Flüchtlingsunterkunft Steigerthalstraße

ArchitekturZeit: Notwendigkeit einer neuen Orientierung der Wohnungsbaupolitik

Flüchtlingsunterkunft Steigerthalstraße
Flüchtlingsunterkunft Steigerthalstraße

Angesichts wachsender Flüchtlingsströme in der Welt und insbesondere auch in deutsche Großstädte ergibt sich die Notwendigkeit einer neuen Orientierung der Wohnungsbaupolitik, um menschengerechte und auf Integration zielende Unterkünfte bereit stellen zu können.

Temporäre Behausungen, Low-Budget-Architekturen und integrationsfördernde Wohnstätten sind Themen dieser Diskussion.

Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen der AG Stadtleben e.V.

20.06.2016, 19.00 Uhr
Kargah im Kulturzentrum , Zur Bettfedernfabrik 1, 30451 Hannover
Mittendrin im Stadtteil – die Flüchtlingssiedlung in der Steigertahlstraße
Kay Marlow (Mosaik Architekten BDA, Hannover)
Olga Issak (Teamleiterin, European Homecare)
Swidbert Gerken (Unterstützungskreis)

Menschen zu behausen ist ein erster Schritt ihrer sozialen Integration. Architekt Kay Marlow berichtet über die kommunalen Vorgaben, örtlichen Rahmenbedingungen und die Entwicklung des baulichen Konzepts für die Wohnsiedlung. Die Abkehr von Metallcontainern hin zur Holzmodulbauweise ist ein Schritt, um für die Geflüchteten eine wohnlichere Atmosphäre zu schaffen. Olga Issak schildert aus der Sicht der Betreuerin den Alltag und Betrieb in der Flüchtlingssiedlung. Wie kommen die Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und mit ihren individuellen Vorerfahrungen in der neuen Umgebung zurecht?

Swidbert Gerken berichtet für den Unterstützungskreis Steigertahlstraße aus der ehrenamtlichen Arbeit.

22.06.2016, 19.00 Uhr
Oststadtbibliothek im Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover
Refugees welcome – Konzepte für eine menschenwürdige Architektur
Jörg Friedrich (Architekt, Hamburg/Hannover)

Täglich machen sich Menschen auf den beschwerlichen Weg nach Europa und nach Deutschland – auf der Flucht vor Gewalt, Hunger, Verfolgung, Armut, Naturkatastrophen. Wem es gelingt, die streng gesicherten Außengrenzen der EU zu überwinden, landet meist in überfüllten Notunterkünften an der Peripherie der Städte, ohne gesicherten Aufenthaltsstatus und ohne Chance auf gesellschaftliche Integration.
Wir brauchen neue Ideen für eine Willkommenskultur – und das heißt auch für eine angemessene Unterbringung der Neuankömmlinge im Herzen der Städte, in der Mitte der Gesellschaft.
Das Buch Refugees Welcome zeigt, dass und wie dies möglich ist. Basierend auf einem Entwurfsprojekt an der Leibniz-Universität Hannover präsentiert der Buchautor Handlungsstrategien und konkrete architektonische Konzepte für innovative und prototypische Formen des Wohnens für Flüchtlinge. Er plädiert für eine menschenwürdige „Architektur des Ankommens“ und fordert das Recht auf Architektur ein – auch für Flüchtlinge.

Jörg Friedrich (*1951) gründete 1986 das international tätige Architekturbüro pfp-architekten mit Sitz in Hamburg. Seit 1988 ist er als Hochschullehrer tätig und ist seit 2013 Dekan der Fakultät für Architektur und Landschaft an der Universität Hannover.

Das Buch Refugees Welcome – Konzepte für eine menschenwürdige Architektur hat er zusammen mit Peter Haslinger, Oliver Thiedmann, Christoph Borchers und Simon Takasaki 2015 im Jovis Verlag Berlin herausgegeben. Das Buch kann am Vortragsabend zum Vorzugspreis erworben werden.

23.06.2016, 19.00 Uhr
Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover
Heimatcontainer – eine deutsch-israelische Architekturgeschichte
Jens-Uwe Fischer (Historiker, HFBK Hamburg)

Der Historiker Jens-Uwe Fischer berichtet über die Kupferhäuser der Hirsch Kupfer- und Messingwerke. Kupferhäuser sind Fertighäuser mit Wänden und Dächern aus Kupferblech. Sie wurden 1931 auf der Internationalen Bauausstellung in Berlin vorgestellt. Infolge übernahm der vormalige Bauhausdirektor Walter Gropius die Leitung des Kupferhausprojektes. Doch dann kamen die Finanzkrise und die Machtübernahme der Nationalsozialisten – und die Kupferhäuser wurden zum „Umzugsgut“ jüdischer Flüchtlinge.

Heute lassen sich noch einige dieser merkwürdigen grün-schwarzen Gebäude in und um Berlin sowie in Israel finden. Fischer erforschte gemeinsam mit Friedrich von Borries die Geschichte der Heimatcontainer, wie die beiden die Kupferhäuser nennen. Sie recherchierten die Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Hirsch, aus deren Fabrik die Häuser einst kamen, und sprachen in Deutschland und in Israel mit Erbauern und Bewohnern der Kupferhäuser darüber, was Heimat heute für sie bedeutet.

Jens-Uwe Fischer (*1977) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der HFBK Hamburg. Er lebt in Berlin. Derzeit erforscht er das Leben und Werk des Architekten und Designers Franz Ehrlich.

2009 erschien: Heimatcontainer. Deutsche Fertighäuser in Israel (Frankfurt am Main: Suhrkamp).


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