Oberbürgermeister Stephan Weil weiht Kindergedenkstätte auf dem Stadtfriedhof Seelhorst offiziell ei

Eine Erinnerungsstätte für die jungen Opfer des Nationalsozialismus: Oberbürgermeister Stephan Weil weihte heute (14. September) ein Denkmal für die toten Säuglinge von Zwangsarbeiterinnen in Hannover ein. Die Leichen von 279 Kindern waren in der Kriegsgräberanlage des Stadtfriedhofs Seelhorst begraben worden. Erst 2010 erhielten sie offiziell den Status von Kriegsopfern. "Das Schicksalder toten Kinder wurde zu lange vergessen", sagte Weil bei der Eröffnung des Denkmals und betonte: "Es ist wichtig, an dieses Verbrechen zu erinnern. Gedenkstätten wie diese sind erforderlich, um das Ver-gessen zu verhindern und der heutigen, jungen Generation die Gräueltaten zu vergegenwärtigen."

Die neu geschaffene Anlage, die mit Geldern des Landes Niedersachsen für Kriegsgräberstätten finanziert und von SchülerInnen der Dietrich-Bonhoeffer-Schule geschaffen worden ist, zeigtbearbeitete Sandsteinkuben, die Türmchen aus Bauklötzen darstellen. AufBronzetafeln sind die Namen der Kinder und ihre Geschichte verewigt. Motive wie Kreisel, Hampelmann oder Babyflasche sind als späte Geschenkeder SchülerInnen an die Kinder zu verstehen.

Die Zwangsarbeiterinnen stammten zumeist aus Polen und Russland und erfuhren im Nazi-Deutschland geringste Wertschätzung. Sie wurden unmittelbar nach der Niederkunft gezwungen, ihre Kinder in Wöchnerinnenheimen, wie in Langenhagen-Godshorn, zurückzulassen und weiterzuarbeiten. Die Kinder starben dort zwischen 1943 und 1945 meist qualvoll nach wenigen Tagen oder Wochen.

Steinmetzmeister Jan Leichsenring hat diese würdevolle Gedenkstätte in drei Jahren gemeinsam mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule erarbeitet. Die Initiative dazu geht auf Stephanus Fischer zurück, einem Mitarbeiter der städtischen Friedhofsverwaltung. "Ich wurde bei Recherchearbeiten in Beerdigungsbüchern auf das Thema aufmerksam und habe die Daten der Kinder dann in Eigeninitiative über mehrere Jahre zusammengetragen", erläuterte Fischer. Die Ergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlerinnen Janet Anschütz und Irmtraud Heike ausgewertet und 2006 unter dem Buchtitel "Gräber ohne Namen. Die toten Kinder Hannoverscher Zwangsarbeiterinnen" publiziert. Seitdem erinnert die Friedhofsverwaltung jährlich mit einer Gedenkveranstaltung an die Kinder.


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