen Lust- und Küchengarten an. Linden lag damals im wesentlichen an der Falkenstraße und der Davenstedter Straße. Es zog sich Richtung Martinskirche den Berg hinauf. Conrad Buno zeichnete vom Lindener Berg aus die Residenzstadt Hannover. Die Zeichnung diente als Vorlage für den zwei Jahre später veröffentlichten Merian Kupferstich. Darauf ist im Vordergrund Linden mit seiner Kirche und der Brücke über die Ihme am heutigen Schwarzen Bären zu sehen.

 

1688 wird Linden Adelssitz: der Oberhofmarschall von Platen übernimmt das verpfändete Gut der Familie von Alten. Der Graf baut hier sein Schloß im Mittelpunkt eines 77 Hektar großen Barockgartens. Der heutige Von-Alten-Garten umfasst nur noch einen kleinen Teil des ehemaligen Gartens.

1689 entwickelte sich Linden mit 454 Einwohnern zum größten Dorf des Fürstentums Calenberg.

 

1519 sticht der portugiesische Entdecker Fernão de Magalhães zur ersten Weltumsegelung in See.

 

1534 begründet Heinrich VIII. die anglikanische Staatskirche.

1564 – 1616 lebte William Shakespeare.

1588 unterlag die spanischen Armada der englische Flotte.

 

 

1606 – 1770 entdeckten die Europäer Australien.

Um 1610 führt Galileo Galilei erste Beobachtungen mit dem Teleskop durch.

1618 – 1648 Dreißigjähriger Krieg

1636 wird Hannover zur Residenz des Herzog Georg von Calenberg. Als Residenzstadt erlebte Hannover in den folgenden 80 Jahren eine erneute Blütezeit. Die Bauten dieser Epoche der Geschichte Hannovers setzten nachhaltige Akzente im Stadtbild. Hierzu zählen unter anderem das Stadtschloss, die Sommerresidenz Herrenhausen, die Calenberger Neustadt und die Oper.

1632 – 1648 wird die Grabanlage Taj Mahal erbaut.

1646 – 1716 wirkte Gottfried Wilhelm von Leibniz, der letzte Universalgelehrte, der diesen Titel verdient. Als Mathematiker und Physiker, als Historiker und Sprachwissenschaftler, u.v.m. stand er an der Spitze der Wissenschaften seiner Zeit. Leibniz starb in Hannover am 14. November 1716 und liegt in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis begraben.

 

 

 

1683 belagern die Osmanen Wien. Unterdessen rückt ein deutsch-polnisches Entsatzheer unter dem polnischen König Johann III. Sobieski an und fügt den Osmanen am 12. September 1683 in der Schlacht am Kahlenberg bei Wien eine entscheidende Niederlage zu.

1687 entdeckt Isaac Newton das Gesetz der Schwerkraft.

Um 1700 errichtet der Graf von Platen eine Leinewebersiedlung, ferner eine Schmiede, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei und eine Wachsbleicherei. Auch das Schloß im Von-Alten-Garten wurde etwa 1700 fertiggestellt.

1718 wird um den Graf-von-Platen-Garten (Von-Alten-Garten) eine 3-4 Meter hohe Schutzmauer erichtet. Teile davon sind an der Wachsbleiche erhalten geblieben.

1727 wird die Martinskirche zum ersten Mal umgebaut und durch eine Barocke Saalkirche ersetzt. Bis auf den Turm fiel sie dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

1757 lagert die 50 bis 60 Tausend Mann starke Truppe des Feldmarschall Herzog von Richelieu für 10 Tage zwischen Linden und Ricklingen. Der Herzog hat sein Quartier im Schloss des Grafen von Platen aufgeschlagen.

1761 befestigt man den Lindener Berg rund um die Mühle mit einer Sternschanze. Den Planungen nach sollte diese Georgen-Schanze den ganzen Berg einnehmen. Gebaut wurde aber nur der innere Ring um die Mühle.

1766 hat Linden 1177 Einwohner. Die Entwicklung von Handel und Gewerbe wird durch den Vorrat an Bodenschätzen, den Ausbau der Leineschifffahrt und die Nähe des hannoverschen Absatzmarktes vorrangetrieben.

Etwa 1780 wird der Von-Alten-Garten in einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild umgestaltet.

Auf dem Weg zur Industrialisierung

Um 1800 ist Linden ein Garten- und Villenvorort von Hannover.

1803 übernimmt Johann Egestorff die gräfliche Kalkbrennerei am Lindener Berg. Er wird in den folgenden Jahren zum wichtigsten Gewerbetreibenden in Linden. Ein Jahrzehnt später hatte er schon 32 Brennöfen in Betrieb. Im Volksmund wurde er dadurch als „Kalkjohann“ bekannt.

1816 muss die Familie von Platen Linden verlassen, da die Familie von Alten ihr Wiederkaufsrecht nach langwierigen Prozessen durchsetzt. Damit übt sie wieder die unmittelbare politische Macht in Linden aus.

 

1825 baut Georg Ludwig Friedrich Laves im Auftrag von Johann Egestorff ein Berggasthaus im Villenstil auf dem Lindener Berg. Es stand bis 1877 und musste dann dem Wasserhochbehälter weichen.

Die Industrialisierung

1830-40 werden alle Rechte der Guts- und Grundherren abgelöst. Die Vollendung der Agrarreform führt zu einer neuen Verkopplung und Teilung der Feldmark Linden. Damit sind Vorentscheidungen über den zukünftigen städtebaulichen Grundriss Lindens getroffen. Grund und Boden kann nun frei erworben werden. Auf dem Gelände der heutigen Hautklinik entsteht das Städtische Krankenhaus Linden.

1834 stirbt Johann Egestorff. Er hinterlässt zahlreiche gutgehende Unternehmen mit 400 Arbeitern.

1835 gründet sein Sohn Georg Egestorff eine Eisengießerei und Maschinenfabrik und wird damit zum Begründer der Lindener Industrialisierung.

1837 gründet Adolph Meyer die Mechanische Weberei. Die Textilindustrie entwickelt sich zeitweise zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor Lindens.

1845 steigt das Egestorffsche Unternehmen in den Lokomotivbau ein. Der wirtschaftliche Aufschwung zieht immer mehr Arbeitskräfte nach Linden. In Linden-Süd wird deshalb der Grundstein einer ersten Arbeitersiedlung gelegt.

 

1714 besteigt der Kurfürst Georg Ludwig als Georg I. den englischen Thron. Bis 1837 werden die Königreiche Großbritannien und Hannover in Personalunion regiert.

 

 

 

1740 – 1786 lebte Friedrich der Große. Unter ihm steigt Preußen in den Kreis der europäischen Großmächte auf.

1756 – 1763 wird in Europa der Siebenjährige Krieg zwischen Preußen unter Friedrich dem Großen und Großbritannien auf der einen, österreich, Frankreich, Russland, Spanien und Schweden auf der anderen ausgetragen.

 

 

 

1766 hat Hannover 11.874 Einwohner

1769 wird in Ajaccio auf Korsika Napoleon Bonaparte geboren.

Am 04. Juli 1776 verabschiedet der Zweite Kontinentalkongress die Unabhängigkeitserklärung. Das ist die Gründungsstunde der USA.

 

 

Von 1803-1813 steht Hannover unter Fremdherrschaft der Franzosen.

1810 eröffnet das erste Oktoberfest in München.

1812 erleidet die Grande Armee in Russland eine verheerende Niederlage.

1814 wird Hannover zum Königreich

Am 18. Juni 1815 endet mit der Schlacht bei Waterloo die Herrschaft Napoleons endgültig.

1820 hat Hannover 24.000 Einwohner.

1824 komponiert Beethoven seine 9. Sinfonie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1837 erfinden Samuel F. B. Morse und der britische Physiker Sir Charles Wheatstone unabhängig voneinander den ersten elektromagnetischen Telegraphen.

 

 

 

1847 wird die Ernst-August-Stadt (Bezirk Vorort) nach Hannover eingemeindet.

Bis 1850 entstehen auch viele kleinere Unternehmen, unter anderem eine Asphalt-, Leder-, Essig-, Tapeten-, Stärke- und Ultramarinfabrik.

1850 entsteht die Brauerei Brande & Meyer, die später zur Lindener Brauerei und dann zur Lindener Gilde-Bräu AG wird.

1852 hat Linden etwa 5.000 Einwohner. Eine lebhafte Siedlungstätigkeit ist die Folge, trotzdem herrscht Wohnungsnot.
Zwischen Linden und Hannover wird eine Pferdebuslinie eingerichtet.

1853 gründet Adolph Meyer die Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei.

1854 entsteht gegenüber der Spinnerei die Arbeiterkolonie Fannystraße. Linden erhält eine Gasbeleuchtung.

1856 werden die Dörfer Alt- und Neu-Linden zu einer einheitlichen Landgemeinde zusammengefasst. Die Verwaltung übernimmt ein Vorsteher mit fünf Beigeordneten.

Bis 1858 hat das ehemals dörfliche Linden den Sprung zur Großindustrie vollzogen.

1861 hat Linden ca. 10.000 Einwohner.

1862 schenkt Georg Egestorff der Kirchengemeinde zwei Morgen Land auf dem Lindener Berg, dort wird der Lindener Bergfriedhof angelegt.

1863 wird Lindens erstes Gemeindehaus in der Posthornstraße gebaut. Johann Egestorff (Georgs Bruder) ist Vorsteher für die nächsten 16 Jahre.

1866 beantragt die ständig anwachsende Gemeinde ihre Eingemeindung in den Stadtbezirk Hannover – vergebens.

1868 stirbt Georg Egestorff. Die Maschinenfabrik übernimmt der „Eisenbahnkönig“ Strousberg, unter dem das Unternehmen zum größten Lokomotivwerk Deutschlands avanciert.

Linden – ein Ort der Zuwanderung

1869 wird die Gewerbefreiheit eingeführt, ein wirtschaftlicher Aufschwung durch Fabrikgründungen folgt. Der Strom heranziehender Arbeiter reißt nicht ab. Die Verwaltung der Gemeinde wird immer problematischer, ebenso die hygienischen Lebensbedingungen der Bevölkerung.
Strousberg baut auf dem Werksgelände für seine Arbeiter die Siedlung „Klein-Rumänien“. Ihre Straßen heißen bezeichnenderweise Zirkelstraße, Hammerstraße und Feilenstraße, bis sie im Jahre 1937 einer Erweiterung der Hanomag weichen mussten.

1869 -72 wird eine zweite Brücke über die Ihme gebaut, die Eisenbahnbrücke Altenbekener Damm, Ohedamm westlich des Maschsees. Am 13. April 1872 fuhr hier der erste Zug.

1871 hat Linden 16.617 Einwohner. Die von Georg Egestorff gegründete Fabrik wird zur Hannoverschen Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft vormals Georg Egestorff in Linden vor Hannover, abgekürzt Hanomag.

1872 entsteht die Webersiedlung an der Velvet- und Pfarrlandstraße. Benannt nach dem Haupterzeugnis Velvet-Samt. Aus dieser Zeit stammen auch die Viktoriastraße und Albertstraße, benannt nach dem englischen Königshaus aufgrund der vielen englischen Arbeiter in der Weberei. Auch die Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei baut werkseigene Häuser an der Mathildenstraße.
Linden erhält zwei Bahnhöfe: den Güterbahnhof Küchengarten und den Bahnhof Fischerhof.

1874 ist Lindens erste katholische Kirche St. Godehard fertiggestellt.

1875 hat Linden 21.000 Einwohner.

1876 entsteht am Bauweg eine Arbeitersiedlung der hannoverschen Baugesellschaft. Der erste Freiwillige Feuerwehr Verein Lindens gründet sich.

1878 kann der Trinkwasserhochbehälter der Wasserwerke Hannover seinen Betrieb aufnehmen. Linden wird zunächst nicht mitversorgt. Das berühmte Berggasthaus mußte dafür leider weichen.

1879 wird die erste Lindener Kirche in Martinskirche umbenannt und zwar zur Unterscheidung von der damals errichteten Zionskirche, der heutigen Erlöserkirche.

1880 stellt Linden erneut einen Antrag auf Eingemeindung – wieder vergebens.

1883 kann eine übergangslösung erreicht werden: die Gemeinde erhält das Recht, einen Bürgermeister zu wählen, es wird Senator Georg Lichtenberg.

1884 baut Linden sein erstes Rathaus an der Deisterstraße. Die Volksschule an der Davenstedter Straße, die heutige Grundschule Lindener Markt, stammt ebenfalls aus diesem Jahr.

Die Stadt Linden

1885 am 1. April feiert Linden den übergang zur städtischen Verfassung. Georg Lichtenberg wird als Bürgermeister in seinem Amt bestätigt.
Linden hat 25.000 Einwohner, 69 Straßen (zum Teil kanalisiert) und 209 Gaslaternen.

1886 scheidet Linden aus dem Verband des Landkreises aus und bildet nun einen eigenen Stadtkreis.

1888 entsteht ein Stadtbauamt mit Theodor Krüger als Leiter. Unter seiner Führung vollzieht Linden seine weitere räumliche Entwicklung. In diesem „Dreikaiserjahr“ wurde vom Gemeindevorsteher Conrad Friedrich Schnabel mit mehreren Freunden eine Brauerei gegründet, die Kaiserbrauerei. Nachdem sie im Jahre 1970 von der Holsten-Brauerei übernommen wurde, stellte man den Betrieb 1978 endgültig ein. Heute kann man hier im Kaiser-Center nach dem Sport noch ein leckeres Bier trinken.

1889 bekommt die Stadt Linden die Genehmigung, ein eigens Wappen zu führen. Für die Feuerwache 4 der Berufsfeuerwehr Hannover wird das Spritzenhaus am Lichtenbergplatz gebaut. Heute ist dort die Freiwillige Feuerwehr Lindens untergebracht, nachdem die Berufsfeuerwehr 1967 zur Nenndorfer Chaussee umgezogen ist.

