Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?

PlatzDa für Linden-Mitte

Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?
Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?

Am 09.02.17 fand im Lindener Rathaus eine Diskussionsrunde zum Thema „Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?“ statt. Der Saal war voll. Aus Trier kam Professor Heiner Monheim mit der Bahn und dem Rad. Daneben auf dem Podium Daniel Gardemin von den Grünen, die CDU-Regionsabgeordnete Katrin Göllinger und Astrid Ries Inhaberin von HutUp.

An diesem Abend und auch im Anschluss an die Veranstaltung entstand eine kontrovers geführte Diskussion, die sich letztlich auf den Kernpunkt Pro und Kontra Autoverkehr zuspitzt. Auf die Frage ob eine Verkehrsberuhigung am Lindener Marktplatz für einen persönlich mehr Lebensqualität bedeutet hoben sich auf jeden Fall sehr viele Hände. In Opposition dazu befanden sich die Vertreter der großen Volksparteien SPD und CDU auf dem Podium und im Publikum die weiterhin eher auf dem Standpunkt freie Fahrt für frei Bürger zu stehen scheinen.

Punkt 1: Die Geschäfte müssen mit dem Auto erreichbar bleiben

Dazu hatten wir im letzten Jahr einen, wenn auch unfreiwilligen, Probelauf. Im Sommer wurde der gesamte Kreuzungsbereich des Lindener Marktplatzes wegen der Gleiserneuerung der Üstra gesperrt. Eine Durchfahrt war in allen Richtungen nicht möglich. Als Anwohner fand ich diese Situation einfach nur traumhaft. Auf der und auch auf der konnte man unbeschwert Rad fahren und auch viel problemloser die Straße kreuzen. Was ist aber nun mit den Geschäften? Wir betreiben einen Stoffladen limetrees in der Posthornstraße, die durch die Baustelle plötzlich zur Sackgasse wurde. Hat es dem Geschäft geschadet? Nein! In diesen Sommermonaten hatten wir weit mehr Umsatz wie in den letzten Jahren am Schwarzen Bär. Viele Kunden hatten sich bereits im Vorfeld informiert und haben trotzdem zu uns gefunden. Auch andere Geschäftsleute fanden die verkehrsberuhigte Situation sehr schön und hatten damit kein Problem. Es scheint das auch zu diesem Thema Frau Ries nicht für alle Geschäftsleute in Linden-Mitte spricht.

Man kann sicherlich eine Lösung finden, die den Durchgangsverkehr stoppt, den zum Lindener Marktplatz kommenden Kunden aber weiterhin durchlässt.

Auf dem Podium: Astrid Ries, Katrin Göllinger, Daniel Gardemin und Heiner Monheim (vlnr)
Auf dem Podium: Astrid Ries, Katrin Göllinger, Daniel Gardemin und Heiner Monheim (vlnr)

Punkt 2: Parkplätze auf dem

Wir haben uns für den neuen Standort Posthornstraße entschieden obwohl am Dienstag und Samstag auf dem Platz nicht geparkt werden kann. Gerade der Wochenmarkt dürfte für viele Geschäfte ein positiver Grund sein sich dort anzusiedeln. Gerade am Samstag ist die Parksituation am Lindener Markt schwierig. Trotzdem kommen viele Kunden auch von weit her und finden einen Parkplatz. Der Samstag ist hier wie auch anderswo der umsatzstärkste Tag der Woche. Wenn dies allein an der Parksituation festgemacht würde, müsste es in Linden-Mitte anders sein. Darüber hinaus haben wir den Standort auch gewählt, weil wir eigene Parkplätze anbieten können. Dafür muss man dann als Ladeninhaber eben bezahlen.

Auch für Privatleute gibt es ausreichend Parkplätze im Stadtteil. Nur kostenlos sind diese eben nicht. Außerdem ist auch Teilauto eine gute Alternative zum eigenen Wagen. Da ist der Parkplatz gleich inklusive und auch sonst hat man keinerlei Stress mit dem lieben Automobil.

Das im Winter auch noch die Poller zum für den Autoverkehr gesperrten Teil heraus genommen werden ist ein Unding. Auf Nachfrage beim Ordnungsamt wurde geantwortet, dass die Poller sonst einfrieren könnten und dann zum Wochenmarkt nicht entfernt werden können. Das hat zur Folge das es Autofahrer gibt, die aus der  Schwalenberger Straße quer über den Platz fahren. Also am Weihnachtsbaum im nächsten Jahr immer schön auf den kreuzenden Verkehr achten!

