Die Polizei schreitet bei einer Party auf dem Küchengarten ein (2014)

Anhörung Partytourismus oder viel Lärm um nichts

Bezirksrat Linden-Limmer
Linden-Limmer

Am gestrigen Mittwoch fand die monatliche Sitzung des Bezirksrates Linden Limmer im Freizeitheim statt. Der Haupttagesordnungspunkt war eine Anhörung mit dem Thema „Partytourismus im Stadtteil Linden-Nord – Bilanz 2017 und mögliche Verbesserungsmaßnahmen 2018.

Einladung: https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/TM/20180131_STBR10

Als Gäste waren dazu eingeladen Harm Baxmann (Vertreter der Aktion Limmerstraße), Hans Michael Krüger (Geschäftsführer von FAUST), drei Vertreter des Karl Lemmermann Hauses (Straßensozialarbeit auf der Limmerstraße), Guido v. Cyrson (Leiter der Polizeiinspektion West) und ein Vertreter der Asta (Uni Hannover).

Sowohl Harm Baxmann, der zwei Gastronomiebetriebe im Stadtteil betreibt und auch dort wohnt, als auch Hans Michael Krüger sehen die Entwicklung des Stadtteils eher positiv. Die soll seit ca. 2005 einen Aufschwung erlebt haben, was sich bei der Gastronomie und den Ladengeschäften ersehen lässt. Das sich dadurch auch der Lärm durch höhere Besucherzahlen im Stadtteil gestiegen stellen sie nicht infrage. Auch die Fäkalienproblematik ist bekannt. Das Kulturzentrum hat eine Reihe von Maßnahmen erarbeitet um diese Problematik abzumildern. Das reicht von einer besseren Beleuchtung am Ihmeufer um die Besucherströme, vielleicht auch in Richtung einer neuen Haltestelle , umzuleiten über eine Beschilderung auf den Haupteinfallsrouten bis hin zu Gesprächen mit Kiosken und dem Rewe-Markt über den Verkauf von Alkohol.

Die Vertreter des Karl Lemmermann Hauses schilderten, dass sie nicht für die Party-Touristen zuständig sind, sondern sich als Sozialarbeiter um die sogenannte Trinkerszene kümmern. Dies hat zum großen Teil auch Erfolg gehabt. Inzwischen konnten die Stunden von 10 auf nur noch 4 pro Woche gekürzt werden. Die Mitarbeiter sind im Stadtteil allerdings nur bis 18:00 Uhr aktiv.

Die Polizei schreitet bei einer Party auf dem Küchengarten ein (2014)
Die schreitet bei einer Party auf dem ein (2014)

Der Leiter der PI West Guido v. Cyrson gab einen ausführlichen Überblick über die Arbeit der Polizei im Stadtbezirk. Bei 44000 Soforteinsätzen im Jahr spielen bei der Polizei die etwas über 1000 Ruhestörungen nur eine untergeordnete Rolle. Vorrangig kümmert sich die Polizei um die Bekämpfung von Straftaten insbesondere Drogenkriminalität, Körperverletzungen und Sexualdelikte sind im Stadtteil problematisch. Subjektiver Eindruck der Polizei ist das sich die Tolleranz gegenüber Lärmbelästigung verändert hat und der Alkoholkonsum eine stärkere Rolle bei Sachbeschädigungen und auch beim Auftreten gegen über der Polizei spielt. Die führt auch dazu das Einsatzfahrten lieber einen Bogen um die Limmerstraße machen um dort nicht schon problematische Situationen zu provozieren die weitere Polizeikräfte binden können.

Der Vertreter der Asta könnte nur sehr wenig zur Problematik im Stadtteil sagen. Für die Erstsemester gibt es nur eine Veranstaltung, in der Regel im UJZ Glocksee, die von der Asta zentral organisiert wird. Die Studi-Touren über die Limmerstraße werden von den Fachschaften organisiert. Diese sollen nun auf die Problematik hingewiesen werden.