1890 sind fast alle Straßen gepflastert und mit Straßenkanälen versehen. Es gibt eine regelmäßige Müllabfuhr. Die dritte Ihmebrücke von der hannoverschen Vorstadt Glocksee zum Küchengarten wird gebaut. Sie bekommt zunächst nach der hier ansässigen Baumwoll-Spinnerei den Namen Spinnereibrücke. Heute heißt sie nach Robert Leinert, dem Oberbürgermeister Hannovers, der Hannover mit Linden vereinigte. Die Bettfedernfabrik Werner & Ehlers zieht auf das heutige FAUST Gelände um.
Das Wachstum der Industrie hält weiter an. Das führt schon bald zu Klagen über die Umweltbelastungen.

1892 wird ein botanischer Schulgarten an der Göttinger Chaussee eingerichtet.

1894 wird der Marktplatz für das neue Ortszentrum angelegt. Repräsentative Straße und Wohnviertel für den bürgerlichen Mittelstand entstehen.

1895 hat Linden 35.851 Einwohner. Fast 80 Prozent der Bevölkerung gehören zur Arbeiterklasse.

1896 wird der Nachtwächter auf dem Lindener Markt im September eingeweiht. Eigentlich sollte die Figur des Bildhauers Dammann auf dem hannoverschen Holzmarkt aufgestellt werden. Dort entschied man sich aber noch für ein anderes Modell. Kurzentschlossen erwarb der Magistrat von Linden die Figur für die Brunnenanlage auf dem Lindener Markt.
Der Vorgänger des Krankenhauses Siloah, eine Poliklinik in der Falkenstraße, wird gegründet. Fritz Ahrberg eröffnet sein erstes Fleisch- und Wurstwarengeschäft.

 

1899 ist das neue Rathaus am Marktplatz fertiggestellt und wird einweiht. Gleich gegenüber an der Ecke Niemeyerstraße und Posthornstraße entsteht das Gebäude des Kaiserlichen Postamtes. Im Zweiten Weltkrieg wird das Rathaus teilweise zerstört und nur vereinfacht wieder aufgebaut. Auch die Post wurde beschädigt und wie einige andere schöne Bauwerke 1960 leider durch ein modernes Gebäude ersetzt.
Die Klinik „Siloah“ wird mit 10 Betten in der Jacobsstraße eingerichtet. Später erhält das Haus einen Neubau an der Petristraße mit 70 Betten.

 

Von 1854 – 1874 entsteht die Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner. Bestehend aus „Das Rheingold“ (1869), „Die Walküre“ (1870), „Siegfried“ (1876) und „Götterdämmerung“ (1876). Mit seinem Konzept des musikdramatischen Gesamtkunstwerks, das heisst seiner neuartigen Verbindung von Drama und Musik, bei der alle Elemente – auch die Musik – im Sinne der dramatischen Erfordernisse der Handlung funktionalisiert werden, revolutioniert Wagner die Opernkunst des 19. Jahrhunderts.

 

 

 

 

 

 

 

1859 veröffentlicht der britische Naturforscher Charles Darwin die Evolutionstheorie (über den Ursprung der Arten). Etwa zeitgleich entwickelt ein anderer britischer Naturforscher, Alfred Russel Wallace, eine vergleichbare Theorie.

 

 

 

 

1866 wird Hannover mit der von Preußen erzwungenen Kapitulation des Königreichs Hannover zur Hauptstadt einer gleichnamigen preußischen Provinz.

 

 

 

1869 wird die Vorstadt Ohe-Glocksee von Hannover eingemeindet.

 

 

 

1870-1871 erklärt Frankreich Preußen den Krieg und verliert das Kräftemessen. Frankreich wird dazu verpflichtet, Elsass-Lothringen abzutreten, was in der Folgezeit immer wieder zu heftigen Spannungen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich führt.

1871 hat Hannover 89.465 Einwohner.

Am 18. Januar 1871 wird im Spiegelsaal des Versailler Schlosses König Wilhelm I. von Preußen zum deutschen Kaiser gekrönt. Damit ist die vor allem von Otto von Bismarck vorangetriebene Vereinigung der deutschen Staaten (mit Ausnahme österreichs) zu einem einheitlichen Staatswesen abgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

1877 läßt der Maschinenbauer Nikolaus A. Otto den Ottomotor nach dem Viertaktprinzip patentieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

1884 wird der Nullmeridian, also der Meridian der geographischen Länge 0 Grad, festgelegt. Er führt durch das Observatorium von Greenwich im Osten von London. Damit gab es erstmals eine international anerkannte und verbindliche Basis für die Längengradmessung und die Einteilung der Zeitzonen.

 

1886 wird die Freiheitsstatue im Hafen von New York von Präsident Grover Cleveland feierlich eingeweiht. Die Kolossalstatue, ein Geschenk der französischen Regierung, symbolisiert das Streben nach Unabhängigkeit und erinnert an die britisch-französischen Kriege um die Kolonien.

 

 

 

 

 

 

 

1889 entsteht zum 100. Jahrestag der Französischen Revolution nach Plänen des Ingenieurs Gustave Eiffel der Eiffelturm. Als Wahrzeichen der Weltausstellung in Paris. Die Eisenkonstruktion, eine Meisterleistung der Ingenieurkunst, ist zu seiner Zeit mit 301,7 Metern das höchste Bauwerk der Welt.

1891 führt Otto Lilienthal seinen ersten Gleitflug von einem aufgeschütteten Hügel in Lichterfelde (Berlin) durch. Ab 1896 arbeitet Karl Jatho in Hannover daran, einen motorbetriebenen Fluggleiter zu bauen.

 

 

 

 

 

 

 

 

1896 finden auf Initiative des französischen Pädagogen Baron Pierre de Coubertin in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt. Grundgedanken dieses sportlichen Großereignisses sind die Idee der Völkerverständigung, des Internationalismus und des Athletismus.

1897 wird in Berlin erstmals die Internationale Automobilausstellung (IAA) veranstaltet, bei der acht Automobile präsentiert werden. Später wird die IAA nach Frankfurt/Main verlegt.

Von 1899 bis 1904 wird auch Beethovenstraße angelegt, die zu den besseren Wohnvierteln Lindens zählt.

Lindener Rathaus um 1900
Lindener Rathaus um 1900

1900 hat Linden 50.628 Einwohner. Linden versucht den industriellen und proletarischen Ruf der Stadt loszuwerden. Die Fleischwarenfabrik Ahrberg am Deisterplatz wird gegründet.

1901 bekommt Linden mit der St. Benno Kirche sein zweites katholisches Gotteshaus und Hermann Lodemann wird Bürgermeister.

1902 wird die Gaststätte „Zum Schwarzen Bären“, die dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel, als ein repräsentatives Jugendstilhaus neugebaut.

1904 wird am Himmelfahrtstag der Grundstein für die Bethlehemkirche gelegt.

 

1907 und 1908 macht Linden wieder einen Versuch der Eingemeindung in Hannover – immer noch vergebens.

1908 flimmern die ersten Filme im ältesten Lichtspieltheater Norddeutschlands, dem Apollokino, über die Leinwand.

Anmerkungen zur Geschichte Limmers

1909 werden Limmer, Badenstedt, Davenstedt und Bornum in die Stadt Linden eingemeindet. Dort hatten sich schon viele Unternehmen aus Hannover angesiedelt, unter anderem Körting, Stichweh und Sichel.

1910 hat Linden 73.400 Einwohner und ist nach Hannover das wichtigste städtische Zentrum des Landes.

1910-12 wird die Höhere Mädchenschule an der Badenstedter Straße erbaut. Zwischenzeitlich hieß sie Friederikenschule und heute Ihmeschule.

1913 wird auch Ricklingen eingemeindet und die Stadt Linden übernimmt das Krankenhaus „Siloah“. Das Jahr gilt auch als Gründungsjahr von Wassersport Hannover-Linden (Waspo).

1914 wird der Küchengarten-Pavillon auf den Lindener Bergfriedhof umgesetzt. Vorher stand der um 1750 erbaute Pavillon an der Hauptachse des Kurfürstlichen Küchengartens. Auch der Nachtwächter-Brunnen wird an seinen heutigen Platz versetzt.

1917 am 18. April beginnt der Betrieb am Lindener Hafen, einem Abzweig des Mittellandkanals.

1918 ist die Geburtstunde der Geha Schreibwaren als Buchhandlung Gebrüder Hartmann am Schwarzen Bären Nr.7 .

 

Eingemeindung, Weimarer Zeit und Nationalsozialismus

1919 muss der Botanische Schulgarten, der zunächst an der Göttinger Chaussee lag, einer Erweiterung der Hanomag weichen und findet seinen neuen Platz am Nordhang des Lindener Berges.

1920 ist es dann soweit: Linden wird mit inzwischen schon 83.000 Einwohnern von Hannover eingemeindet. Das rote Linden zieht in das hannoversche Rathaus ein.
Das im 19. Jahrhundert zur Industriestadt gewachsene Linden behält seinen Charakter auch nach der Eingemeindung weitestgehend bei.

1922 läuft die 10.000ste Lokomotive in der Hanomag vom Band.

1924 kommt der Hanomag, ein Klein-Automobil, auf den Markt. Es wird im Volksmund als „Kommissbrot“ bekannt.

Ab 1925 werden immer wieder Teile des Von-Alten-Gartens für Bauprojekte abgezweigt. Unter anderem führt heute der Westschnellweg eigentlich mitten durch den Garten.

1927 werden die Städtischen Bäder am Küchengarten erbaut. Sie dienten neben dem Wohnraum als öffentliches Bad, von dem man einen kleinen Teil im heutigen Theater am Küchengarten erhalten hat.

1928 entsteht in den ehemaligen Kalksteinbrüchen des Lindener Berges das Lindener Stadion.

1931 wird die Produktion von Lokomotiven in der Hanomag mit dem 10.765 Exemplar eingestellt.

1933 bleibt der Widerstandsgeist in Linden auch nach der nationalsozialistischen Machtübernahme stark. Es bilden sich mehrere Widerstandsgruppen der KPD, des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (einer Abspaltung der SPD) und die größte örtliche Widerstandsgruppe die Sozialistischen Front.

1935 werden große Teile der Sozialistischen Front in Linden von der Gestapo verhaftet.

1937 gelingt durch die Unterstützung aus Berlin und einem Gestapospitzel die Enttarnung der Organisationsspitze der Sozialistischen Front. Werner Blumenberg kann sich in letzter Minute nach Holland absetzten. An ihn erinnert heute das Werner-Blumenberg-Haus am Pfarrlandplatz. Es werden etwa 300 Personen verhaftet und nach mehrjährigen Gefängnisstrafen entweder in die Schutzhaft der Konzentrationslager genommen oder in die Bewährungsbataillione gesteckt, mindestens jedoch unter Polizeiaufsicht genommen.

1937 werden die nächsten Brücken über die Ihme gebaut. Zunächst die Legionsbrücke und kurz darauf die Stadionbrücke.

 

1943 zerstören Bombenangriffe viele Gebäude in Linden, unter anderem die Martinskirche. Eines der wenigen Erinnerungsstücke aus der alten Lindener Kirche ist der Taufstein von 1647. Auch der Unterbau des Turms stammt noch von der Dorfkirche, die auf dem Merian-Stich von 1654 zu sehen ist. Die Zionskirche wird auf Druck des NS-Regimes in Erlöserkirche umbenannt.

Auch 1945, im letzten Kriegsjahr, wird noch vieles durch Bombenangriffe zerstört. Vom Schloß im Von-Alten-Garten blieben außer einigen Steinquadern, die noch heute im Garten zu finden sind, nur einige Gemälde erhalten, die im Historischen Museum zu sehen sind.

 

1900 tritt am 1. Januar das für das gesamte Deutsche Reich erlassene Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft. In ihm wird der überwiegende Teil des allgemeinen Privatrechts geregelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

1903 hatten die Experimente von Karl Jatho endlich Erfolg. Ihm gelang der erste Motorflug der Welt in der „Vahrenwalder Heide“.

 

 

1905 veröffentlicht der deutsch-amerikanische Physiker Albert Einstein in der Fachzeitschrift „Annalen der Physik“ (Nr. 17, S. 891-912) unter dem Titel „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ die spezielle Relativitätstheorie.

 

 

 

 

 

 

1911 erreicht der norwegische Polarforscher Roald Amundsen als erster Mensch den Südpol. Damit kommt er einer britischen Expedition unter der Leitung von Robert Falcon Scott zuvor.

 

 

Am 28. Juli 1914 löst das Attentat von Sarajevo den 1. Weltkrieg aus. österreich-Ungarn erklärt mit Rückendeckung des Deutschen Reiches am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg. Am 1. August erklärt das Deutsche Reich Russland und am 3. August Frankreich den Krieg; am 4. August folgt die Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich. Der 1. Weltkrieg hat begonnen.

1917 stürzen die Bolschewiki in der „Oktoberrevolution“ unter der Führung von Wladimir I. Lenin und Lew D. Trotzkij die bürgerliche „Provisorische Regierung“ unter Aleksandr F. Kerenskij, und am folgenden Tag konstituiert sich der bolschewistische „Rat der Volkskommissare“ mit Lenin an der Spitze als neue Regierung.

 

 

 

 

1919 hat Hannover 310.431 Einwohner.

 

 

 

 

 

 

1925 hat Hannover 422.745 Einwohner.

 

 

 

 

 

 

1929-1941 lösen die massiven Kurseinbrüche an der New Yorker Börse am 25. Oktober 1929, der als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte eingeht, eine Weltwirtschaftskrise aus, sie führt vor allem in den USA und in Deutschland zu Massenarbeitslosigkeit.

 

 

1933 entwickelt sich unter der Führung Adolf Hitlers die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) zur organisierten Partei. 1932 wird die NSDAP stärkste Partei im Reichstag; am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident Paul von Hindenburg auf Druck konservativer Kräfte Hitler zum Reichskanzler.

 

 

1937 zeigen die Nationalsozialisten die Schmähausstellung „Entartete Kunst“ in München mit 650 der insgesamt 16 000 aus deutschen Museen konfiszierten Gemälde, Graphiken und Skulpturen, die dem geforderten ästhetischen Ideal „arisch-rassischer Größe“ nicht entsprechen. Fast alle Künstler der klassischen Moderne sind vertreten.

