Bezirksrat beschließt Resolution für Niederflur

Mit deutlicher Mehrheit hat der Linden-Limmer in seiner Sitzung am 13.06.2012 eine Resolution für eine Stadtbahn in Niederflurtechnik beschlossen und an die Regionsversammlung gerichtet.

Die Resolution des Bezirksrats Linden-Limmer fasst noch einmal die wichtigsten Argumente für die Regionsversammlung am 18. Juni zusammen.

Resolution

Die Regionsversammlung entscheidet am 18. Juni über die Zukunft der Stadtbahnlinie 10. Der Stadtbezirksrat Linden-Limmer ruft die Vertreterinnen und Vertreter der Regionsversammlung auf, sich für eine stadtverträgliche und behindertengerechte Niederflur-Lösung einzusetzen.

Für die Stadtteile Linden und Limmer wäre eine Entscheidung für Hochbahnsteige mit erheblichen negativen Folgen verbunden. Vor allem für die Attraktivität der Limmerstraße hätte dies dauerhafte Nachteile. Das Festhalten an dem Hochflursystem als einzige Lösung würde zudem insgesamt die Chancen möglicher Netzerweiterungen in der Zukunft verringern.
Die Chancen von Niederflur wurden in der bisherigen Diskussion zugunsten von Hochflur einseitig vernachlässigt:
Die Megathemen der Zukunft sind Klimaschutz, steigende Energiepreise und eine immer älter werdende Gesellschaft. Der öffentliche Nahverkehr wird dabei immer wichtiger. Nur mit der Entscheidung für die Niederflurbahn eröffnen sich neue Chancen, das Stadtbahnnetz kostengünstig und stadtverträglich zu erweitern.

Schon heute sieht die Üstra ihre Tunnel an der Kapazitätsgrenze. Die Linie 10 wird, bis auf ein paar Ausnahmefahrten, nie dauerhaft in das bisherige Tunnelsystem eingebunden werden können. Ein Niederflurnetz kann bei einer Fahrplanverdichtung Tunnelstrecken entlasten. Ausgewählte, überlastete Buslinien können auf den Betrieb mitNiederflurbahn umgestellt werden.

Die gesamte Linie 10 mit Hochbahnsteigen auszurüsten,würde noch viele Jahre dauern. Mit der Einführung von Niederflur wird der Einstieg in die Bahn an allen Haltestellen sofort verbessert. Das Einsteigen mit Kinderwagen, Rollatoren, Gepäck und Rollstühlen ist schonvor dem Bau von vollkommen barrierefreien neuen Haltestellenflächen einfacher. Moderne Niederflurbahnsysteme haben erhebliche Vorteile nichtnur für mobilitätseingeschränkte Menschen:

  • Niederflurbahnen sind ohne Treppen und Rampen von fast allen Seiten zu erreichen.
  • Bei Niederflurhaltestellen gibt es anders als bei Hochbahnsteigen keine Absturzgefahr. (Hochbahnsteige in Mittellage haben kein Geländer.)
  • Die Rutschgefahr ist geringer: Man muss nicht bei gefährlichem Glatteis oder Regen über Rampen oder Treppen Haltestellenpodeste erklimmen.· Niederflurhaltestellen können an dicht bebauten Wohn- und Einkaufsorten erstellt werden.
  • Niederflurhaltestellen sind ohne Umwege zu entfernten Treppen oder Rampen erreichbar.
  • Niederflurbahnen und Niederflurbusse könnten wie in Dresden an einer gemeinsamen Haltestelle halten. Bei Hochflur braucht man zwei Haltestellen, um Barrierefreiheit zu erreichen.
  • Niederflurbahnen bieten ausreichend Platz für Rollstühle und Kinderwagen; sie sind durchgehend auf einer Ebene mit Standard-Rollstühlen befahrbar (75 cm Durchgangsbreite in Längsrichtung)

Niederflurbahnsteige passen sich städtebaulich ohne Betonbarrieren in die Straßensituation ein. Schaufensterbummel, Einkauf,Rast und Nahverkehr sind nicht getrennt, sondern profitieren voneinander. Die Straßenseite kann überall gewechselt werden.

Hochbahnsteige hingegen werden wegen ihrer Dimensionen außerhalb der zentralen Laufwege geplant. Vor allem für ältere und für mobilitätseingeschränkte Menschen fallen diese zusätzlichen Wege besonders ins Gewicht.

Wenn in der Limmerstraße Hochbahnsteige angelegt werden sollen, müssen die Haltestellen verlegt werden. Die Haltestelle Küchengarten würde auf eine freie Fläche aus der Limmerstraße herausgeschoben. Die Haltestelle Leinaustraße würde in Höhe Edeka-Markt verlegt. Die Haltestelle Ungerstraße kommt in Richtung Westschnellweg inHöhe Freizeitheim. Die Erschließung von Linden-Nord verschlechtert sich.

Mit Niederflurbahnen hingegen lassen sich Haltestellen einfacher und günstiger planen, Haltestellenabstände bei Bedarf verdichten und engere städtische Quartiere können erschlossen werden.

Barrierefreiheit, Netzflexibilität, Erreichbarkeit und städtebauliche Verträglichkeit sind die großen Vorteile von Niederflurbahnen. Fast alle großen deutschen Städte setzen heute auf diese Technologie. Der Stadtbezirksrat Linden-Limmer bittet daher die Regionsversammlung, sich für eine den Stadtteilen Linden und Limmer gerecht werdende Niederflurlösung einzusetzen, die darüber hinaus auch für die Innenstadt unbestreitbare Vorteile hätte.

Sie entscheiden am 18. Juni 2012 über die Entwicklungsmöglichkeiten und Erweiterungsoptionen des öffentlichen Personennahverkehrs in Hannover und welches Antlitz unsere Stadt in Zukunft haben wird.


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