Nach dieser Vorstellung kamen dann die Einwohner zu Wort. Berichtet wurde von der Situation am Küchengarten, der Dornröschenbrücke, der Limmerstraße und auf den Zuwegen zur FAUST. Gemeinsamer Nenner war wie nicht anders zu erwarten, dass die Situation inzwischen nicht mehr erträglich für die Anwohner ist und etwas getan werden muss. Sicherlich kann auch jeder Bewohner selbst seinen Beitrag dazu leisten, wie Bezirksbürgermeister Grube ausführte, aber dies geht nur mit den Ansprechpartner der örtlichen Gastronomie und nicht bei den Verursachern der Lärmbelästigung.

Eine konkrete Lösung gab es bei der Bezirksratssitzung nicht. Eigentlich müsste vonseiten der Stadt dazu eigentlich schon längst ein Konzept vorliegen. Das Problem ist nicht neu, sondern beschäftigt den Stadtteil schon mehrere Jahre. Wenn man bedenkt, welche Maßnahmen man am Raschplatz schon unternommen hat, könnte man denken das Linden eben mal wieder nur an zweiter bis dritter Stelle rangiert.

Der neue Ordnungsdienst der Stadt Hannover hilft in der bisher beschlossenen Form dem Stadtteil nicht. Eine Dienstzeit von 8 – 22 Uhr, wie im letzten Lindenspiegel zu lesen war, ist gelinde gesagt weltfremd.

Letztlich kann man der Situation nur Herr werden, wenn die verschiedenen Maßnahmen koordiniert werden. Der Sicherheitsdienst des Kulturzentrums FAUST, die Sicherheitsstreife auf der Limmerstraße und auch der neue Ordnungsdienst der Stadt (sofern die Zeiten ausgeweitet werden) müssten unter einer zentralen Nummer erreichbar sein die als Ansprechpartner für die nächtliche Problematik dient. Bei massiven Verstößen, wobei die Verursacher oft noch nicht mal ein Unrechtsbewusstsein haben, sollten auch entsprechend abschreckende Strafen verhängt werden. Kein normal denkender Mensch kommt auf die Idee auf einem Platz in einem Wohngebiet mitten in der Nacht ein Konzert mit Schlagzeug und Verstärker zu geben. Zitat: „Wir wollen den Leuten doch nur eine Freude machen“.

Leider werden wohl auch in diesem Sommer noch einige Anwohner das finale Argument zu hören bekommen.

Das hier ist Linden, zieh doch weg!

Ergänzung:

Die NIL (Nachbarschaftsinittiative Linden-Nord) hat dem Bezirksrat einen ausführlichen Katalog mit Maßnahmenvorschlägen übergeben und bittet als Betroffene und gleichzeitig Experten bei der weiteren Entwicklung von Maßnahmen beteiligt zu werden.

siehe auch:

Die NIL (Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord) hat 272 Unterschriften an OB Schostok übergeben


Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Ergänzen lässt sich noch, dass die NIL (Nachbarschaftsinittiative Linden-Nord) dem Bezirksrat einen ausführlichen Katalog mit Maßnahmenvorschlägen übergeben hat und darum bittet als Betroffene und gleichzeitig Experten bei der weiteren Entwicklung von Maßnahmen beteiligt zu werden. Der Maßnahmenkatalog wurde bereits letzten Sommer an den Oberbürgermeister übergeben.

    Antworten

    • Ich habe das im Bericht direkt ergänzt und auf den Artikel „Die NIL (Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord) hat 272 Unterschriften an OB Schostok übergeben“ verwiesen. Für den Leser wäre vielleicht noch Interessant, wie der konkrete Maßnahmenkatalog aussieht.

      Antworten

  2. Abgesehen vom Inhalt, der wieder nur lauwarme Ansätze und Lösungen, über die *nachgedacht* wird, beschreibt, finde ich nichts Konkretes und real und zügig Umzusetzendes in dem Artikel.
    Allerdings: hätte ich zu meiner Schulzeit diesen Bericht als Aufsatz abgegeben, wären mir viele rote Striche und Bemerkungen sicher gewesen.
    Gibt es denn Niemanden, der die Texte korrigiert?