 

1939 beginnt mit dem Angriff auf Polen der 2. Weltkrieg.

1941 erfolgt mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika.

Am 06. Juni 1944 landen die Allierten Truppen in der Normandie. Die „Operation Overlord“, so der Codename der Invasion, ist die größte militärische Landeoperation, die je unternommen wurde.

1945 treiben SS-Leute drei Kolonnen ausländische Häftlinge, darunter Frauen und Kinder, auf den Seelhorster Friedhof und bringen kurz vor Kriegsende 154 Menschen um.

Am 06. August 1945 fällt die erste Atombombe auf Hiroshima, heute eine der Partnerstädte Hannovers. Drei Tage später fällt eine zweite Atombombe auf Nagasaki. Danach kapituliert Japan und der 2. Weltkrieg ist beendet.

Die Nachkriegszeit

1945-46 hat Kurt Schumacher sein Büro in der Jacobstraße 10 und gründet hier die Nachkriegs SPD.

 

1955 wird die Hautklinik neu erbaut und die Gerhard-Uhlhorn-Gemeinde gegründet.

1956/57 entsteht das Fössebad.

 

1958 bekommt die St. Martinskirche die markante St. Martinsfigur vom Bildhauer Kurt Lehmann.

1961 wird das Freizeitheim als erstes seiner Art feierlich eingeweiht. Es sollte die Lücke schließen, die der im Krieg zerstörte Saalbau Sander hinterlassen hatte, zu Zeiten der Weimarer Republik ein wichtiger Treffpunkt.

1962 wird das Schulzentrum Fössefeld eröffnet.

1963/64 wird auf dem Gelände der ehemaligen Baumwoll-Spinnerei und Weberei das Heizkraftwerk gebaut.

1965 verbindet die nächste Brücke Linden und Hannover: die markante Lodemann-Brücke. Benannt nach Lindens letztem Oberbürgermeister, überspannt sie die Ihme zwischen Sportpark und Ritter-Brüning-Straße.

1967 benennt man in Anlehnung an die Brauerei die neue Trogstrecke zur Göttinger Chaussee „Kaiser-Gabel“.

1968 wird die Volkssternwarte gegründet. Seit 1986 heißt sie offiziell zum Gedenken an zwei international bedeutende Astronomen aus Hannover „Volkssternwarte Geschwister Herschel“. Friedrich Wilhelm Herschel entdeckte den Planeten Uranus und Karoline Herschel machte sich durch die Entdeckung von acht Kometen einen Namen.

1969 ereignete sich am Bahnhof Linden Fischerhof ein schweres Zugunglück. Am 22. Juni um 8:05 Uhr explodierte ein in Brand geratener Güterwagen mit Munition für die Bundeswehr. 12 Menschen starben, 30 weitere wurden – zum Teil schwer – verletzt. Auch noch in weiterer Entfernung wurden tausende von Fensterscheiben zertrümmert und zahlreiche Dächer abgedeckt. Der Sachschaden betrug etwa 40 Millionen DM.

1971 wird die Integrierte Gesamtschule Linden als erste Schule dieser Art in Hannover gegründet.

 

1971-76 entsteht das damals größte innerstädtische Bauprojekt der Bundesrepublik, das Ihmezentrum.

 

1972/73 verschwindet mit dem Neubau des Werner-Blumenberg-Hauses, einer Altenwohneinrichtung mit 92 Wohnungen, eine der letzten traditionellen Werksiedlungen des 19. Jahrhunderts.

1973 beginnt die Sanierung Lindens. Zuerst wird Linden-Süd dann Linden-Nord zum Sanierungsgebiet erklärt. Aktionen der Lindener Bürgerinitiativen verhinderten den undifferenzierten Abriss und setzten viele Bürgerwünsche gegen die Stadtverwaltung durch.

1973-75 gibt es ein weiteres Beispiel von rücksichtsloser Flächensanierung: ein Versicherungskonzern hat die kleinen Reihenhäuser der Arbeiterkolonie in der Fanny- und Mathildenstraße aufgekauft und dort den sogenannten Tobleronebau hingestellt.

1974 ist nach der Eingemeindung des Kronsbergs ist der Lindener Berg nicht mehr der höchste Berg Hannovers. Heute wird auch der von den Müllbergen in Altwarmbüchen übertroffen.

1975 gründet sich die „Aktion Limmerstaße“. Der Spielpark Linden im Von-Alten-Garten wird eröffnet.

1979 wird die Pferdetränke von Max Sauk mit den beiden bronzenen Pferdeköpfen mit anschließender Kutsche und dem marmornen Brunnenbecken an der Ecke von Kötnerholzweg und Limmerstraße aufgestellt.

Seit 1982 plätschert der Ernstbrunnen am Eingang des Von-Alten-Gartens. Von Bernd Schlender erschaffen symbolisiert er, mit seinen zwei stilisierten Bäumen Kraft und Ausdauer, Natur und Geduld.

1983 findet das erste Fährmannsfest am Weddingenufer statt. Den Namen hat das Festival aufgrund der Tatsache bekommen das hier früher eine Fähre zwischen Linden und Hannover verkehrte.

1984 geht die Hanomag in Konkurs, nachdem sich diverse Konzerne die Rosinen aus dem Bestand der Hanomag heraus gepickt haben.

1985 feiert man am 1. April Lindens 100jähriges Jubiläum seit der Verleihung der Stadtrechte. Linden hat nun 43.085 Einwohner und die Altersgruppe der 18- bis 30jährigen ist überproportional vertreten.

 

1990 feiert die Lindener Volksbank ihre Einhundertjahrfeier. Aus diesem Anlaß wurde der „Lindener Butjer“ von Ulrike Enders vor der Zentrale der Lindener Volksbank in der Minister-Stüve-Straße aufgestellt.

1991 wird das soziokulturelle Kulturzentrum FAUST auf der ehemaligen Bettfederfabrik Werner & Ehlers gegründet.

1993 wird Waspo Deutscher Meister im Wasserball.

 

1997 nimmt Radio Flora im Rahmen eines Modellversuches den Sendebetrieb auf. Die änderung des Landesrundfunkgesetzes ermöglichte erstmals den Betrieb von nichtkommerziellen Lokalradios. Im Rahmen des EXPO-Projektes „Stadt als Garten“ kauft die Stadt Hannover den bisher unzugänglichen 1,5 Hektar großen Teil des Von-Alten-Gartens.

1997-2001 entsteht das heutige Ahrberg-Viertel.

2000 wird die Lindener Brauerei komplett abgerissen. Es entstehen diverse Pläne für die nun leerstehende Fläche im Zentrum von Linden. Die Palette reicht vom Park bis zum Einkaufszentrum. Nach mehreren Jahren Brache bekommt die Ostland Wohnungsbaugenossenschaft den Zuschlag für einen Mix aus Einfamilienhäusern, Geschosswohnungen und Verwaltungsgebäuden.

2001 der 1997 gekaufte Teil des Von-Alten-Gartens wird der öffentlichkeit übergeben und der Eingangsbereich an der Posthornstraße wird im Rahmen des Projekts „Hannover schafft Platz“ umgestaltet.

2003 erfolgt der erste Spatenstich für das Gilde-Carre.

2004 wird der im Volksmund schon lange so bekannte „Pariser Platz“ auch offiziell so benannt.

Ende 2004 kommt das Stadtteilportal www.linden-entdecken.de in das World Wide Web.

2006 das Ihmezentrum soll zum Linden-Park Fachmarktzentrum umgebaut werden. Die Eröffnung war für den Herbst 2007 geplant. Die Fußgängerbrücke zwischen Ihmezentrum und Calenberger Neustadt wird nach Ida Arenhold der Gründerin des Friederikenstiftes benannt.

2008 die Bauarbeiten an der Benno-Ohnesorg-Brücke beginnen (geplant für 3 Jahre)

2009 die Diskussion um Hochbahnsteige auf der Limmerstraße entbrennt. Nach unendlich langen Diskussionen wird die von vielen gewünschte Niederflurlösung aus Kostengründen von der Region abgelehnt.
Das Grab der Heuschrecke“ titelt die TAZ nach der Insolvenz des US-Finanzinvestors Carlyle Europe Real Estate die das Ihmezentrum wiederbeleben wollten. Jahrelange Bauruinenatmospähre ist die Folge.

2010 die drei warmen Brüder sind eine Zeit lang nur zu zweit. Im Heizkraftwerk Linden wird die zweite GUD-Anlage eingebaut.
Der erste Lindemann Krimi „Lindentod“ erscheint.
Hannovers erste Snowboard-Meisterschaft wird auch am Lindener Berg ausgetragen.

2011 nach der Kommunalwahl im September ist die SPD nicht mehr die stärkste Partei im roten Linden und Rainer Jörg Grube wird erster grüner Bezirksbürgermeister.
Die runderneuerte Bethlehemkirche kann wieder ihrem Zweck dienen.
In der Limmerstraße 98 wird nach lager Zeit wieder mal ein Haus besetzt aber auch nach kurzer Zeit von der Polizei wieder geräumt.
Unter dem Motto „strebt vorwärts“ wird im Juni eine ganze Hauswand in der Velberstraße zu einer Kurt Schwitters Homage gemacht.
Die Polizeiinspektion West zieht von der Gartenallee nach Limmer um.
Der TSV Limmer unterliegt den Profis von Hannover 96 mit 0:21.

2012 das Freibadebecken des Fössebades wird vom Gesundheitsamt geschlossen.
Am Haus Limmerstraße 3-5 entbrennt die Gentrifizierungsdebatte. Kleine Läden müssen ausziehen um einer Filiale von Denn’s Platz zu machen.
Der Neubau des Klinikums Mitte (Siloah) feiert am 22. März 2012 Richtfest.
Am 18.11.2012 wird die Gerhard-Uhlhorn-Kirche entwidmet. Mehrere Initiativen wollen das Kirchengebäude kaufen und zum Beispiel als Zirkusspielort oder Kletterhalle nutzen.

2013 die Gedenkstätte deutscher Widerstand widmet der „Sozialistischen Front“, einer SPD nahen Widerstandsorganisation gegen das NS-Regime eine Webseite unter www.sozialistische-front.de.
Im Juni wird die Bücherei im Freizeitheim Linden geschlossen.
Das Fährmannsfest feiert seinen 30. Geburtstag.

Die Lindener Geschichte wird fortgesetzt: 2015 feiert Linden seinen 900. Geburtstag.

 

 

1946/47 überschwemmt ein Hochwasser große Teile Hannovers an Ihme und Leine.

1947 findet die erste „Exportmesse in Hannover“ statt. Auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Gustav Bratke wird in Konkurrenz zur Leipziger Messe der Messeplatzes Hannover etabliert.

Am 4. Oktober 1957 startet der russische Satellit Sputnik 1 in eine Erdumlaufbahn. Der 83 Kilogramm schwere Satellit ist das erste von Menschenhand geschaffene Objekt im All. Für die Erdumrundung benötigt Sputnik 96,2 Minuten.

1962 erreichte die Einwohnerzahl der Stadt Hannover mit 574.754 ihren historischen Höchststand.

 

 

 

 

1965 veröffentlichen The Rolling Stones mit der Hitsingle „I Can’t Get No Satisfaction“, einen Song, der in der Folge zur Hymne einer ganzen Generation wird.

 

1967 gipfelt der arabisch-israelische Konflikt im Sechstagekrieg. Er endet mit dem Sieg Israels, das sein Territorium erheblich erweitert.

 

Um 1971 schägt die Stunde der ersten PCs. Der Techniker John von Blankenbacher konstruiert den Kenbak-1, einen Mikrocomputer mit einem Arbeitsspeicher von 256 Bytes. Der Kenbak-1 wird 1986 von einer Jury am Computermuseum in Boston zum ersten PC der Welt gekürt. Ebenfalls PCs der ersten Stunde sind der Alto (1973), der Altair 8800 (Edward Roberts, 1974) sowie der Sol (1976).In der kanadischen Stadt Vancouver wird die Umweltorganisation Greenpeace gegründet.

1972-2006 ist Dr. h.c. Herbert Schmalstieg Oberbürgermeister Hannovers.

 

 

1973-1974 löst der für die arabischen Staaten erfolglose Jom-Kippur-Krieg eine ölkrise aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1976 entstehen Punk und New Wave. Zu den wichtigsten Bands der kurzen ära gehören unter anderem The Sex Pistols, The Clash, The Damned und The Ramones. Einige Elemente des Punk werden in der sich nahtlos anschließenden New-Wave-Musik fortgeführt. Einflussreiche Vertreter dieser Richtung sind The Talking Heads, The B-52’s, Joy Division und The Human League.

 

 

 

 

 

 

 

1986 eröffnet die erste CeBIT als erfolgreicher Ableger der Hannover-Messe ihre Pforten.

Am 26. April 1986 gerät im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl ein Reaktorblock außer Kontrolle und löst den bisher folgenschwersten Reaktorunfall aus. Durch den Fallout werden Teile von Russland, Weißrussland, der Ukraine und des übrigen Europa unterschiedlich stark belastet.

Am Abend des 9. November 1989 verkündet das Politbüromitglied Günther Schabowski vor der Presse, dass ab sofort für die Bürger der DDR Reisefreiheit gelte.

 

 

 

 

1994-1996 wird für Anfang August anläßich der Chaos-Tage wiederholt dazu aufgerufen Hannover in Schutt und Asche zu legen.

 

1999 bewohnen sechs Milliarden Menschen die Erde.

2000 findet in Hannover die Weltausstellung EXPO statt. Jens König aus Hannover wird Deutscher Meister im Tipp-Kick.

 

Am 11. September 2001 verüben islamistische Attentäter mit drei entführten Verkehrsflugzeugen Selbstmordanschläge auf das World Trade Center in New York und auf das Pentagon bei Washington. Die Zwillingstürme des World Trade Center stürzen ein und begraben Tausende von Menschen unter sich.

 

 

2002 wird der Euro eingeführt. Zum Jahreswechsel führen zwölf Länder der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) Euromünzen und -scheine ein. Bis zum 30. Juni 2002 darf noch mit nationalen Währungen bezahlt werden. Ab dem 1. Juli 2002 ist nur noch der Euro gültig.