Punkt 3: Durchgangsverkehr

Die Stephanusstraße wird zu einem nicht unerheblichen Teil einfach als Abkürzung benutzt. Vom könnte man auch über und Falkenstraße bzw. zum Ziel kommen. Über die Stepanhusstraße ist es aber kürzer.
Schon beim Umbau des Küchengartenplatzes war die Bürgerbeteiligung für eine Verkehrsberuhigung in diesem Bereich. Alles, was daraus resultierte, ist die Aufpflasterung am Anfang der Stephanusstraße die diesen Zweck überhaupt nicht erfüllt. Als Erklärung dafür musste ich mir seinerzeit sagen lassen, dass eine Aufpflasterung wie beispielsweise an der Einmündung Minister-Stüve-Straße am Schwarzen Bär auch Sicherheitsgründen nicht machbar ist. Denn der Bus fährt kurz vor der Haltestelle über diesen Huckel und dadurch könnten die Fahrgäste die bereits stehen gefährdet werden. Nachdem die Umgestaltung fertig war, wurde aber auch die Haltestelle verlegt. Eine Fehlplanung oder nur eine plumpe Ausrede?

Weitere Berichte:

Fazit:

Die große Sperrung im letzten Sommer hat gezeigt, dass der Marktplatz durch eine Verkehrsberuhigung deutlich an Lebensqualität gewinnen kann. Wenn es schon mit Baustelle schöner ist, wie wird es dann erst ohne sein?

Parkplätze für auswärtige Gäste gibt es genug. Wie bereits auf der Veranstaltung vorgeschlagen könnte das Ihemzentrum auch als Stadtteilparkhaus dienen.

Wer als Anwohner nicht ständig auf Parkplatzsuche gehen will dem bleiben nur drei Varianten. Umstieg auf Carsharing, einen Stellplatz mieten oder den Wohnort wechseln. Ein Grundrecht auf kostenlose Parkplätze vor dem Haus gibt es in Deutschland zum Glück noch nicht.


Kommentare (13) Schreibe einen Kommentar

  1. „…oder den Wohnort wechseln“. Respekt Herr Brandau! Sie sind der erste Platzda-Supporter, der keine Scheu hat, die Wahrheit konkret auszusprechen.

    PKW-Besitzer mit privatem oder gemietetem Stellplatz dürfen weiter nach Linden einfahren. Wer sich das nicht leisten kann und trotzdem Auto fahren will, muss Linden verlassen. Sozial sehr gerecht. So wie viele Banken gerade höhere Kontogebühren für Arbeitslose einführen. Wer das nicht will, man wäre über eine Kündigung nicht traurig;-)

    Noch eine Frage, auch Sie fordern in Ihrem Beitrag, dass der Verkehr aus der Stephanusstraße in die Straßen Falkenstraße, Schwarzer Bär etc. umgeleitet wird. Dort wohnen auch Menschen , auch mit Kindern, meinen Sie wirklich, dass denen der zusätzliche Lärm und Feinstaub egal ist?

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    • Nur sehr wenige Leute sind wirklich auf ein Auto angewiesen. Wir hatten auch mal eins. Den Stress der Parkplatzsuche wollten wir uns einfach nicht länger antun. Wer das trotzdem will der muss eben in den sauren Apfel beißen. Die wirklich auf ein Auto angewiesen sind haben erfahrungsgemäß auch den finanziellen Background für einen Stellplatz.

      Was die Umleitung angeht ist es erwiesen das mehr Straßen zu mehr Verkehr führen. Warum sollte das nicht auch umgekehrt funktionieren. Vielleicht öffnet der Stau den Leuten die Augen und lässt sie nach Alternativen suchen.

      Wie sähe denn Ihre Lösung aus? Vieleicht die Staphanusstraße vierspurig ausbauen wie man es schon mal für die Limmerstraße vorgesehen hatte. Dazu den Lindener Markt mit einem Parkhaus bebauen? Ne, das geht ja nicht da muss man auch wieder für bezahlen.

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  2. 1. Ihre Aussage, wer sich ein Auto leisten kann, ist auch grundsätzlich finanziell in der Lage, sich noch einen privaten Stellplatz dazu zu mieten, ist falsch.
    2. Erwiesen ist auch, dass mehr Parkplätze zu mehr Verkehr führen. Ihre Aktivisten-Freunde und wie man hier liest, auch Sie, wollen neue Parkplätze im Ihmezentrum schaffen.
    3. Mein Vorschlag ist, verkehrsberuhigende Maßnahmen für alle Straßen, nicht nur auf Kosten anderer, also: Verbesserung der Fahrradinfrastruktur, 30 km/h, auch auf Fössestraße, Blumenauer, Davenstedter, Optimierung der Stadtlinie 9, solche Sachen.

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    • zu 1. Ich habe nicht gesagt wer sich ein Auto leisten kann, sondern wer auf ein Auto angewiesen ist kann sich meist auch einen Stellplatz leisten.
      zu 2. Die Parkplätze im Ihmezentrum sind bereits da, werden nur nicht genutzt weil sie niemand kennt.
      zu 3. Finde ich alles gut. Wird sich aber mit der Autolobby kaum umsetzten lassen.

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  3. Also bitte, es leben doch nicht nur Achitektenfamilien in Linden-Mitte. Jetzt nehmen wir mal eine alleinerziehende, berufstätige Mutter mit 2 Kinder, die sich mühsam für 500 Euro einen Golf 2 abgespart hat. Da kommen Sie jetzt daher und sagen ihr, sie müsse sich noch für 600 Euro im Jahr einen Stellplatz dazumieten … im Ihmezentrum! Und die Architektengattin fährt die Kiddies im Zweitwagen-Range Rover direkt bis vor die Haustür. Schönes neues Linden! Auch wenn ich mich hier Klischees bediene, so würde es nach euren Vorstellungen kommen.

