Niedersachsens Schulen sind gut auf das neue Schuljahr vorbereitet – wirklich?

Komplette Pressemitteilung des Nds. Kultusministeriums:

Für das am Donnerstag beginnende Schuljahr 2010/11 ist dieUnterrichtsversorgung gesichert. Sie wird an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen voraussichtlich landesweit bei durchschnittlich etwasmehr als 100 % liegen. „Niedersachsens Schulen sind gut auf dieHerausforderungen des neuen Schuljahrs vorbereitet. Wir haben alle freiwerdenden Lehrerstellen neu besetzt und zum Schuljahresbeginn bereitsmehr als 1.450 neue Lehrkräfte an den über 3.000 allgemein bildendenSchulen eingestellt. Im Schuljahr des Doppelabiturs entfällt fast dieHälfte der Neueinstellungen auf das Lehramt an Gymnasien", sagte Kultusminister Dr. Bernd Althusmann in Hannover. 

„Meine ersten 100 Tage im Amt des Kultusministers habe ich vorallem dazu genutzt, intensive Gespräche mit Vertretern der Lehrer-,- und Schülerschaft über die qualitative Fortentwicklung unseresSchulwesens zu führen. Ebenso wichtig ist mir der Dialog mit denKommunen als verantwortlichen Schulträgern. Die zur behutsamenWeiterentwicklung unserer Schulstrukturen von der Landesregierungeingesetzte AG Schulstruktur mit den Kommunen hat gestern erstmals sehreinvernehmlich getatgt. Ich rechne mit ersten Ergebnissen im September.Wir stehen in Niedersachsen mit einem in den nächsten zehn Jahren zuerwartenden Schülerrückgang von durchschnittlich 25 Prozent vor großenHerausforderungen. Diese werden wir gemeinsam angehen", sagte Dr. BerndAlthusmann, der in seiner 100-Tage-Bilanz auch einige seiner künftigenArbeitsschwerpunkte besonders hervorhob:

„Schule ist in Niedersachsen ein Lern- und Lebensort. Mehr als ein Drittel unserer Schulen sind Ganztagsschulen.Zum neuen Schuljahr gehen 271 neue Ganztagsschulen an den Start. Wirwerden die qualitative Entwicklung unserer inzwischen rund 1.140Ganztagsschulen im Land weiter vorantreiben – Mittagessenangebote undUnterstützung wie zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung solltendazugehören.

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund werden inNiedersachsen besonders gefördert. Wir investieren jährlich 52Millionen Euro in die Sprachförderung, weiten den Schulversuch„Islamischer Religionsunterricht" erneut um fünf Standorte aus undbeginnen mit neuen Projekten wie „DaZNet" und dem Schülercampus „MehrMigranten werden Lehrer".

Wir richten alle nachgeordneten Behörden und dieLehrerfortbildung in Niedersachsen neu aus. Bei der Landesschulbehördeist die Modernisierung bereits auf den Weg gebracht, für dasNiedersächsische Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung(NiLS) und die Niedersächsische Schulinspektion (NSchI) steht eineNeuaufstellung auf meiner Agenda.

Alle berufsbildenden Schulen in Niedersachsen sollen künftigals regionale Kompetenzzentren im Sinne des Modellversuchs „ProReKo"arbeiten können. Wir planen für das beginnende Schuljahr eineentsprechende Schulgesetzänderung, die zum 01.01.2011 in Kraft tretensoll.

Bei den bundesweiten Vergleichsarbeiten wollen wir dieEigenverantwortlichkeit der Schulen stärken. Derzeit wird imKultusministerium der weitere Umgang mit Vergleichsarbeiten,insbesondere VERA 3 und 8, kritisch überprüft. Die nächsteAmtschefkonferenz auf KMK-Ebene wird sich auf Anregung Niedersachsensmit dem Thema befassen."

Der Minister informierte zum Schuljahresbeginn außerdem über aktuelle Statistiken und weitere Neuerungen:

Unterrichtsversorgung und Einstellungen

Die durchschnittliche rechnerische Unterrichtsversorgung inNiedersachsen wird nach dem gegenwärtigen Planungsstand an denöffentlichen allgemein bildenden Schulen im ersten Schulhalbjahr beietwas mehr als 100 Prozent liegen. Um die Verlässlichkeit derGrundschule zu gewährleisten, bedeute dies für die Grundschulen einenMittelwert von erfahrungsgemäß gut 102 %. Für alle weiterführendenSchulformen wird eine mittlere Versorgung von nahezu 100 % erwartet.Bis zum heutigen Tag wurden bereits 1.475 Einstellungsmöglichkeiten fürdie allgemein bildenden Schulen bekannt gegeben. Folgende Trendszeichnen sich im Einstellungsverfahren in diesem Jahr ab:

  • Aufgrund eines gegenüber dem Vorjahr verbesserten durchschnittlichen Bewerber-Stellen-Verhältnisses konnten in diesem Jahr die Stellen allgemein leichter entsprechend des Fachbedarfs der Schulen besetzt werden.
  • Niedersachsen ist attraktiv für Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Bundesländern: Rund 25 % der Neueinstellungen erfolgten mit Bewerberinnen und Bewerbern aus anderen Ländern (Vorjahr 22,5 %).
  • Bedingt durch die verbesserte Bewerberlage wurden weniger Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger als im Vorjahr eingestellt. Von den 66 bis zum jetzigen Zeitpunkt eingestellten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern wurden 13 auf Stellen für Mathematik, jeweils 12 für die Fächer Physik und Chemie, 7 für Musik sowie jeweils 6 auf Stellen für Spanisch, Französisch und Kunst eingestellt. Der Anteil an allen Einstellungen liegt damit bei rund 4 %. Im Vorjahr waren es rund 6 %.
  • Mangelfächer bleiben beispielsweise für das Lehramt an Gymnasien Latein, Spanisch, Physik und Kunst. Für die Realschulen sind nur wenige Lehrkräfte mit Französisch verfügbar, an Haupt- und Realschulen sind die Fächer Physik und Technik am schwierigsten zu besetzen.
  • Die Anpassung der Termine des Vorbereitungsdienstes an die Schulhalbjahre hat sich gelohnt: Erstmalig konnten in diesem Einstellungsverfahren Absolventinnen und Absolventen der Studienseminare berücksichtigt werden, die den niedersächsischen Vorbereitungsdienst nicht mehr mitten im Schulhalbjahr beenden, sondern zum Schulhalbjahresende. Fast 20 % der Neueinstellungen erfolgten mit Lehrkräften, die passgenau in den Schuldienst wechseln. Damit müssen deutlich weniger Schulen den Dreimonatszeitraum 01.08. bis 01.11. mit Übergangsmaßnahmen überbrücken.

Demografischer Wandel: Schülerzahlen weiter rückläufig

An den allgemein bildenden Schulen werden die Schülerzahlen imsechsten Jahr in Folge zurückgehen, und zwar zum neuen Schuljahr aufrund 928.000 Schülerinnen und Schüler. Das entspricht einem Rückgangseit 2004 von über 64.000 Schülerinnen und Schülern. Im Vergleich zumVorjahr werden zum Schuljahresbeginn 2010/11 rund 12.000 Schülerweniger erwartet. In den 1. Klassen an Grundschulen und Förderschulenwerden zum Schuljahresbeginn über 80.000 Schülerinnen und Schülererwartet. Im Vorjahr wurden insgesamt 74.992 Kinder eingeschult. ImJahre 1997 wurden noch 97.000 Schulanfänger gezählt. Grund für diehöhere Zahl der Schulanfänger in diesem Jahr ist das mit derSchulgesetznovelle 2008 beschlossene schrittweise Vorziehen desEinschulungsalters. Bis 2013 wird die Zahl der Schulanfänger inNiedersachsen auf rund 69.000 sinken.

Schulgesetznovelle in Kraft

Mit der Änderung des Schulgesetzes zum 01.08.2010 wurde die weitereStärkung der Berufsorientierung der Haupt- und Realschulen beschlossen.Der berufsorientierte Weg zur Ausbildung oder zum Studium wird durchdie Verzahnung der Hauptschulen mit den berufsbildenden Schulen und mitder Profilbildung an den Realschulen weiter ausgebaut. MitInkrafttreten neuer Grundsatzerlasse wird zusammengefassten Haupt- undRealschulen die Möglichkeit eröffnet, den gemeinsamen Unterrichtauszuweiten. Die Schule kann entscheiden, in den Schuljahrgängen 5 bis8 in allen Fächern und Fachbereichen mit Ausnahme der Kernfächer(Deutsch, Mathematik und 1. Fremdsprache) gemeinsamen Unterricht zuerteilen. Ab dem Jahr 2018 wird – im Interesse einheitlicherBildungsbedingungen auf dem Weg zum Abitur – auch an allenGesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe die allgemeine Hochschulreifenach zwölf Schuljahren vergeben. Die Veränderungen gelten erstmals fürdiejenigen Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2010/11 den 5.Schuljahrgang der nach Schuljahrgängen gegliederten KGS oder der IGSbesuchen werden.

18 neue Gesamtschulen gehen an den Start

Zum 01.08.2010 haben 18 neue Gesamtschulen (16 IGS und 2 KGS)zunächst mit dem 5. Jahrgang ihre Arbeit aufgenommen. Alle neuenSchulen sind zeitgerecht mit einer verantwortlichen Leitungausgestattet worden. Im Vorjahr waren bereits 14 neue Gesamtschulengestartet (zwölf IGS, zwei KGS).

Informationsangebote zum Schuljahresbeginn

  • „Service-Telefon Schule": Zum Beginn des Schuljahrs 2010/11 werden erneut für alle Fragen zum Thema Unterrichtsversorgung vier regionale Hotlines „Service-Telefon Schule" direkt in der Landesschulbehörde eingerichtet. Schulexperten aus der jeweiligen Region sind dort direkte Ansprechpartner für Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler. Die Hotline ist Montag bis Freitag von 09.00 bis 18.00 Uhr zu erreichen:

             Lüneburg: 04131 / 15 – 2555
             Hannover: 0511 / 106 – 6666
             Braunschweig: 0531 / 484 – 3456
             Osnabrück: 0541 / 314 – 314

  • Broschüre zum demografischen Wandel für Schulträger: Zur Information der kommunalen Schulträger hat das Kultusministerium mit dem jetzigen Stand der Schulgesetzgebung eine Broschüre erstellt mit dem Titel „Herausforderung Demografie". Kultusministerium und Landesschulbehörde werden die Kommunen als Schulträger dabei unterstützen, wenn sie ihre Schullandschaft aufgrund des demografischen Wandels anpassen müssen.
  • „Handreichung zum Schuljahresbeginn" für Schulleitungen: Über die Landesschulbehörde wurde allen Schulleiterinnen und Schulleitern eine „Handreichung zum Schuljahresbeginn" übermittelt, um Fragen zu beantworten und so möglichen Unterrichtsausfall zu verhindern. __CLIPBOARD__

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