(k)eine Entwarnung für persönliche Daten im SchülerVZ

Aus der Arbeit mit Schulklassen wissen wir noch vom letztenvergleichbaren Fall im Herbst 2009, wie ein solcher Vorfall vieleKinder und Jugendliche verunsichert hat. Gestern wendeten sich dieersten verunsicherten und Lehrer an smiley e.V. mit der Frage,ob all das, was wir in den letzten Monaten mit Schulklassen und inElternveranstaltungen zum Thema Datensicherheit im SchülerVZerarbeiteten, falsch war. Dies ist nicht der Fall. Wir wollenversuchen, kurz zu beschreiben, wer auf welche Weise betroffen ist:

– Offene Profile, also Seiten, die jeder ansehen kann, können u.U.vollständig von dem Crawler erfasst worden sein. Wenn in denEinstellung zur Privatsphäre ausgewählt wurde, dass nur die Freunde dieSeite besuchen können, hat der Crawler nur Zugriff auf die Angabe zurSchule, den angezeigten Nutzernamen und das Profilfoto.

– Sollte der Crawler, der aus mehreren automatisch angelegten Profilenbestand, unter den Freunden gewesen sein, kann eventuell auch in diesemFall der komplette Datensatz heruntergeladen worden sein. Wer aber beijeder Freundschaftsanfrage kritisch hinterfragt, wer hinter dieserAnfrage steckt, kann hier verhältnismäßig sicher sein.

– Der Crawler konnte über die Gruppen, wenn diese nicht auf privatgestellt wurden, einsehen, wer Mitglied in der jeweiligen Gruppe ist.Somit konnte ggf. ermittelt werden, welcher Nutzer einer bestimmtenGruppe angehört, selbst, wenn das einzelne Profil auf privat gestelltwurde.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das, was ohnehin innerhalb desSchülerVZ öffentlich war, nun in 1,6 Millionen Fällen in die Händeanderer geraten kann. Dies mag zwar erschrecken, prinzipiell sollte esdas aber nicht. Wer seine Daten bewusst öffentlich zur Schau stellt undauf die möglichen Persönlichkeitsschutzrechte verzichtet, muss davonausgehen, dass sie jemand archiviert. Zu dieser Einschätzung kommt auchder TÜV, der die Datenschutzlage im SchülerVZ auf Sicherheit hinüberprüft. Trotzdem wird es einige Schülerinnen und Schüler geben,denen diese Mechanismen nicht klar sind und die nun zu rechterschrocken sind. Nach unserer Auffassung ist es deshalb umsowichtiger, das Bewusstsein der Jugendlichen in Bezug aufDatensicherheit zu schärfen. Sicherheit durch ausschließlich technischeMechanismen wird es, wie dieser Fall erneut zeigt, auch in Zukunftnicht geben können. Die Benutzer müssen bewusst entscheiden, was sieöffentlich zeigen wollen und was nicht. Diese Diskussion führten wir imletzten Schuljahr niedersachsenweit in 450 Schulklassen. Von denAnbietern sozialer Netzwerke wird es in den nächsten Jahren keineausreichenden Filter oder Schutzmechanismus geben. Der einzige Filter,der hier helfen kann, ist der Filter im Kopf des Benutzers!

smiley – Verein zur Förderung der Medienkompetenz
in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

www.smiley-ev.de


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