 

 

2005 hat Hannover 515.729 Einwohner.

Quellen: Die Literatur über Linden, Wikipedia, www.hannover.de, die Broschüren vom Quartier e.V., Microsofts Encarta und Meyers großes Taschenlexikon in 25 Bänden.

Die Geschichte von Linden

Lindener Wappen
Lindener Wappen

Ein kurzer Spaziergang durch die F a r b i g e Geschichte Lindens und Limmers

von Jonny Peter, Quartier e.V.

Am Anfang gleich zwei Überraschungen:

Hannover hat eine Nordstadt, eine Oststadt und Südstadt, allerdings keine Weststadt. Hannover hat im Westen dafür Linden – und das gleich dreimal: Linden-Nord, Linden-Mitte und Linden-Süd. Und Limmer gehört auch dazu.

Und dann der Name: Linden?

Linden-Limmer-Buch 1998
Linden-Limmer-Buch 1998

Wir sind ja nicht in einem Waldgebiet oder ländlichen Idyll, sondern in einem der dicht bebautesten Quartiere ganz Hannovers, ja Deutschlands!

So interessant wie die Gegenwart ist, so ereignisreich war auch die Geschichte von Linden. Der heutige hannoversche Stadtteil „Linden“ war bis 1920 eine eigenständige Gemeinde, Limmer wurde 1909 von Linden eingemeindet, beide geschichtlich natürlich eng verbunden mit Hannover. Diese Nähe brachte allerdings – fast so wie heute – auch einige Reibereien mit sich. Und Linden/Limmer hatte natürlich seine Eigenheiten – so wie heute, wo nicht nur die Ihme diese beiden Lebensbereiche trennt.

Im Laufe der Zeit wandelte sich Linden vom „schönsten Dorf im Königreich Hannover“ zum von der Industrie geprägten angeblich „größten Dorf Preußens“. In der Tat ist Linden, wie kaum ein anderer Stadtteil, geprägt durch das Zeitalter der Industrialisierung. Die bauliche Struktur wurde in dieser Zeit festgelegt; es entstand das „rote Linden“ und aus einem beschaulichen Dorf eine der größten Städte der Provinz Hannover. Andererseits: Einiges von der „alten“ Geschichte ist heute optisch nicht mehr nachvollziehbar. So existieren etwa der Küchengarten, das Schloss und viele der Großfabriken nicht mehr.

Zuerst hier die Geschichte Lindens. Die Geschichte Limmers war sozialgeschichtlich weitgehend ähnlich und wird hier am Schluss extra aufgeführt.

Überarbeitete und aktualisierte Version aus „Jonny Peter: LindenLimmerBuch 1998„, Mai 2001.

Grundlagen der Darstellungen sind:Über Linden: die hervorragende Arbeit von Walter Buschmann: „Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert“, Hildesheim 1981. Die zweite wichtige Quelle ist „Linden. Der Charakter eines Arbeiterviertels von Hannover“ von Bernd Rabe, Hannover 1992, das wohl beste Buch über Linden, wenn man einen Überblick von früher bis 1992 erhalten will.

Über Limmer: die sehr gute Broschüre von 1989: „800 Jahre Limmer“ der AGLV Limmer und hier insbesondere die Aufsätze von Ulrich Schweingel, Werner Müller und Hans Werner Dannowski.

© Jonny Peter Quartier e.V. – www.quartier-ev.de

Die Anfänge Lindens

Der Name „Linden“ kommt von einer alten Gerichtsstätte, die im Mittelalter etwa am heutigen „Schwarzen Bären“ gelegen hat – von Linden-Bäumen umgeben. Damals war Linden tatsächlich noch ein dörfliches Idyll vor den Toren Hannovers.

1115 wird Linden das erste Mal urkundlich erwähnt. Der alte, bäuerlich geprägte Kern des Dorfes lag am Fuße des Lindener Berges – etwa wo die Martinskirche steht. Es gehörte in den Anfängen den Grafen von Schwalenberg und dann den Grafen von Roden. Eigentlich wichtiger war aber die seit dem 13. Jahrhundert ansässige Ritterfamilie von Alten, die große Ländereien und Teile der Gerichtsbarkeit in Linden erhielt. Damals wurde der Lindener Berg als Rohstoffquelle genutzt, wurden insbesondere in Steinbrüchen die Steine z.B. für die damalige Stadtmauer Hannovers abgebaut. Mit diesen Arbeiten verdienten einige Lindener ihr karges Geld, ansonsten waren die meisten BewohnerInnen unfreie Bauern, abhängig von den Guts- und Grundherren und diesen zu Zwangsarbeiten und -abgaben verpflichtet.

Über die Ihme führte eine Holzbrücke (am heutigen Schwarzen Bären) nach Hannover, das damals schon eine Stadt war.

Merian - Stich, Blick vom Lindener Berg, um 1654
Merian – Stich, Blick vom Lindener Berg, um 1654

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts traten dann größere Veränderungen ein. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Linden besetzt, da Hannover durch die Stadtmauern geschützt war: die Heere nutzten den Lindener Berg als strategischen Punkt.

Die Welfen-Herzöge von Braunschweig und Lüneburg hatten im 30-jährigen Krieg Hannover als Residenzstadt ausgewählt und legten Mitte des Jahrhunderts einen großen Lust- und Küchengarten für den Hof an: zwischen heutiger Fössestraße und Lichtenbergplatz. Dieser wurde auch bis 1866 genutzt. Heute erinnert daran z.B. noch der Name Küchengartenstraße und -platz.

Nach den Verwüstungen des Krieges wurde der Ort allmählich wieder aufgebaut, nun allerdings mehr zur Ihme hin. Die Einwohnerzahl stieg von 207 (1664) auf 1.177 im Jahr 1776 an.

Lindener Mühle
Lindener Mühle

Ungefähr 1650 wurde die Mühle auf dem Lindener Berg Zwangsmühle. Die Ihme wurde durch die Zuführung von Leinewasser (Schneller Graben) schiffbar. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Stapelplatz für die Schifffahrt nach Hannover nach Linden – da, wo heute das Ihmezentrum steht – verlegt und dort ein 5-geschossiges Speichergebäude gebaut. Die alte Holzbrücke wurde gegen 1700 durch eine Steinbrücke ersetzt, die 1910 dann von einer Stahlbrücke abgelöst wurde.

1688 verkauften die verarmten von Alten ihre Rechte und Ländereien an den Oberhofmarschall Graf Ernst Franz von Platen (1632 – 1709). Dieser legte einen großen Garten (heute Von-Alten-Garten) im Stile des Herrenhäuser Gartens an und baute darauf ein Schloss (im 2. Weltkrieg zerstört). Die Gartenanlage wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu einem englischen Garten umgestaltet. Als Herzog Ernst August 1692 den Kurfürstentitel erhielt, wurde von Platen einer der einflussreichsten Männer auch in Hannover.

Linden wuchs durch den aufwendigen gräflichen Haushalt. Der Hof wurde zum großen Wirtschaftshof mit Brauhaus (Brauhofstraße), Ziegelei und Ölmühle ausgebaut. Zudem wurden eine Poststation und eine Wachsbleiche angelegt.

Weberstraße 25 und 26
Weberstraße 25 und 26

Um 1700 baute von Platen dann die Weberstraße mit 31 Häusern für LeineweberInnen. Die alte Dorfgemeinde Linden grenzte sich von diesem Teil ab, so dass es bis Mitte des 19. Jahrhunderts dann ein Alt- und ein Neu-Linden (in etwa Linden-Süd) gab.

Für Linden nicht ohne Bedeutung war, dass aufgrund von Veränderungen in der Erbfolge des englischen Königshauses ab 1714 (bis 1837) der hannoversche Kurfürst (später auch der hannoversche König) in Personalunion gleichzeitig König von England wurde. Dies bewirkte einen erheblichen Bedeutungszuwachs und Wirtschaftsaufschwung Hannovers, der auch nach Linden übergriff.

Die Ära von Platen endete 1816, als die von Alten ihre Wiederkaufsrechte durchsetzen konnten, ihr altes Gelände übernahmen und von Platens daraufhin aus Linden wegzogen.

Linden auf dem Weg zur Industrialisierung

Das Kurfürstentum Hannover war noch ein Agrarland und wirtschaftlich unterentwickelt. Linden bestand um 1800 weitgehend aus Bauernhöfen sowie der Schlossanlage und dem Küchengarten. Die Anfänge der Industrie brachte Johann Egestorff (1772-1834), der 1803 die Kalkbrennerei auf dem Lindener Berg übernahm, in den Holz- und Steinkohlehandel (Steinkohle aus dem Deister) einstieg, neue Technologien aus Frankreich einführte und so bald zum größten Unternehmer in der Gegend aufstieg.

Johann Egestorff
Johann Egestorff

Die Franzosen, die unter Napoleon eine Zeit lang Hannover besetzten, brachten einige Reformen; diese wurden aber nach der Niederlage Napoleons wieder rückgängig gemacht. Zudem wurde auf dem Wiener Kongreß Hannover zum Königreich erklärt (von 1815 – 1866, gebietsmäßig in etwa dem heutigen Niedersachsen ohne Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg entsprechend). Durch den Ausbau Hannovers profitierte auch Egestorff und damit Linden. In den folgenden Jahren gründeten sich weitere – meistens kleine – Unternehmen: z.B. eine Brennerei, Lohgerberei, Ofenfabrik, Essigfabrik, Stärkefabrik und einige Fuhrunternehmen (oft ehemalige Kleinbauern). Dabei befand Linden sich in der Bannmeile Hannovers, unterlag also Beschränkungen in der wirtschaftlichen Entwicklung.

Lindener Berggasthaus
Lindener Berggasthaus

Prägend war aber Anfang des letzten Jahrhunderts trotz allem noch der dörfliche Charakter. Für eine kurze Zeit war Linden sogar so etwas wie der Villenvorort (das „Westend“) von Hannover: Hannoversche Bürger und Adlige legten an der Ihme ihre Villen und Landhäuser an. Zum idyllischen Ort kam als weitere Attraktion seit 1825 das vom hannoverschen Hofbaumeister Laves für Egestorff angelegte Berggasthaus auf dem Lindener Berg dazu (abgerissen 1878 für den Wasserhochbehälter), so dass das Dorf Linden „ohne Frage das erste und schönste Dorf im ganzen Königreiche“ war.

Die Revolutionen von 1830/1831 und 1848/1849 fanden in Linden praktisch nicht statt, Unruhen gab es lediglich in Hannover. Wichtig war allerdings die sogenannte Bauernbefreiung (Befreiung von der Leibeigenschaft) mit der Ablösung der Abgaben und der Privatisierung der Gemeinschaftsflächen sowie der Verkoppelung (Neugliederung des Bodens). Der Verkoppelungsplan von 1839 legte das Straßennetz bzw. die Straßenplanung fest. Viele Kleinbauern versuchten, in der aufblühenden Industrie zu arbeiten. Die Industrialisierung begann.

Das Zeitalter der Industrialisierung

Die erste Dampfmaschine, eines der Kennzeichen der industriellen Revolution, wurde 1828 im hannoverschen Stadtkrankenhaus (heutige Hautklinik) in Linden eingesetzt: 1 PS stark. Ein weiteres Kennzeichen der Industrialisierung war die Eisenbahn. Sie war in Hannover lange Zeit umstritten. König Ernst August: „Ich will keine Eisenbahn in meinem Lande. Ich will nicht, daß jeder Schuster und Schneider so rasch reisen kann wie ich.“ Unter anderem deshalb wurde in Hannover – wie bei allen anderen Neuerungen auch später als in anderen Ländern – erst 1843 die Eisenbahn eingeführt. Die erste Strecke führte von Hannover erst nach Lehrte und dann kurze Zeit später bis Braunschweig.

Als Johann Egestorff 1834 starb, hinterließ er mehrere Unternehmen mit insgesamt 400 Arbeitern. Sein ältester Sohn Georg (1802-1868) baute diese noch erheblich aus und gründete auch weitere (Saline Egestorffhall, Chemische Fabrik). Das wohl wichtigste Unternehmen wurde die 1835 gegründete Eisengießerei und Maschinenfabrik (später: Hanomag) an der Göttinger Straße. Anfangs eher ein kleines Unternehmen, erlebte es dann durch den Eisenbahnbau einen riesigen Aufschwung: 1846 wurde hier die erste Lokomotive gebaut, benannt nach König „Ernst August“. Die Fachkräfte kamen in der Anfangszeit oft aus England, da vor Ort gut ausgebildete Arbeiter noch fehlten.

Mechanische Weberei, um 1880
Mechanische Weberei, um 1880

Zu dieser Zeit lag der Schwerpunkt des Gewerbes noch bei den Ziegeleien, Steinbrüchen und Kalkbrennereien. Das änderte sich aber in den Folgejahren rasant. Zur Linden-Süd prägenden Metallindustrie kam dann in Linden-Mitte und Linden-Nord ein weiterer wesentlicher Industriezweig Lindens hinzu: die Textilindustrie.

1837 hatten die Bankiers Adolph Meyer und Alexander Cohen mit Partnern die erste Mechanische Baumwollspinnerei im Königreich gegründet: die Mechanische Weberei an der Ihme (heute befindet sich hier das Ihme-Zentrum). Produziert wurde in dieser anfangs noch recht kleinen Fabrik roher Kattun.

Durch die Freisetzung waren genug Arbeitskräfte vorhanden. Neben den traditionellen Handwerkern gab es jetzt zunehmend Fabrikarbeiter und Tagelöhner. Die Arbeitsbedingungen waren ebenso schlecht wie die Wohnverhältnisse. Viele mussten in notdürftig umgebauten Ställen oder Nebengebäuden „wohnen“. Oft wurden auch nur „Schlafstellen“, also Betten, vermietet.

