Hannover Linden ein Stadtteil im Wandel

Hannover Linden ein Stadtteil im Wandel

Vom Arbeiterkiez zur Partymeile

Hannover Linden – ein Stadtteil voller Lebenskünstler konnte man im Merian 2012 lesen. „Linden ist eine städtische Insel, rau und pulsierend, umrahmt von Schnellstraßen und den Flüssen Leine und Ihme, mit Eigensinn und Lokalpatriotismus“ heißt es in dem Artikel. So weit mag das stimmen, nur viele Lindener beklagen das sich Linden immer mehr in eine falsche Richtung wandelt. Laut und schmutzig war Linden wohl schon immer, doch seit sich hier bei jedem Wetter die Partytouristen einfinden und hemmungslos feiern, ist das Fass am überlaufen.
Hannover Linden ein Stadtteil im WandelHaben sich die Partygänger von und Béi Chéz Heinz früher gesitteter benommen? Wohl eher nicht, nur das jetzt auch noch das viel gepriesene Limmern in Hannover Linden dazu gekommen ist. Da wird schon den Erstis eines Studienjahrgangs gesagt, dass man in Linden mal so richtig die Sau rauslassen kann. Was das für Blüten das treibt, davon kann fast jeder Stadtteilbewohner ein Lied von singen.

Eingang zur Partyzone: Schwarzer Bär
Eingang zur Partyzone:

Partyzone Hannover Linden

Natürlich lädt der Stadtteil zum Feiern ein. Hannover-Linden ist die erste Adresse der Landeshauptstadt für eine alternative Club, Bar und Kneipenszene. Neben dem Faustgelände gibt es besonders am Schwarzen Bär, und rund um das Béi Chéz Heinz am regelmäßig klagen der Anwohner wegen lautstarker Partygänger. Einige Probleme, wie zum Beispiel der berühmt berüchtigte Prosecco-Donnerstag am Lindener Marktplatz, sind sicherlich hausgemacht. Es gibt aber auch Initiativen, um dem entgegen zu wirken. Sei es mit Appellen wie „Bitte nehmt Rücksicht auf die Nachbarn!“ oder einer Sicherheitsstreife auf der .

Heinz bleibt HeinzHeinz bleibt Heinz, oder lieber nicht?

Der negative Eindruck bleibt trotz aller Bemühungen. Fragt man nach einer Petition für den Erhalt des Béi Chéz Heinz erhält man fast durchweg positive Reaktionen, außer es handelt sich um direkte Anwohner der Wege zum Club.

Das daran nicht der Betreiber schuld ist sehen die Meisten ein. Auch das mit der Schließung des Chéz Heinz das Problem nur verlagert wird ist klar. Mir den Kneipen und Clubs hat man zumindest einen Ansprechpartner, wenn es um Lärmbelästigung geht.

Limmern ohne Regeln!

Das sieht beim Limmern anders aus. Hier bleibt dem genervten Anwohner, wenn nicht gerade mal der angesprochene Sicherheitsdienst für Ruhe sorgt, nur der Anruf bei der . Eine direkte Ansprache führt häufig nur zu Gesprächen die mit dem Tenor enden: „Das ist doch Linden hier, zieh doch weg“! Nicht wenige haben das inzwischen auch gemacht. Beim Stammtisch im Lorberg haben wir letztens festgestellt, dass keiner am Tisch mehr in Linden wohnt.

Trotz dieser Problematik steigen die Immobilienpreise stetig. Für Verkäufer natürlich eine gute Sache, ist man auf Wohnungssuche sieht das komplett anders aus. Es stellt sich die Frage wieviel Gentrifizierung verträgt der Stadtteil, bis das besondere Flair verschwunden ist.

Limmerstraßenfest 2017 - Das Stadtteilfest in Hannover Linden
Limmerstraßenfest 2017 – Das Stadtteilfest in Hannover Linden

Höher, schneller, weiter …

Wie soll es weiter gehen? Deisterstraßenfest, Limmerstraßenfest, , Limmer Live, Weihnachtsmarkt, Ahrbergfest, Scillablütenfest, … Immer mehr und größere Events?