    Antworten

  3. „Gespräche mit Kiosken und Rewe“ – was soll dabei raus kommen?!
    Dass sie ihre abendliche Haupteinnahmequelle aufgeben?
    Und zu dem widerlichen Spruch „Du weisst doch, wo du hingezogen bist!“:
    Nein, das nächtliche Geschrei und die Sachbeschädigungen durch Partytouristen hat es hier nicht schon immer gegeben! Die sogenannte Feierkultur hat sich seit wenigen Jahren deutlich in Richtung Asozial verschoben.

    Antworten

  4. Warum lädt man nur die Lärmverursacher (Faust, Gastronomie), Sozialarbeiter, die mit den Partytouristen nicht das geringste zu tun haben, den „Können nichts dafür“-Asta und die „Können nichts machen“-Polizei ein und nicht die eigentlichen Experten, nämlich die Betroffenen? Die NIL, die schon seit Jahren versucht, gemeinsam mit den Verursachern Lösungen zu finden, wird nicht eingeladen. Obwohl sie 272 Unterschriften und einen Maßnahmenkatalog beim OB persönlich abgegeben und immer wieder um Einbindung gebeten hat.
    AUSSER DER NIL HAT BISHER NIEMAND (!!!) KONKRETE VORSCHLÄGE ZUR PROBLEMLÖSUNG GEMACHT !!!
    Erst recht nicht diejenigen, die am Lärm verdienen.
    Die einzig wirksame Maßnahme von der Stadt war der Einsatz von Sicherheitsleuten durch das Amt für Umwelt und Stadtgrün, die seit Juli letzten Jahres weitere illegale Techno-Parties verhindert haben.
    Hier nochmal einen herzlichen Dank an alle Beteiligten.
    Leider wurde diese Maßnahme wieder gestrichen, weil es ja nun das neue Sicherheitskonzept von der Stadt gibt. Ich würde wetten, dass das nicht halb so effektiv in bezug auf diese Problematik ist, weil die Sicherheitskräfte für das ganze Stadtgebiet zuständig sind und wahrscheinlich auch (genau wie die Polizei) Stunden brauchen, bis sie dann mal hier sind und die Party wirklich auflösen.
    Das einzige was hier helfen könnte ist eine gesonderte Lärmpatrouille (von 22.00-6.00 Uhr! nicht umgekehrt) für die Hauptlärmzone.

    Und das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen:
    „Die führt auch dazu das Einsatzfahrten lieber einen Bogen um die Limmerstraße machen um dort nicht schon problematische Situationen zu provozieren die weitere Polizeikräfte binden können.“ Hallo? Linden ist also jetzt schon eine No-Go-Area?
    Die wenigen Lärmeinsätze erklären sich durch die absolute Ineffektivität der Polizei in dieser Hinsicht und die Anwohner haben längst aufgegeben, sich nachts noch (mehrmals, weil einmal eh nicht reicht) aus dem Bett zu pellen um die Polizei anzurufen und sich Vertröstungen, Beschwichtigungen und Erklärungen zum Personalmangel etc. anzuhören. Deshalb die geringe Beschwerdelage!

    Und dass Herr Grube meint, die Anwohner sollen sich selber kümmern, sowie er auch die Anwohner aufgefordert hat, die Dealer, die sich ständig vor ihrem Haus aufhalten, selbst zu vertreiben (wovon die Polizei dringend abrät), ist einfach nur eine Frechheit.
    Hat er eigentlich irgendeinen persönlichen Vorteil vom Fortbestand der Mißstände oder nur keine Lust, sich darum zu kümmern?

    Antworten

    • Herr Grube ist sehr eng mit der Faust verbandelt.

      Politisch/ideologisch ist er dazu „verpflichtet“, einen lebendigen und bunten Stadtteil auf jeden Fall toll zu finden, was leider beeinhaltet, nicht zwischen Lebendigkeit und Asozialität unterscheiden zu können. Wie schade!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.