Kritik an Wolfgang Becks Wort zum Sonntag

Der Christliche Medienverbund KEP e.V. kritisiert das Pfarrer Beck aus der Kirchengemeinde St. Godehard "evangelikale Gruppierungen" auf die gleiche Stufe mit den Piusbrüdern und muslimischen Salafisten stellt. Welche Gruppierungen er damit gemeint hat blieb im Wort zum Sonntag am 14.04.2012 aber offen. Es ist davon auszugehen das mit den "evangelikalen Gruppierungen" nicht die evangelische Kirche im allgemeinen gemeint war sondern die auch in diesem Glauben sicherlich vertretenen Randgruppen. Auch im evangelischen Glauben wird es Gruppierungen geben die zu keinerlei Kompromissen was Glaubensfragen angeht bereit sind, genau wie bei den von vielen anderen kritisierten Grundsätzen der Salafisten. 

Die Kritik finden Sie unter www.pro-medienmagazin.de

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Das Wort zum Sonntag vom 14.04.2012 im Originaltext:

Der liebevolle Blick auf meine Kompromisse 

gesprochen von Dr. Wolfgang Beck (kath.)

LiebeZuschauerinnen und Zuschauer, ich muss gestehen, ich bin nicht konsequent. Ich kaufe zu selten fair gehandelte Waren ein. Ich fahre zu wenig Fahrrad. Ich mache Kompromisse in meinem Leben, selbst dort, wo ich eindeutig sein könnte.

Vorkurzem etwa beobachtete mich zufällig eine Freundin im Supermarkt. Ich hatte die Bio-Bananen rechts liegen lassen und mich von den knallgelben Bananen im Eingangsbereich verführen lassen. Da kam ein Spruch, der michleicht provozieren kann: "Gerade du müsstest doch eigentlich …." Da kann ich nur brummend antworten: "Stimmt, du hast Recht! – Eigentlich." -Und ich bin wieder einmal erinnert an die vielen kleinen Kompromisse, die ich in meinem Leben mache. Sie ärgern mich, weil ich von Menschen fasziniert bin, die konsequent sind und eindeutig. – Das geht sicher vielen so, gerade auch im religiösen Bereich. Da haben Gruppen Zulauf, die sich durch große Eindeutigkeit und Konsequenz auszeichnen. Kompromisse gelten ihnen als Schwäche.

Egal, ob Piusbrüder, ob evangelikale Gruppierungen oder muslimische Salafisten,denen wir in diesen Wochen in den Fußgängerzonen begegnen können: Sie alle haben mehr gemeinsam, als ihnen wahrscheinlich lieb ist: Vor allem dieses Bemühen um größtmögliche Eindeutigkeit. Alle Kraft wird da hineingesetzt, dass das Leben völlig übereinstimmt mit dem, was gepredigt wird. Das beeindruckt mich manchmal, und daneben sehe ich mit meinen Kompromissen meist recht schwach aus.

Vielleichtfasziniert mich deshalb eine Erzählung aus dem Alten Testament der Bibel. Da wird von dem Propheten Elija berichtet, dass er in einen Konflikt mit den sogenannten Baals-Priestern gerät, also Angehörigen einer anderen Religionsgemeinschaft. Wieder einmal geht es um die Frage nach Wahrheit und darum, wer den richtigen Gott anbetet. In dieser schwierigen Situation macht Elija einen aberwitzigen Vorschlag: Gott soll entscheiden. Beide Gruppierungen sollen beten, sollen ihre Opfer darbringen, sollen tun, was sie nur können. Doch am Ende sollen nicht sie, sondern Gott entscheiden.

Dabeiist die Entscheidung am Ende für mich gar nicht so wichtig. Das Wichtige ist, dass die Menschen hier Fragende bleiben. Sie ziehen die Antwort, die Gott zusteht, nicht an sich.

Dasist genau das Gegenteil dessen, was uns bei Fundamentalisten begegnet. Denn die lassen in der Regel keine Fragen zu, rechnen nicht damit, dass sie sich von den anderen noch etwas sagen lassen können, lassen sich nicht irritieren. Und so schwach ich neben ihnen mit all meinen Kompromissen vielleicht aussehe, ich weiß zumindest, ich lasse mich wenigstens anfragen und irritieren. Das ist nicht so wenig.

Und es erinnert mich an einen Hinweis, den mir ein älterer Seelsorger einmal mit auf den Weg gegeben hat. Er meinte: "Wenndu die Menschen lieben möchtest, musst du ihre Kompromisse und ihre kleinen Schummeleien lieben. Du darfst sie nicht nur tolerieren. Du musst sie lieben. Denn sie machen das Leben aus und nehmen ihm die Härte."

Ichwünsche Ihnen auch solch' einen liebevollen Blick auf die Kompromisse, die eigenen, wie der anderen – und einen gesegneten Sonntag!


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