„KünstlerInnen als Opfer der NS-Psychiatrie“

Spengler sagt: "Wir zeigen Werke von Künstlernmit psychiatrischem Hintergrund, welche durch ihre originäre Stärkekünstlerisch für sich sprechen. Zugleich sind diese Werke Botschafterfür das Schicksal der Künstler. Da wollen wir die NS-Psychiatrie nichtausblenden, auch wenn die moderne Psychiatrie heute ganz anders ist undunsere Künstler fördert."
In biographischen Kurzportraits wird der KünstlerInnen gedacht:
DerHistoriker Dr. Raimond Reiter, Hannover, unter anderem Autor derWanderausstellung "Psychiatrie im Dritten Reichen in Niedersachsen",würdigt den Künstler Gustav Sievers (geb. am 13. November 1865). DerHannoveraner Erfinder und Weber Sievers durchlebte nach einem wildenLeben Anstaltsaufenthalte in Lengerich, Lüneburg, Göttingen und Herbornund wurde am 16. Juni 1941 in Hadamar ermordet.

Der aus Schwerin stammende erfolgreicheReichsbaumeister und Künstler Paul Goesch (geb. 13. August 1885) wirdvon Oberlandeskirchenrat im Ruhestand Gerd Steffen aus Wunstorfportraitiert. Goesch war in Anstalten in Schwetz, Göttingen und Teupitzund wurde wahrscheinlich am 22. August 1940 in Brandenburg vergast.
Ausdem Hamburger Förderkreis Elfriede Lohse-Wächtler kommt ein Portraitder am 4. Dezember 1899 in Dresden geborenen expressionistischenMalerin, deren Werk schon zu Lebzeiten bekannt war und die heuteweltweit als bedeutend anerkannt ist. Sie durchlitt Anstaltsaufenthaltein Hamburg und Arnsdorf, zerbrach nach einer Zwangssterilisierungendgültig und wurde am 31. Juli 1940 in Pirna-Sonnenstein ermordet.

Die am 4. Mai 1917 in Naumburg geborene, heutein Hamburg lebende Dorothea Buck ist nur wenigen KennerInnen alsprofessionelle, um 1960 erfolgreiche Künstlerin bekannt. In Bethel 1936als psychisch Kranke zwangssterilisiert, steht sie beispielhaft fürdiese große Gruppe von Opfern. Als Mitbegründerin des Bundesverbandesder Pychiatrie-Erfahrenen BPE und mit ihren Büchern wurde sie von 1982an als treibende Kraft der Psychiatrie-Reformen in Deutschland bekannt.Aus dem Vorstand des BPE portraitiert Ruth Fricke aus Herford diesebedeutende Frau.

In einer Diskussion vertiefen Doris Klawunde,stellvertretende Regionspräsidentin, Prof. Dr. Petra Garlipp von derMedizinischen Hochschule Hannover und vom Bündnis gegen Depression,Hans Schöner aus Hamburg sowie Prof. Siegfried Neuenhausen alsMitinitiator der Ausstellung das Thema unter Leitung des früherenDirektors der Volkshochschule Dietrich Heimann.
Die Ausstellungmit weiteren prominenten zeitgenössischen und historischen Werken vonKünstlerInnen aus Norddeutschland kann vor der Veranstaltung besichtigtwerden. Die Ausstellung ist bis zum 30. Mai außer an Himmelfahrttäglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet, an Feiertagen bis 16 Uhr. Dasehrenamtlich getragene Gesamtprojekt ist auf der Seite www.elementarkraefte.de umfangreich dokumentiert.

Auskunft: Prof. Dr. Andreas Spengler, Rotdornstr. 10, 31515 Wunstorf, 0 50 31 / 97 21 90.


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