    Sie sollten wirklich noch mal ihr Fazit überdenken, hier als Lindener Blogger Lindener Bürgern ohne Privatstellplatz den Wohnortwechsel zu empfehlen.

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    • Bei ihrem Beispiel stellt sich mir immer die Frage ob sich ein Auto lohnt. Ein PKW kostet mehrere hundert Euro pro Monat. Auch wenn er nicht bewegt wird. Sicherlich muss man irgendwie zur Arbeit und zum Kindergarten kommen. Vielleicht macht es aber mehr Sinn sich den Wohnort passend zur Arbeitsstelle zu wählen und dafür auf das Auto zu verzichten. Auch bei den Freizeitaktivitäten wie Sportverein kann man darauf achten wie sie erreichbar sind. Man kann seine Kinder überall mit dem Auto hinbringen. Muss man aber nicht! By the Way, wenn mein Arbeitsplatz von Linden nicht vernünftig zu erreichen wäre würde ich nicht hier wohnen. Jeden Tag im Stau zu stehen wird meiner Meinung nach durch das Wohnen in Linden nicht aufgewogen. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Nur kostenlos parken gibt es eben nicht. Auch das muss in die Entscheidung mit einfließen. Ich hätte auch gerne ein Lastenfahrrad, aber dafür will mir auch keiner eine kostenlose Garage bauen.

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      • Also kostenlose Garagen für Autos hat hier noch niemand gefordert. Und wenn Sie nur in Linden wohnen wegen der Nähe zum Arbeitsplatz (was ich nicht glauben mag), dann sind Sie vielleicht auch nicht der richtige Mann für einen Linden-Blog.

        Wenn das Leben ohne PKW für Sie gut funktioniert, freue ich mich. Das muss aber nicht zwingend auch für andere gelten. Und wer in Linden Autofahren darf und wer nicht, regeln wir bitte nicht nach der Einkommensklasse.

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        • Ob kostenlose Garage oder Stellplatz bleibt sich gleich. In einem dicht bebauten Stadtteil sind Flächen rar und teuer. Wer sich ein Auto leisten mag der soll das tun. Ich gebe mein Geld lieber für andere Dinge aus und verzichte auf ein eigenes Auto. Stadtmobil Mitglied kann man schon ganz ohne Grundgebühr werden. Man zahlt nur wenn man auch tatsächlich fährt. Das ist eine echte Alternative für geringe Einkommensklassen. Was die Fahrt zur Arbeit angeht würde ich tatsächlich auch Linden verlassen wenn mein Arbeitgeber zum Beispiel meint er müsste an das andere Ende der Stadt ziehen. Jeden Tag im Stau stehen ist keine Alternative. Aber auch das kann jeder für sich selbst entscheiden. Nur dann sollte man halt auch nicht darüber lamentieren.

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  4. Gut, dann hoffen wir mal, dass Sie bei ihrer Urlaubsplanung genauso vorbildlich an die Umwelt denken.

    Letzte Frage: Dass ihre Forderungen nach Verkehrsverdrängung und Nachweis eines privaten Parkplatzes die Gentrifizierung im Stadtteil fördern, ist Ihnen klar, oder?

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    • Ich habe nie vom Nachweis eines privaten Parkplatzes gesprochen. Ich habe nur gesagt wer einen sicheren Parkplatz haben möchte auch dafür bezahlen muss. Man kann übrigens auch alles bis zum geht nicht mehr ausweiten. Neun, ich lebe nicht vegan. Dafür rauche ich auch nicht. Benutze keinen Trockner und keufe mir nicht jedes Jahr ein neues Handy. Hat alles nichts mit dem Verkehr im Stadtteil zu tun. Mein Urlaub aber auch nicht. Damit ist jetzt wohl alles gesagt.

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      • Ok „Nachweis“ ziehe ich zurück. Die Aktivisten und ihre Unterstützer feuern ihre Schöne-Welt-PR gerade auf allen Internet-Kanälen. Und ich muss alleine dagegen anschreiben. Das ist echt mühsam und es macht auch keinen Spaß. Der mit dem „Nachweis“ war in dem anderen Blog.

        Der Vorwurf, dass Sie mit Ihren Forderungen die Gentrifizierung fördern, bleibt. Schade, dass sie sich dazu nicht äußern wollen.

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        • Ein besseres Wohnumfeld trägt natürlich auch zur Gentrifizierung bei. Das kann doch aber nicht gewollt sein überall Göttinger Straßen zu schaffen nur damit der Wohnraum schön billig bleibt. Da möchte ich auch nicht wohnen.

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  5. Pingback: Stadtanzeiger West der HAZ: Bleibt der (Lindener) Markt ein Parkplatz? | Auf die Plätze, fertig, los...

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