Die Einwohnerzahl Lindens stieg weiter deutlich an: von 1617 im Jahre 1821 auf 3.366 Einwohner im Jahre 1848 – trotz restriktiver Bevölkerungspolitik der Behörden. Es mussten, um genügend Arbeitskräfte unterzubringen, nun verstärkt Wohnungen gebaut werden. Die Anfänge des Arbeiterwohnungsbaus waren in Linden-Süd, wo der Essigfabrikant Heinrich Behnsen und dann der Kötner und Viehverschneider Konrad Haspelmath an der Behnsen-, Charlotten-, Haspelmath- und Wesselstraße die ersten Häuser (eingeschossige Fachwerkbauten) anlegen ließen.

1848 wurde – hervorgehend aus einem Buchdrucker-Leseverein – in Hannover ein Arbeiterverein gegründet, ein Jahr später auch einer in Linden. Unternehmer Egestorff wurde sogar als Ehrenmitglied aufgenommen. Kurze Zeit nach ihrer Vereinigung wurde der eher zurückhaltende Arbeiterverein zwischenzeitlich vom reaktionären König verboten. Nichtsdestotrotz konnte nicht nur mit Repression Politik betrieben werden. So wurden auch Anfänge sozialstaatlicher Versorgung unumgänglich, z.B. Betriebskrankenkassen eingeführt.

Die Wirtschaft nahm in den 1850er Jahren einen enormen Aufschwung, viele Betriebe wurden durch Aktiengesellschaften oder Banken gegründet, so etwa die spätere Lindener Aktien Brauerei in Linden-Mitte. Egestorff baute seine Maschinenfabrik aus, die Zahl der Arbeiter stieg hier von 330 auf fast 800. Noch stärker profitierte die Textilindustrie von neuen Schutzzöllen: Meyer und Cohen bauten ab 1853 die riesige Baumwollspinnerei und Weberei (heute Heizkraftwerk) neben die Mechanische Weberei. Die Hallen waren 4-geschossig, die Dampfmaschine hatte 500 PS (Egestorffs größte hatte nur 30 PS) und über 1.000 Arbeiter sollten hier arbeiten – das wäre ein Drittel der Lindener Einwohner. Es war die erste Fabrik, die ganz auf Holzkonstruktionen verzichtete (nur guss- und schmiedeeiserne Elemente) und nach englischem Vorbild die erste Sheddachkonstruktion in Deutschland erhielt. Auch die Mechanische Weberei wurde erweitert, an der Blumenauer Straße entstand ein alles überragendes 7-geschossiges Verwaltungsgebäude. In der Baumwollspinnerei arbeiteten dann 1.100 ArbeiterInnen, in der Mechanischen Weberei fast 1.200, in der Egestorffschen Maschinenfabrik zeitweise über 800.

Innerhalb kurzer Zeit war aus dem schönen Villenvorort ein Fabrikort auf der zuvor grünen Wiese geworden. Die Idylle war vorbei: rauchende Schornsteine verqualmten die Gegend und schädigten die Lungen, das Ihmewasser wurde von der Textilindustrie verschmutzt. Von den 1861 ca. 10.000 Einwohnern des Dorfes waren die Mehrzahl Zugezogene aus umliegenden ländlichen Gebieten, aber auch etwa aus dem Osten Deutschlands. Es waren vor allem Ein-Personen-Haushalte (geheiratet werden durfte nur am Heimatort). Die Textilindustrie benötigte vor allem nicht ausgebildete, billige Arbeitskräfte, vorwiegend Frauen, aber auch Kinderarbeit war nicht selten.

Exkurs: Linden – ein Ort der Zuwanderung

In der ersten Phase der Frühindustrialisierung – bis ca. 1840 – kamen die Beschäftigten der Lindener Betriebe aus der näheren Umgebung. Sie stammten aus dem Calenberger Land, dem Weserbergland und Lippe, vor allem jedoch aus dem katholisch geprägten Eichsfeld. Mit dem zunehmenden Aufschwung der Fabriken wurden dann verstärkt Facharbeiter aus England, Belgien und Frankreich an die Ihme gelockt, die den Qualitätsvorsprung der ausländischen Konkurrenz durch Ausbildung von einheimischen Fachkräften ausgleichen sollten. Der Beitritt des Königreiches Hannover zum Zollverein und die damit einhergehende Belebung der Textilindustrie sorgte für einen weiteren Zuzug von ArbeiterInnen.

Die Lebenssituation der abhängig Beschäftigten war durch sehr harte Arbeitsbedingungen und eine allgemein herrschende Wohnungsnot geprägt. In wirtschaftlichen Krisensituationen mußten sie zudem bei mangelhafter oder nicht vorhandener sozialer Absicherung mit Erwerbslosigkeit rechnen. Eine zweite Welle der Arbeitseinwanderung verdoppelte die Bevölkerungszahl innerhalb kurzer Zeit auf ca. 21.000 Einwohner im Jahr 1875. Nach der preussischen Okkupation des Königreiches Hannover schufen juristische Festlegungen (Gesetz über Freizügigkeit und Eheschließung ohne obrigkeitsstaatliche Einwilligung) neue Bedingungen für eine größere Mobilität der Arbeiterschaft. Durch die Anwerbung billigerer Arbeitskräfte aus östlichen Gebieten (Pommern, Schlesien, Sachsen) hatten die Unternehmer allerdings die Möglichkeit, ihre Lohnkosten zu senken. Die staatlichen Behörden zeigten sich nicht erfreut über den schwer kontrollierbaren Zuzug von Neueinwohnern und fürchteten eine „überflutung“ Lindens mit schwerwiegenden sozialen Mißständen. Aber auch sie konnten die Entstehung neuer und Erweiterung bestehender Stadtteile – im übrigen eine reichsweite Entwicklung – nicht aufhalten.

Arbeitersiedlung der Mechanischen Weberei zwischen Pfarrland- und Velvetstraße, 1911
Arbeitersiedlung der Mechanischen Weberei
zwischen Pfarrland- und Velvetstraße, 1911

Der Bevölkerungszuwachs hielt bis zum 1. Weltkrieg weiter an. Vor allem aus den deutschen Ostgebieten, aber auch aus Polen und Galizien wanderten viele Landarbeiter wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten und der größeren individuellen Freiheit in die industriellen Ballungszentren ein. Die Arbeitskräfte in Linden waren knapp, die Bezahlung dementsprechend relativ gut. In der Metall- und Maschinenbauindustrie warben die Unternehmen Arbeiter aus anderen Industriezweigen mit hohen Löhnen ab. Meist rückten dann die Zuwanderer in die frei gewordenen, niedriger bezahlten Arbeitsplätze nach. Auch der Andrang von Arbeitern aus der allernächsten Umgebung – der Stadt Hannover- war groß, weil sich die neu entstandenen, kostengünstigen Wohnungen in Linden-Nord großer Beliebtheit erfreuten. Die Belastung für die vorhandenen Gemeinschaftseinrichtungen erhöhten sich dadurch natürlich nochmals.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Linden zum Zufluchtsort. Hier waren zwar auch Bomben gefallen, aber die Schäden an den Häusern fielen nicht so dramatisch aus wie anderenorts. Nicht nur aus dem weitgehend zerstörten Hannover, auch von weiter her – insbesondere aus dem Osten – sammelten sich Ausgebombte und Flüchtlinge in Linden und Limmer und mußten sehr eng zusammenrücken. Durch rege Bautätigkeit in der Nachkriegszeit entspannte sich die Lage jedoch wieder.

Die nächste „Einwanderungswelle“ setzte dann zu Beginn der 70er Jahre ein. Zum einen kamen viele „Gastarbeiter“, zuerst allein, dann mit ihren Familien. In den 80er und 90er Jahren folgten dann Asylsuchende.

Zeitgleich wurde Linden von den StudentInnen entdeckt. Diese zogen in die meist kleinen und billigen Wohnungen in Universitätsnähe ein.

Es scheint fast so, als habe Zuwanderung eine gewisse Tradition in Linden. Vielleicht hat man sich deshalb hier so gut arrangiert.


Die Fabriken brauchten viel Platz, aber natürlich musste auch Wohnraum für die zahlreichen Arbeitskräfte geschaffen werden. Während Teile von Linden-Mitte als alter Dorfkern schon lange bebaut waren, gab es bald auch in Linden-Süd die ersten Wohnhäuser, Linden-Nord war dagegen fast völlig unbebaut – abgesehen vom Industriegürtel an der Ihme. Hier wurden erst Mitte der 1850er Jahre im Bereich Fannystraße (vor ca. 30 Jahren abgerissen) sowie Fortuna- und Viktoriastraße die ersten Häuser angelegt. In der Fannystraße ließ Adolph Meyer für „seine“ Arbeiter und Arbeiterinnen eine kleine „Kolonie“ mit zweigeschossigen Kleinstreihenhäusern (35 qm Wohnfläche) anlegen. Jetzt galten 2-geschossige Häuser als städtisch. Bauliche Auflagen gab es fast nur für die Straßenseite. Typisch war in dieser Zeit das Mittelflurhaus, entweder mit Eingang zur Straße (Wohnfläche pro Geschoss ca. 80-90 qm) oder an der Seite (dann Doppelhaus, ca. 40-50 qm pro Etage).

Linden war enorm gewachsen und hatte an Bedeutung gewonnen, im Dorf galt aber noch bis 1856 die alte Gemeindeordnung, d.h. nur Hofbesitzer (61 an der Zahl) konnten den Bauernmeister wählen. Arbeiter durften an den Kommunalwahlen lange Zeit noch nicht teilnehmen. 1863 wurde das erste Gemeindehaus an der Posthornstraße errichtet. 1865/67 wollte Linden die Vereinigung mit Hannover, da man als Dorf mit den Problemen (keine Kanalisation, keine Wasserversorgung, keine festen Straßen, keine geregelte Müllabfuhr) nicht fertig werden konnte. Hannover lehnte jedoch (wie auch in den Folgejahrzehnten) wegen der zu erwartenden finanziellen Belastung ab.

Aufgrund kontinuierlicher Wirtschaftskrisen gab es ein ewiges Auf und Ab in der Industrie, häufig mussten Arbeitskräfte mehr oder weniger lange entlassen werden. Diese konnten nur teilweise in anderen Industriezweigen aufgenommen werden, Hungersnöte waren demzufolge keine Seltenheit.

Im Krieg Preußens gegen Österreich stand Hannover auf Seiten der Österreicher. Preußen besiegte Österreich und besetzte am 17.6.1866 das Königreich Hannover. Georg V, der letzte Welfenkönig, floh ins Exil und Hannover wurde preußische Provinz.

Ende der 60er Jahre starben mit Georg Egestorff und Adolph Meyer für Linden wichtige Unternehmer.

Henry Bethel Strousberg, der sogenannte „Eisenbahnkönig“, übernahm Egestorffs Maschinenfabrik und baute sie schnell zur zeitweilig wohl größten Eisenbahnfabrik Deutschlands aus. Strousberg baute nicht nur Eisenbahnen, er plante auch Bahnstrecken und ließ diese anlegen. 1872 wurden die Bahnhöfe am Fischerhof (für die Maschinenindustrie) und auf dem Gelände des ehemaligen Gartens die Station Küchengarten – vor allem für die Textilindustrie – angelegt. Durch Verbesserung der Wanderungsmöglichkeiten (Freizügigkeit, Eheschließung ohne behördliche Genehmigung) stieg die Einwohnerzahl von 11.500 im 1867 auf dann 21.000 im Jahr 1875. Linden war allerdings immer noch Dorf, bewohnt vorwiegend von Arbeitern und Arbeiterinnen, die mit ihrem Verhalten auch das Leben im Ort prägten und sich in ihren Organisationen außerhalb der Arbeitszeit trafen: z.B. in Arbeitergesangs- und Turnvereinen. 1866 konnte in Hannover auch ein Ortsverein des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) gegründet werden. Es galt das Wahlrecht des Norddeutschen Bundes, so dass jetzt bei den Reichstagswahlen Arbeiter teilnehmen konnten. Allerdings: Frauen waren bis zur Weimarer Republik vom Wahlrecht ausgeschlossen; bei Wahlen zum Preußischen Landtag galt weiter das Dreiklassenwahlrecht, und bei Kommunalwahlen waren Arbeiter nach wie vor weitgehend ohne Stimmrecht.

Bei den Reichtagswahlen 1867 erhielt die Sozialdemokratische Partei in Linden zwar fast 48 % der Stimmen, im gesamten Wahlkreis mit Hannover aber nur 11%. Dies änderte sich bei den folgenden Wahlen zugunsten des sozialdemokratischen Kandidaten. Die Arbeiter organisierten sich zunehmend in Gewerkschaften; die ersten größeren Streiks fanden 1868/69 für Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen statt (die Arbeitszeit betrug durchaus noch ca. 60 Stunden die Woche!).

Schwerwiegend war weiter die Wohnungsnot. Strousberg legte deshalb ca. 1870 auf dem Fabrikgelände der späteren Hanomag eine neue Arbeiterkolonie an mit verhältnismäßig billigen und komfortablen Reihenhäusern: im Volksmund „Klein-Rumänien“ genannt, weil bei Bezug der Wohnungen gerade Lokomotiven nach Rumänien geliefert wurden. Wer streikte, konnte auch entlassen werden und die Werkswohnung verlieren.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg nahm in der sogenannten Gründerzeit die Industrie einen erneuten Aufschwung. Strousberg allerdings musste aufgrund von Fehlspekulationen die Fabrik an hannoversche Banken verkaufen. Seitdem heißt die Fabrik: HANOMAG (Hannoversche Maschinenbau AG). Bei der Hanomag arbeiten zeitweise über 3.000 Personen und wurden 250 Lokomotiven pro Jahr produziert. Auch die Textilindustrie expandierte: In der Mechanischen Weberei konnte ein weltweit einmaliges Färbeverfahren für die Velvetstoffe entwickelt werden, der blau-schwarze Lindener Samt erreichte Weltruhm. Mit ca. 3.000 Beschäftigten war 1885 die Mechanische Weberei die größte Weberei auf dem Kontinent.