Ob ein Etat von 30.000 € für das nächste Limmerstraßenfest um noch mehr Besucher anzulocken wirklich sinnvoll ist? Gleichzeitig klagt der Veranstalter über mangelnde Unterstützung und noch dazu wird wer nicht mitmachen will als Schmarotzer bezeichnet, wie bei der HAZ nachzulesen ist. Gute Lindener Kultur ist das nicht! Das Limmerstraßenfest war mal ein Fest in Linden für Linden. Man flanierte die Einkaufsmeile entlang und traf sich hier mit vielen Bekannten an den Ständen der Vereine. Dazu zwei bis drei Bühnen mit Musik und ein paar Würstchen und Bierbuden. Wer mehr Aktion wollte, ging zum Schützenfest auf dem . Braucht es wirklich solche Besuchermassen wie in den letzten Jahren? Profitieren die Geschäfte davon oder verdient nur die Gastronomie? Wäre nicht vielleicht weniger wieder mehr?

Weihnachtsdorf auf dem Lindener Berg
Weihnachtsdorf auf dem

Ein positives Beispiel gefällig? Weihnachtsmarkt auf dem Lindener Berg! Eine einmalige Atmosphäre mit wenig Aufwand vom Lindener Turmbiergarten organisiert. Dafür werden die kleinen Blockhütten auf dem Gelände an soziale Einrichtungen vergeben, die sich dort vorstellen und ihren Etat aufbessern können. Etwas Kleinkunst und weihnachtliche Musik dazu und fertig ist die vorweihnachtliche gemütliche Stimmung.

Wohin soll also die Reise gehen? Immer größere Events und den Linden-Hype auf die Spitze treiben oder lieber wieder an alte Lindener Traditionen anknüpfen? Ist die Stadt gefordert ein Nachtkonzept für Linden nach dem Vorbild des Raschplatzes zu entwickeln?


Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Warum finden immer mehr große Veranstaltungen in Linden statt und werden regionsweit beworben?
    Hannover hat noch sehr viele andere Stadtteile.
    Warum führt die Uni die Erstsemester in Gruppen von vielen Hundert nach Linden und sagt ihnen „Hier ist die Partyzone zum Sau rauslassen.“? Die merken sich das und befolgen die „Anweisung“, denn dass Studierende auch freie Geister sein sollen, weiß die heutige Studigeneration nicht.
    Übrigens: Vor einigen Jahren war man als Gast bei Faustpartys ein Exot, wenn man nicht aus Linden oder der nahen Umgebung kam. Heute ist das umgekehrt. Heisst auch, das Benehmen der zugereisten „Feierer“ ist ein anderes (es pinkelt sich besser an fremde Türen, als an die eigene).

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  2. Es ist eine Schweinerei sondergleichen, dass der Organisator des Limmerstraßenfestes alle an den Pranger stellen will, die dieses Massenbesäufnis nicht finanziell unterstützen!
    Das zeigt doch, wes´Geistes Kind Viele sind, die am künstlich hochgezogenen Linden-Hype verdienen.

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  3. Das ist ganz das Ballermann-Prinzip. Irgendwo, wo einen keiner kennt, die Sau rauslassen und sich dann in seine ruhige Wohngegend zurückziehen, wo es einem ja peinlich wäre so sturzbesoffen von den Nachbarn gesehen zu werden.
    Wenn dieses primitive Verhalten leiser vonstatten gehen würde, wärs ja kein Problem.
    Aber der nächtliche Lärm macht die Anwohner krank.

    Die NIL (Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord) hat 272 Unterschriften zwischen Limmerstraße und FAUST gesammelt und dem Oberbürgermeister Schostok übergeben.
    Es ist ein ohnehin neues Sicherheitskkonzept in Arbeit. Die Unterschriftenaktion der NIL hat dazu geführt, dass Linden nun besondere Beachtung finden soll.
    Irgendwann ist eine Grenze erreicht, wo man das „Feier“bedürfnis der grölenden Horden und die Geschäftsinteressen der Gastronomie nicht mehr über die Gesundheit der Anwohner stellen kann. Diese Grenze wurde schon vor einigen Jahren erreicht. Jetzt braucht es effektive und nachhaltige Maßnahmen, damit Linden wieder Linden wird und kein Ballermann.

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