Martinskirche
Martinskirche

Für diese Menschenmassen musste natürlich weiter Wohnraum geschaffen werden: So entstanden ab ca. 1870 viele Häuser auf dem „Nedderfeld“ in Linden-Nord im Bereich der Elisenstraße. In Linden-Mitte wurden an der Kirche und an der Nieschlagstraße, in Linden-Süd vor allem im Bereich Charlotten- und Ricklingerstr. Wohnstraßen gebaut. Dazu kamen dann weitere Arbeiterkolonien an der Fanny-/Mathildenstraße und Velvet-/Pfarrlandstr. (vor ca. 30 Jahren völlig abgerissen) von der Baumwollspinnerei bzw. Mechanischen Weberei. Die Häuser waren jetzt meistens 3-geschossig mit nach wie vor kleinen Wohnungen. Man bemühte sich jetzt verstärkt, abgeschlossene Wohneinheiten zu schaffen. Pro Etage gab es meistens nur einen Wasseranschluß, oft sogar noch Pumpen auf dem Hof, wo auch die Toiletten standen. Es gab nach wie vor keine festen Straßen (sie waren bei Regen oft eher Schlammlöcher) und keine Kanalisation. Die Sterblichkeitsrate war sehr hoch, epidemische Krankheiten keine Seltenheit.

Die ohnehin nicht zahlreich vorhandenen Schulen waren völlig überlastet. In den Volksschulen – weiterführende Schulen gab es erst gegen Ende des Jahrhunderts – waren durchschnittlich 73, z.T. sogar 100 SchülerInnen in einer Klasse.

Auch die Kirchen, zur Martinskirche war die ebenfalls evangelische Zionskirche (heute Erlöserkirche) und die katholische Godehardkirche dazugekommen, waren überlastet.

An Infrastrukturmaßnahmen waren außerdem der Anschluß des Schwarzen Bären mit einer Pferdebahnlinie nach Hannover und 1890 der Bau der Spinnereibrücke (heute Leinertbrücke) von Bedeutung.

Durch Wirtschaftskrisen (etwa bei der Hanomag) kam es erneut zu Hungersnöten vor allem in Linden-Süd. Die aufkommende Bauindustrie und die florierende Textilindustrie konnten allerdings einige Arbeitskräfte übernehmen.

Im Krisenjahr 1878 wurden die Sozialistengesetze erlassen, trotzdem konnten die Sozialdemokraten 1884 mit Unterstützung der Nationalliberalen (gegen die Welfen!) den Reichstagswahlkreis gewinnen und behielten ihn auch bis zum Ende der Weimarer Republik 1933.

Die Stadt Linden

Da Hannover nach wie vor die Eingemeindung Lindens ablehnte, wollte das scherzhaft so genannte „größte Dorf Preußens“ (es gehörte tatsächlich zu den vier größten Dörfern) nun endlich Stadt werden. Obwohl es einige Vorbehalte gab (eine Mittelschicht würde weitgehend fehlen, ebenso „intelligente Mitwirkung“) konnte dann zum 1.4.1885 Linden Stadt werden. Der erste Bürgermeister der inzwischen 25.000 Einwohner starken Gemeinde wurde dann der hannoversche Senator Georg Lichtenberg. Zuvor war noch an der Deisterstr./Ecke Ricklinger Str. das erste Lindener Rathaus erbaut worden. Nun konnten aufgrund höherer Steuereinnahmen und einer eigenen Verwaltung einige Fortschritte in der Versorgung mit Infrastruktureinrichtungen erzielt werden.

Lindener Rathaus 1911
Lindener Rathaus an der Deisterstraße 1911

Mit dem wieder einsetzenden Wirtschaftsaufschwung und den dadurch benötigten Arbeitskräften stieg die Einwohnerzahl in Linden innerhalb von zehn Jahren von 28.000 auf 50.000 im Jahr 1900 an.

Nach der Aufhebung der Sozialistengesetze konnte sich die Arbeiterschaft halbwegs ungehindert entfalten und war wie in kaum einer anderen Stadt mit ihren eigenen Lebensweisen, der eigenen Kultur, den vielen Vereinen und Organisationen allgegenwärtig und prägte das „rote Linden“. So erhielten z.B. die Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen in Linden stets über 70% der Stimmen. Zum bürgerlichen Zentrum Lindens sollte das heutige Linden-Mitte werden. Hier wurde – gegen den Widerstand der ansässigen Bauern – der alte Dorfkern abgerissen und ein neues Rathaus gebaut sowie der Lindener Markt angelegt. Zugleich wurde versucht, gezielt durch Wohnungsbau für das Bürgertum, ein Gegengewicht zu den Arbeiterwohnungen zu schaffen (etwa Lichtenbergplatz, Pfarrlandplatz und Bethlehemplatz, Beethovenstraße).

Dies konnte jedoch kaum gelingen, dazu war der Anteil der Arbeiter und Arbeiterinnen an der Bevölkerung zu groß und Linden als Wohngebiet zu unattraktiv wegen der vielen Industriefabriken und der zahlreichen – mitten zwischen Wohnhäusern gelegene – Kleinbetriebe. Es dominierte Arbeiterwohnungsbau – inzwischen meistens vier- bzw. viereinhalbgeschossig, mit bebauten Hinterhöfen, überbauten Toreinfahrten und 2 ca. 50 qm großen Wohnungen pro Etage. Die hygienische Situation war nach wie vor nicht zufriedenstellend: die sogenannten „Proletarierkrankheiten“ wie Tuberkulose, Diphtherie und Erkrankungen der Atmungsorgane waren überdurchschnittlich hoch, ebenso die Kindersterblichkeit.

Als eine Maßnahme gegen die um sich greifende private Bauspekulation wurde der Spar- und Bauverein gegründet. Diese Baugenossenschaft versuchte billigen, aber guten Mietwohnungsbau zu erstellen und wurde zum Vorbild in ganz Deutschland. Es gab weitere „Selbsthilfeorganisationen“, etwa den Haushaltsverein, der versuchte, Produkte durch Ausschaltung des Kleinhandels billig zu halten.

Nach einer recht kurzen Amtszeit von Karl Lichtenberg wurde 1901 Hermann Lodemann Bürgermeister der Stadt Linden. In dieser Zeit ebbte der Bevölkerungsanstieg etwas ab (stockender Zuzug, niedrigere Geburtenziffern). Dennoch hatte die Stadt Linden 1910 über 73.000 EinwohnerInnen und war damals größer als Osnabrück, Hildesheim, Göttingen oder Lüneburg. Dazu führten allerdings auch 1909 die Eingemeindungen von Limmer, Davenstedt, Badenstedt und Bornum. Nach der Eingemeindung von Ricklingen 1913 kam die Stadt Linden sogar auf über 86.000 EinwohnerInnen. Dies lag wiederum an gescheiterten Eingemeindungsversuchen nach Hannover, an fehlenden Flächen in Linden (insbesondere für die Industrie) und an nötigen gemeinsamen Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Kanalisation, Lindener Hafen).

Arbeitersiedlung der Mechanischen Weberei zwischen Pfarrland- und Velvetstraße, 1911
Arbeitersiedlung der Mechanischen Weberei
zwischen Pfarrland- und Velvetstraße, 1911

Die Lebenssituation war nach wie vor durch Armut und enorme Arbeitsbelastungen bestimmt. Anfang dieses Jahrhunderts kam es zu großen Streiks, die mit massiven Aussperrungen seitens der Arbeitgeber beantwortet wurden. Trotzdem konnte die Arbeitszeit um die Jahrhundertwende aufgrund der inzwischen gut organisierten Arbeiterschaft im allgemeinen von 12 auf 10 Std. am Tag gekürzt werden; die TextilarbeiterInnen mussten aber noch 11 und dann 10,5 Std. arbeiten. 1913 betrug die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Metallgewerbe dann 56,5 bis 57 Stunden (inklusive Samstagsarbeit).

Neben der sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften waren die vielfältigen Arbeitervereine wichtig für das Leben der meisten LindenerInnen. Zu Arbeitergesangs- und Arbeitersportvereinen kamen etwa Genossenschaften, Naturheilverein Prießnitz, Naturfreunde und die Freireligiöse Gemeinde. Dazu spielte sich vieles an Freizeit in den zahlreich vorhandenen Kneipen ab, etwa im „Schwarzen Bären“ (1901/02 als Jugendstilbau neuerrichtet, im 2. Weltkrieg zerstört) oder im „Posthorn“ (im Rahmen der Sanierung abgerissen) sowie den vielen Eckkneipen. Es entstand eine eigene Kultur, ein eigenes „Lager“ – ausgegrenzt und abgegrenzt vom Bürgertum. Bei Kommunalwahlen gelang es erstmals 1911 (nur ca. ein Drittel der Wahlberechtigten waren Arbeiter!) mit Wilhelm Sporleder wenigstens einen Sozialdemokraten in das 29-köpfige Kollegium zu wählen. Erst mit der Weimarer Republik gab es beim Wahlrecht grundlegende demokratische Änderungen (z.B. gleiches Wahlrecht, Frauenwahlrecht).

In Linden existierten mehrere große Industriezentren: in Linden-Süd z.B. mit der Hanomag, am Bauweg mit den Metallfabriken Körting und Lindener Eisen- und Stahlwerken, in Limmer z.B. mit den Gummiwerken Excelsior und der Leimfabrik Sichel sowie an der Ihme mit den Textilfabriken und an der Stärkestraße nun auch mit der Gummiindustrie. Dazu kamen Mittelbetriebe wie etwa die Hannoversche Brotfabrik, die Wurstfabrik Ahrberg, Lindener Aktien-Brauerei oder die Reinigungskette Stichweh. Diese Fabriken mussten oft umbauen, um die sich rasch entwickelnden neuen Technologien anwenden zu können.

Eingemeindung, Weimarer Zeit, Nationalsozialismus

Natürlich litt die Bevölkerung auch in Linden durch den Krieg, verlor viele Männer an der Front. Die Frauen mussten noch mehr als ohnehin schon in den Fabriken mitarbeiten. Während die Textil- und Gummiindustrie unter Rohstoffmangel zu leiden hatten, wurde etwa bei Körting und der Hanomag „aufgerüstet“ für Motoren, Kanonen oder Munition. Unter den Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln hatten vorwiegend Verwundete und Kinder zu leiden. Zu essen gab es, wenn überhaupt, vor allem Steckrüben.

Arbeitersiedlung Klein Rumänien
Arbeitersiedlung Klein Rumänien

Am Kriegsende griff der Marineaufstand nur kurz nach Hannover über. Der Sozialdemokrat Robert Leinert wurde dort Stadtdirektor. Unter seinem Einfluss gelang es dann (weiterhin gegen den Widerstand der Konservativen in Hannover: „gesunder hannoverscher Egoismus“), dass ein in Linden einstimmig angenommener Eingemeindungsbeschluss in Hannover eine knappe Mehrheit erhielt. Seit dem 1.1.1920 ist Linden also ein Stadtteil von Hannover.

Die Nachkriegszeit war auch in Linden bestimmt durch Inflation und Massenarbeitslosigkeit. Einige der „Traditionsfabriken“ mussten zwischenzeitlich schließen, einige verschwanden ganz (z.B. die Mittelland-Gummiwerke). Die Mechanische Weberei erlebte Mitte der 20er Jahre aufgrund einer Monopolstellung ein kurzes Hoch, erlitt dann aber starke Einbußen, da in der wirtschaftlichen Krisensituation Samt nicht mehr gekauft werden konnte. Der Baumwollspinnerei erging es noch schlechter. 1929 wurde der Betrieb geschlossen. Die Hanomag führte das Fließband ein und produzierte jetzt auch Autos, z.B. das sogenannte „Kommißbrot“, ein Kleinstauto und eine Art Vorgänger vom Volkswagen.

Linden blieb nach wie vor ein sehr lebendiger Stadtteil, politisch dominiert von der SPD. USPD (Unabhängige) oder KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) hatten relativ wenig Bedeutung erlangen können. Wichtig waren die vielen Schutzorganisationen der Arbeiter, die sich regelrechte Straßenschlachten mit den in Linden nicht geduldeten Nationalsozialisten lieferten. Provokationen der Nazis konnten oft nur unter Polizeischutz durchgeführt werden (etwa die „Eroberung“ des Arbeitertreffs Posthorn im roten Linden).

Hotel Schwarzer Bär
Hotel Schwarzer Bär

Gegen Ende der Weimarer Zeit wurden dann von enttäuschten Linken einige kleine Parteien und Organisationen gegründet, die massiveren Widerstand gegen die aufkommenden Nationalsozialisten forderten. Dazu gehörte auch die „Sozialistische Front“, die der SPD-Funktionär Werner Blumenberg gründete und auf ein Leben im Widerstand vorbereitete.

Noch 1933 gab es einige Aktionen gegen die Nazis. Aber es liefen auch die ersten Verhaftungswellen gegen Arbeiterfunktionäre, anfangs insbes. von der KPD. Die Sozialistische Front versuchte – unter Lebensgefahr – mit den „Sozialistischen Blättern“ Aufklärung und Information über die Nazis zu verbreiten. Trotz vieler Schutzmaßnahmen konnte durch einen Spitzel 1936 die Sozialistische Front zerschlagen werden. Werner Blumenberg konnte entkommen, andere Funktionäre kamen in Zuchthaus und Konzentrationslager, einige wurden dort ermordet (etwa Wilhelm Bluhm). An vielen Stellen in Linden waren Lager für ZwangsarbeiterInnen, die in den Fabriken arbeiten mussten. In der Hanomag wurden auch KZ-Häftlinge vom Mühlenberg eingesetzt.

Auch wenn es noch versteckte Aktionen wie Hilfen für Häftlinge gab, effektiver Widerstand war nicht mehr möglich. Noch 1933 gab es einige Aktionen gegen die Nazis. Aber es liefen auch die ersten Verhaftungswellen gegen Arbeiterfunktionäre, anfangs insbes. von der KPD. Die Sozialistische Front versuchte – unter Lebensgefahr – mit den „Sozialistischen Blättern“ Aufklärung und Information über die Nazis zu verbreiten. Trotz vieler Schutzmaßnahmen konnte durch einen Spitzel 1936 die Sozialistische Front zerschlagen werden. Werner Blumenberg konnte entkommen, andere Funktionäre kamen in Zuchthaus und Konzentrationslager, einige wurden dort ermordet (etwa Wilhelm Bluhm). An vielen Stellen in Linden waren Lager für ZwangsarbeiterInnen, die in den Fabriken arbeiten mussten. In der Hanomag wurden auch KZ-Häftlinge vom Mühlenberg eingesetzt.

Auch wenn es noch versteckte Aktionen wie Hilfen für Häftlinge gab, effektiver Widerstand war nicht mehr möglich. Obwohl die Nazis in Linden keine Basis hatten, blieb es nicht aus, dass einige in die Partei eintraten, entweder aus Überzeugung oder aus Not.

Insbesondere ab Oktober 1943 wurde Hannover bombardiert. Linden blieb dabei nicht verschont von Bomben, aber diese fielen bei weitem nicht so massiv wie etwa in der Innenstadt Hannovers. Dadurch blieben die meisten der Wohnhäuser auch stehen, viele Fabriken wurden jedoch stark zerstört und in der Nachkriegszeit nur teilweise wieder aufgebaut.

Nachkriegszeit bis heute

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war Linden mit ein Gründungsort der neuen SPD (für die Westzonen), denn Kurt Schumacher war aus dem KZ nach Hannover gekommen, verlegte sein Büro in die Jacobsstr. 10, meldete die SPD wieder als Partei an und übernahm schnell ihre Leitung. Einige aus seiner Umgebung, etwa Annemarie Renger oder Egon Franke, wurden bundesweit einflussreiche Politiker. Den Neuaufbau in Hannover organisierten weitgehend unbelastete Politiker, die dann auch Leitungspositionen übernahmen, so etwa August Holweg als Oberbürgermeister.

Fortunastraße
Fortunastraße

Linden nahm aufgrund der vielen noch unzerstörten Häuser ausgebombte HannoveranerInnen und auch Leute aus dem Umland auf. Lindens Wohnungen waren wieder, wie zu Zeiten der Industrialisierung, vollgestopft mit Menschen.

Gegen Ende der 1950er Jahre wurden dann erste Überlegungen zur Sanierung des Stadtteils angestellt. Die Bausubstanz war alt, der Standard der Wohnungen eher schlecht (meistens keine Bäder, Toiletten auf halber Treppe, im Keller oder noch auf dem Hof, geheizt wurde oft mit Kohleöfen) und Linden lag im Westen wie ein störender Gürtel um die Innenstadt, die sich so nicht ausweiten oder verkehrsmäßig gut erschließen ließ. Gutachten für Linden-Nord (Limmerstr.) und Linden-Süd (Charlottenstr.) von Prof. Göderitz aus Braunschweig sahen denn auch weitgehend den Abriss der Häuser und stattdessen Hochhäuser und mehrspurige Straßen durch Linden vor.

Sanierung in der Viktoriastraße
Sanierung in der Viktoriastraße

Daraus wurde vorerst nichts. Sanierung entwickelte sich aber zum beherrschende Thema der nächsten Jahrzehnte. Mit der „alten“ Industrie ging es weiter bergab. Anfang der 1960er Jahre wurde auf dem Gelände der alten Baumwollspinnerei das Heizkraftwerk errichtet, in den 70er Jahren anstelle der Mechanischen Weberei (Lindener Samt) das riesige Ihme-Zentrum gebaut. Und das „Fabriksterben“ ging und geht weiter. Aus der ehemaligen Industriehochburg, in der Wohnen und Arbeiten vermischt war, wird ein Wohnort mit einigen Angeboten im Dienstleistungsbereich. Die für Linden typischen kleinen Läden und Gewerbebetriebe verschwanden wie anderenorts – allerdings beschleunigt durch die Sanierung.

Linden-Süd war 1972 als eines der ersten Sanierungsgebiete der Bundesrepublik festgelegt worden. Die städtebauliche Sanierung wurde 1990 abgeschlossen. Linden-Nord folgte 1976 als zweites Sanierungsgebiet; die Sanierung wurde 2000 beendet. In einem Sanierungsgebiet hat der Träger der Maßnahmen (in Hannover die Kommune) zur Behebung städtebaulicher Mißstände mehr Eingriffsmöglichkeiten als sonst und konnte über zusätzliche Finanzmittel (von Bund und Land) verfügen. Praktisch hieß dies, dass die Stadt Grundstücke bzw. Häuser aufkaufen konnte, um sie dann abzureißen oder zu modernisieren. Für die Mieter gelten hier besondere Schutzrechte (Sozialplanung). Neben Modernisierungen und Neubauten wurden im Rahmen der Sanierung vor allem Hinterhäuser und störende Gewerberäume abgebrochen. Stattdessen wurden z.B. Grünflächen, Kinderspielplätze oder Tiefgaragen geschaffen. Auch eine Neugestaltung des Straßenraumes gehörte dazu. Jüngstes Beispiel ist die Umgestaltung der Limmerstraße.

Sanierungen verlaufen nicht konfliktfrei. Schließlich müssen die Menschen ihre z.T. jahrzehntelang bewohnte Umgebung verlassen und in den neuen Wohnungen erheblich mehr Miete bezahlen. Vertreibung der LindenerInnen stand im Zentrum der Befürchtungen. Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Bürgerinitiativen, so dass auch Hausbesetzungen gerade in den Anfangszeiten der Sanierung nicht selten waren – insbesondere bei Abrissen, Leerständen oder zu Spekulationszwecken missbrauchten Häusern. Insgesamt sind in Linden-Süd weitaus mehr Abrisse und „Umwälzungen“ vorgenommen worden als in Linden-Nord. Hier hat die Stadt teilweise dazugelernt (dazulernen müssen), gab es mittels verschiedener Modelle (Anwaltsplanung, Gemeinwesenarbeit, Sanierungskommissionen, Stadtteilforum etc.) bald regulierte Auseinandersetzungsformen, so dass die Konflikte eher schon im Vorfeld ausgeräumt wurden.

Zehn Jahre, nachdem die Sanierung in Linden-Süd beendet worden war, zeigte sich, dass erneut etwas gegen einen gewissen sozialen Abwärtstrend in Linden-Süd übernommen werden musste. Versuche, den Stadtteil in das Bundesprogramm Soziale Stadt aufzunehmen, scheiterten zwar, dafür wurde aber aus dem städtischen Haushalt Geld zur sozialen Stabilisierung eingesetzt. Zahlreiche Aktivitäten beleben derzeit den Stadtteil.Werner & Ehlers

Durch den Niedergang vieler Fabriken wurden auch wieder riesige Flächen für andere Nutzungen frei. So entstand auf dem Gelände in der ehemaligen Bettfedernfabrik Werner & Ehlers das Kulturzentrum FAUST (www.faustev.de) und ein ökologischer Gewerbehof, auf dem Gelände einer ehemaligen Wurstfabrik das neue Ahrbergviertel in den alten Gebäuden. Auf dem Hanomag-Gelände wurde ein Teil von zwei Baumärkten wieder belebt.

Zehn Jahre, nachdem die Sanierung in Linden-Süd beendet worden war, zeigte sich, dass erneut etwas gegen einen gewissen sozialen Abwärtstrend in Linden-Süd übernommen werden musste. Versuche, den Stadtteil in das Bundesprogramm Soziale Stadt aufzunehmen, scheiterten zwar, dafür wurde aber aus dem städtischen Haushalt Geld zur sozialen Stabilisierung eingesetzt. Zahlreiche Aktivitäten beleben derzeit den Stadtteil.

Durch den Niedergang vieler Fabriken wurden auch wieder riesige Flächen für andere Nutzungen frei. So entstand auf dem Gelände in der ehemaligen Bettfedernfabrik Werner & Ehlers das Kulturzentrum FAUST (www.faustev.de) und ein ökologischer Gewerbehof, auf dem Gelände einer ehemaligen Wurstfabrik das neue Ahrbergviertel in den alten Gebäuden. Auf dem Hanomag-Gelände wurde ein Teil von zwei Baumärkten wieder belebt. Das Grundstück der ehemaligen Gilde-Brauerei ist inzwischen mit einem Mix aus Reihenhäsern, Etagenwohnungen und Verwaltungsbauten neu erschlossen worden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Revitalisierung des Ihme-Zentrums die mit dem Projekt Linden-Park, das im Herbst 2007 fertig gestellt werden soll, beginnt.

Anmerkungen zur Geschichte Limmers

Das kleine Dorf Limmer wird urkundlich erstmalig 1189 erwähnt. Damals besaß Graf Conrad I von Roden die Burg Limbere. Sie lag wohl in der Leineniederung am heutigen Leinewehr.

Der Name Limmer kommt vermutlich von „Lehmberg“, weil in der Tat hier Lehm zu finden war. In eine ähnliche Richtung gehen neue Untersuchungen: „Die Ortsnamen des Landkreises Hannover und der Stadt Hannover“. Demzufolge war mit Limmer ursprünglich eine „feuchte, glitschige Stelle“ gemeint. Die Burg verfiel im Laufe der Jahrhunderte nachdem die Grafen nach Wunstorf umgesiedelt waren. Im Umfeld der kleinen Kirche lebten vorwiegend Bauern, Fischer und Handwerker. 1689 lebten 167 Personen in Limmer, 1825 bereits 365 und 1871 dann über 1.100.

Jacobus Sackmann
Jacobus Sackmann

Limmer war ein weitgehend unauffälliges Dorf, spektakulär jedoch und auch sehr weit bekannt durch das Wirken von Jacobus Sackman, der von 1685 bis 1718 als Pastor in der St. Nikolai-Kirche tätig war. Gefürchtet bei den „Herrschaften“ und beliebt beim Volk waren seine Predigten, in denen er sich auch schon mal über den Adel her machte. Kurfürstin Sophie hat 1710 „von hertzen gelacht über die schöne predigt vom dorfpfaff“. Erneut bekannt wurde Limmer dann gegen Ende des Jahrhunderts durch die Entdeckung der Schwefelquellen am Limmer-Holz. So wurde dann 1794 ein Heilbadebetrieb am Limmerbrunnen eröffnet.

Kurze Zeit später hält auch hier die Industrialisierung Einzug. Der Ort hat sich dadurch baulich stark verändert. Die Wohn- und Arbeitssituation war nicht besser als in Linden, die soziale Not führte dazu, dass Kinder in „Rettungshäusern“ untergebracht werden mußten.

Die wichtigste Fabriken war die Hannoversche Gummi-Kamm-Fabrik, seit 1899 mit Sitz in Limmer. Dort arbeiteten anfangs 1.100 Beschäftigte. 1912 waren es schon 3.500 Beschäftigte im nun unter dem Namen Excelsior laufenden Werk. 1928 fusionierte man mit der Continental Gummi-Werke AG. 1989 hatte der Betrieb noch über 2.000 Mitarbeiter. Das Werk hat hier inzwischen den Betrieb aufgegeben und ist ganz nach Stöcken verlagert worden. Ein weiterer größerer Betrieb war die Firma Conrad Engelke. Anfangs wurden hier vor allem Straßenkessel und Asphaltiergeräte produziert, später wurde die Produktpalette aber stark erweitert. 1891 verlegte ein anderes großes Unternehmen, die Wäschereinigungsfirma Stichweh, seinen Sitz nach Limmer. Noch heute hat Stichweh hier seinen Sitz, besaß 1989 über 116 Filialen im Großraum Hannover und verfügte über 450 Mitarbeiter. 1896 kam dann die Tapetenkleisterfabrik Sichel dazu. Als die Firma 100jähriges Jubiläum feierte, waren hier ca. 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Zum 1.4.1909 wurde Limmer von der Stadt Linden eingemeindet und zusammen mit Linden dann 1920 ein Stadtteil von Hannover. Alleine schon durch die Beschäftigungsmöglichkeiten in diesen Betrieben war der Ort weiter gewachsen. Im Jahr 1900 lebten 3.672 EinwohnerInnen in Limmer, 1939 dann 7.392 und 1952 sogar 10.037. Danach verlor Limmer jedoch, wie auch Linden, wieder EinwohnerInnen, so daß es 1987 nur noch 6.533 waren, darunter 851 AusländerInnen.

Im Faschismus befand sich 1944/45 ein Arbeitslager des KZ Neuengamme auf dem Contigelände. Kurz vor Kriegsende wurden die Gefangenen, überwiegend Frauen, nach Bergen-Belsen deportiert. Seit 1987 erinnert am Stockhardtweg ein Denkmal an diese Zeit.

Wie lebendig es in der Nachkriegszeit im heute eher beschaulichen Limmer mal war, belegen folgende Angaben aus dem Jahr 1950: 9 Bäckereien, 4 Fleischereien, 36 Lebensmittelgeschäfte, 10 Obst- und Gemüseläden, 6 Milchgeschäfte, 3 Drogerien, 10 Tabakläden und 20 Schank- und Speisewirtschaften.

1957 wird an der Liepmannstraße das Fössebad eingeweiht, 1961 der Badebetrieb im Limmerbrunnen eingestellt, 1962 das Schulzentrum Fössefeld eröffnet und 1967 an der Wunstorfer Straße die damalige Pädagogische Hochschule fertiggestellt.

Nach Beendigung der Sanierung in Linden-Süd sollte dann Limmer Sanierungsgebiet werden, um den Stadtteil wieder attraktiver gestalten zu können. Dies scheiterte dann aus finanziellen Gründen. Ausgeprägt ist nach wie vor das starke Vereinsleben im Stadtteil, etwa der Wassersport, wohl auch bedingt durch die beiden Bäder, neben dem Fössebad gibt es ja noch das Volksbad, und die Kanäle an Leine und Lindener Hafen. Mit Waspo Linden und dem Kanu-Club Limmer sowie Victoria Linden residieren einige der erfolgreichsten Sportvereine Hannovers in Limmer. Fußball-, Schützen-, Gesangs- und Kleingartenvereine runden das Bild ab.

Mit der Angliederung eines Kulturtreffs an die Schule wurde der Kastanienhof zu einem kleinen Kulturzentrum für den Stadtteil.

Im Jahr 2001 ist das Gebiet um die Wunstorfer Straße im zweiten Anlauf dann doch noch städtebauliches Sanierungsgebiet geworden. Neben der Sperrung und Umgestaltung der Wunstorfer Straße ist derzeit auch noch die Umnutzung des Conti-Geländes eines der wesentlichen Themen in Limmer.

Im Volksmund sind folgende Reime bekannt, die gelegentlich Jacobus Sackmann zugeschrieben werden, aber aus späteren Zeiten stammen:„In Limmer wird’s alle Tage schlimmer; … In Linnen is nix tau finden – Und: In Hannover Hebbet se ok nix over.“

Jonny Peter

Grundlage dieses Aufsatzes ist die sehr gute Broschüre von 1989: „800 Jahre Limmer“ der AGLV Limmer und hier insbesondere die Aufsätze von Ulrich Schweingel, Werner Müller und Hans Werner Dannowski.

© Jonny Peter Quartier e.V. – www.quartier-ev.de

Scillablüte auf dem Lindener Berg

Scilla-Blütenfest auf dem Lindener Berg

Scilla-Blütenfest Souvenirs gibt es von limetrees.de
Scillablütenfest 2018 am 25. März von 12-18 Uhr
Programm unter: https://www.linden-entdecken.de/75185/scillabluetenfest-2018/

Mit seinen 89 Metern Höhe ist der Lindener Berg nach dem Kronsberg die zweithöchste natürliche Erhebung Hannovers. Jedes Jahr zum Frühjahrsbeginn erfreuen Abermillionen von kleinen, blauen Blumen die BesucherInnen des Lindener Bergfriedhofes. Der Blaustern (Scilla siberica) hat im Laufe der letzten Jahrzehnte den stillgelegten Friedhof erobert und bildet für drei Wochen einen wohl einzigartigen blauen Blütenteppich.

Schon seit mehreren Jahren organisiert der Verein Quartier zu diesem Naturspektakel das Scilla-Blütenfest. Mit den Projekten des Lindener Berges (Gipfeltreffen) und mit Unterstützung durch das Freizeitheim Linden sowie durch die Gartenregion Hannover startet jedes Jahr zum Frühlingsanfang in Linden das „Das Blaue Wunder“.

Besichtigungen und Führungen präsentieren die natürliche Pracht und die Sehenswürdigkeiten des Lindener Berges (etwa Jazz-Club, Mittwochtheater, Sternwarte, Wasserhochbehälter, St. Martinskirche und Eiskeller). Ausstellungen und Lesungen zum Frühling und zu Linden sowie idyllische Musik und Frühlingslieder von Chören runden die beeindruckenden Impressionen ab.

Aktuelles zum Scilla-Blütenfest:

Der Verein Quartier e.V. informiert auf seiner Webseite unter http://www.quartier-ev.de/?id=Scilla über den Stand der Dinge rund um die Scillablüte und das Programm zum jährlichen Scilla-Blütenfest.

Impressionen von der Scillablüte

Fotos von Wolfgang Hagemann
Homepage | fotocommunity

Bergfriedhof (Foto: Wolfgang Hagemann)Astgewirr (Foto: Wolfgang Hagemann)Schatten auf blau (Foto: Wolfgang Hagemann)Fotografen bei der Arbeit (Foto: Wolfgang Hagemann)Schattenspiele (Foto: Wolfgang Hagemann)Fotografen unterwegs (Foto: Wolfgang Hagemann)Sibirisches Blaustern (Foto: Wolfgang Hagemann)Blaue Pracht (Foto: Wolfgang Hagemann)Wo bleibt die Sonne? (Foto: Wolfgang Hagemann)Scillablüte (Foto: Wolfgang Hagemann)

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
http://www.youtube.com/watch?v=JWGCF6BvqHc

Weitere schöne Bilder gibt es unter:

Bergfriedhof (Foto: Wolfgang Hagemann)

Das blaue Wunder – Scillablüte auf dem Lindener Berg

Das Blaue Wunder - Souvenirs von limetrees.deZum Frühjahrsbeginn erfreuen Abermillionen von kleinen, blauen Blumen die BesucherInnen des Lindener Berges. Das blaue Wunder, der Blaustern (Scilla siberica) hat im Laufe der letzten Jahrzehnte den stillgelegten Bergfriedhof erobert und bildet für drei Wochen einen wohl einzigartigen dunkelblauen Blütenteppich.

Der Verein Quartier organisiert zu diesem Naturspektakel mit den Projekten des Lindener Berges (Gipfeltreffen) und mit Unterstützung durch das Freizeitheim Linden sowie durch die Gartenregion Hannover schon seit mehreren Jahren „Das Blaue Wunder“.

Scillablütenfest 2018 am 25. März von 12-18 Uhr
Programm unter: https://www.linden-entdecken.de/75185/scillabluetenfest-2018/

Besichtigungen und Führungen präsentieren die natürliche Pracht und die Sehenswürdigkeiten des Lindener Berges (etwa Jazz-Club, Mittwochtheater, Sternwarte, Wasserhochbehälter, St. Martinskirche und Eiskeller). Ausstellungen und Lesungen zum Frühling und zu Linden sowie idyllische Musik und Frühlingslieder von Chören runden die beeindruckenden Impressionen ab.

Aktuelle Informationen rund um „Das Blaue Wunder“:

Der Verein Quartier e.V. informiert auf seiner Webseite unter http://www.quartier-ev.de/?id=Scilla über den Stand der Dinge rund um die Scillablüte und gibt Informationen rund um „Das Blaue Wunder“.

Impressionen vom „Blauen Wunder“

Fotos von Wolfgang Hagemann
Homepage | fotocommunity

Bergfriedhof (Foto: Wolfgang Hagemann)Astgewirr (Foto: Wolfgang Hagemann)Schatten auf blau (Foto: Wolfgang Hagemann)Fotografen bei der Arbeit (Foto: Wolfgang Hagemann)Schattenspiele (Foto: Wolfgang Hagemann)Fotografen unterwegs (Foto: Wolfgang Hagemann)Sibirisches Blaustern (Foto: Wolfgang Hagemann)Blaue Pracht (Foto: Wolfgang Hagemann)Wo bleibt die Sonne? (Foto: Wolfgang Hagemann)Scillablüte (Foto: Wolfgang Hagemann)

 

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Geschichtswerkstatt & Stadtteilarchiv

Freizeitheim LindenDie Lindener Geschichtswerkstatt im Freizeitheim Linden

Stadtteil-Archiv zur Stadtgeschichte Linden

Eine Kooperation vom Freizeitheim Linden der Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN, Quartier e.V. und der Otto Brenner Akademie – Treffpunkt der Generationen e.V..

Geschichts-Kabinett zur Arbeiter Kulturbewegung
Geschichts-Kabinett zur Arbeiter Kulturbewegung
Arbeiterwohnküche um 1930
Arbeiterwohnküche um 1930

Postanschrift:
Lindener Geschichts-Werkstatt
Freizeitheim Linden
Windheimstraße 4
30451 Hannover

Die Öffnungszeiten sind jeden Montag von 10:00 – 12:00 Uhr und jeden Mittwoch von 17:00 – 19:00 Uhr.Telefonische Anfragen über Terminabsprachen (auch außer Montags möglich).Telefon 210 71 25 (Egon Kuhn) oder Montags unter Tel. 168 4 01 84.

Im Rahmen des Fachbereichs 1 Stadtteilkulturarbeit entstanden 1980 die Projekte:

  • Unsere Geschichte, unsere Lieder – Arbeitersängerbewegung
  • Von Kindesbeinen an – Zeitzeugen der Lindener Arbeiterbewegung berichten.
  • Wir aus der Kochstraße – Die Geschichte einer Straße im Arbeiterstadtteil Linden.
  • Die erste weltliche Schule in Linden – 1922
  • Die Arbeitersportbewegung ATVL in Linden (Ausstellung)
  • Der antifschistische Widerstand – Werner Blumenberg und die Sozialistische Front
  • Und dann gingen wir auf den Berg – Die Geschichte des Naturheilvereins Prießnitz von 1890.
Unsere Geschichte, unsere Lieder - ArbeitersängerbewegungVon Kindesbeinen an - Zeitzeugen der Lindener Arbeiterbewegung berichten.Wir aus der Kochstraße - Die Geschichte einer Straße im Arbeiterstadtteil LindenDie erste weltliche Schule in Linden 1922Der antifschistische Widerstand - Werner Blumenberg und die Sozialistische FrontUnd dann gingen wir auf den Berg - Die Geschichte des Naturheilvereins Prießnitz von 1890

Die Arbeitsergebnisse waren: Dokumentationen, Filme, Ausstellungen, ARCHIV-Gepräche. 1986 wurde das Geschichtskabinett und das Stadtteil-Archiv im Rahmen der Lindener Geschichtswerkstatt eingerichtet. Für die vorbildliche Leistung erhielt das freizeitheim Linden die „Auszeichnung Soziale Kulturarbeit“ von der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. Bonn, die erstmalig für stadtteilorientierte und zielgruppenbewußte Arbeit zur Entwicklung demokratischer Kultur und Projekte zur Aufarbeitung der lokalen Geschichte des Stadtteils verliehen wurde.

Der Bestand der Geschichtswerkstatt umfasst Fahnen, Symbole, Urkunden, Zeitungen und Fotos in Vitrinen. Dazu eine Fotoreportage des Arbeiterfotografen Walter Ballhause über ein Zeltlager der Sozialistischen Jugend / Die Falken 1930.Darüber hinaus befindet sich umfangreiches Material zur Geschichte Lindens und der SPD Hannover-Linden im Archiv der Geschichtswerkstatt.

Geschichts Kabinett
Geschichtskabinett
Geschichts Kabinett
Stadtteilarchiv
Anni-Röttger-Arbeiterwohnküche
Arbeiterwohnküche

Mehrere Stadtrundgänge die von der Geschichtswerkstatt ausgearbeitet wurden finden Sie auch auf diesen Seiten. Darunter die Butjer Route durch Linden, Linden zu Fuß ein antifaschistischer Stadtrundgang und das Stadtteilerkundungsspiel für Kinder.

Das Archiv-Team bietet alternative Stadtrundfahrten, Stadtteilrundgänge, Ausstellungen und Filme zur Geschichte des Stadtteils Linden und ARCHIV-Gespräche an.Anni Röttger1995 übernahm die Otto Brenner Akademie die ehrenamtliche Begleitung der Geschichtswerkstatt. Die fachliche Anleitung geschieht durch das Archiv-Team. Inzwischen ist diese Arbeit ein wesentlicher Bestandteil der Stadtteilkulturarbeit im Freizeitheim Linden geworden.1983 wurde zum Butjerfest (Stadtteilfest) die „Anni-Röttger-Arbeiterwohnküche (1930)“ eröffnet. Schulklassen und Interessierte haben die Möglichkeit, diese Küche zu besichtigen und Gespräche mit Eva-Maria Brakel zu führen. (Tel. 44 87 24)

Eine Auswahl von Videos und DVDs die in der Geschichtswerkstatt archiviert sind.

Titel Länge Jahr Author/Urheber Beschreibung  
10 Jahre Wohnungsgenossenschaft Selbsthilfe Linden 30 Min 06.08.93 Fest am 06.08.1993 DVD
125 Jahre Teutonia Chor 50 min 2002 1877-2003 Einblicke in die Vereinsgeschichte, sowie Erlebnisse und Begebenheiten während der letzten 125 Jahre eines Chores aus Hannover-Linden. DVD
ARD-Report 12 min 30 sek 20.04.82 ARD Nachtrag zu den Landtagswahlen im März 1982. Der Ortsverein Linden-Limmer in der Diskussion mit Werner Holtfort (MdL) DVD
Aus Alt mach Neu 53 min 1991 Ansichten zur Stadtteilsanierung in Hannover Linden-Nord DVD
Die israelitische Gartenbauschule Ahlem 22 min 1993 01.04.1893 – 30.06.1942 Die israelische Erziehungsanstalt und spätere Gartenbauschule Ahlem war von 1893 bis 1942 für das Judentum in Europa eine Hoffnung auf gesellschaftliche, berufliche und politische Gleichstellung. DVD
Ein ganz normaler Fußballverein? Oder was ist aus dem Arbeitersport geworden? Die historische Entwicklung bis heute. DVD
Frei und Links 125 Jahre SPD 1863-1988 23.Mai 1863 Ferdinand Lassalle – SPD-Parteivorstand, Abt. Organisation, Referat Produktion und Vertrieb, Ollenhauerstr. 1, Bonn DVD
Freitags war Lohntütenball 43 min 1992 MedienWerkstatt Linden über die Kneipen in Linden VHS
Hallo Hella 44 min Liebeserklärung an eine Wirtin – Zum Holländer DVD
In Limmer 48 min 1989 Andreas Holte & Sigrid Löhr Ein Portrait zur 800 Jahr Feier DVD
Kinder in der Stadt 45 min 1994 Sigrid & Andreas Holte Spielräume in Hannover-Linden DVD
Linden ein Arbeiterlied DVD
Lindener Kulturtage ’95 1995 Medienhaus Hannover Eine Dokumentation DVD
Mahn- und Gedenkstätte Ahlem 1993 Der Film beschreibt mit Interviews von Zeitzeugen, historischen Bildvorlagen und Realaufnahmen die Situation der Juden in Landkreis und Stadt Hannover während der Hitlerdiktatur. DVD
Niedersachsen 1945 42 min Besetzung Hannover und Linden. Szenen aus Linden und Limmer während der Besatzungszeit durch die Amerikaner s/w DVD
Planung Limmerstraße 17 min 1987 Barbara Vollmers, Corinna Krull und Wolfgang Becker Videoanimation – Die Limmerstraße ist das Herz des hannoverschen Stadtteils Linden. Mit ihrer besonderen Mischung von alt und neu. DVD
Projekt Fannystraße Fritz Röttger erzählt DVD
Und wir sind begeistert mitmarschiert 48 min 2003 Wilhelm Rossing Ein Film mit Zeitzeugen, die sich mit ihrer Kindheit und Jugend im Dritten Reich auseinander setzen und die für ein anschließendes Gespräch mit Schülern bereit sind. DVD VHS
Unter einem Dach 28 min 1990 Wohnen in Linden-Nord DVD