h1 Bericht: Do It in der FAUST Kunsthalle

Installationen, Computerprints, Malerei und Videos zur gesellschaftlichen Gegenwart in Indonesien, Pakistan, der Türkei und Deutschland

Mit der Ausstellung Do it präsentierte die Kunsthalle Werke aus derÜbernahme des indonesischen Ausstellungsteils auf der Mediations Biennale in Poznan 2010 und bringt sie in einen Kontext zu künstlerischen Arbeiten aus der Türkei, Deutschland und Pakistan. Ziel der Ausstellung ist, den Blick dafür zu sensibilisieren, wie sich die Lebenswirklichkeit in den Herkunftsländern der Künstler in ihrem Werk niederschlägt, und zu prüfen, ob ihre Sichtweisen mit dem durch die hiesigen Medien geprägten Bild übereinstimmen.

Das imperative “Do it”bildet in der indonesischen Sprache den Wortstamm für den Begriff des Regierens. Das dem im Wortlaut ähnliche indonesische Wort “duit” wiederum bedeutet Geld und in seinem doppeldeutigen, oft in journalistischen Zusammenhängen gebrauchten Sinn, “Machtpolitik”. Es gilt scheinbar: “Geld regiert die Welt” – zumindest die indonesische. Dieser Tendenz stellen sich die Arbeiten der drei indonesischen KünstlerHeri Dono, Ahmad Chozaly und Made Bayak entgegen, indem sie ironisch oder kritisch kommentierend die gesellschaftlichen Umbrüche und Verwerfungen in dem Inselstaat beleuchten: Heri Donos Installation “OPP/Operation of Mind Control” zielt auf die mediale Gleichschaltung des Individuums, indem der überraschte Besucher über einen Bewegungsmelder zahlreiche, in Gläsern platzierte Handpuppen zeitgleich in tanzähnliche Zuckungen versetzt. Und während Ahmad Ghozaly auf großformatigen Digitalprints indonesischer Banknoten mit Acylfarbe surreale Welten entstehen lässt, konfrontiert Made Bayak die Ausstellungsbesucher in seiner Serie “Die Schlacht von Indonesien” mit Formen des nationalen Stolzes, indem er mittels Sofortbildkamera zum Schnappschuß vor einer bemalten Nationalflagge animiert.Mehreen Murtaza verwebt mittels Computertechnik fotografische Aufnahmen, Zeichnungen und Strukturmuster zu surrealen Bildwelten, die nicht nur über den Titel auf das reale Leben in Pakistan anspielen. In der Serie “Born into Eternal Training” entsteht eine geradezu kafkaeske Grundstimmung durch den Einsatz von Spiegel-Symetrien im Bildaufbau. Fatima Saeeds Gespür für subtile Kritikund Humor wird deutlich, wenn sie die pakistanische Nationalflagge aus Gesäßtaschen patchwork-artig zusammennäht oder Alltagsgeschehen in Prunk-Rahmen aus der Kolonialzeit zu einem Wand-Ensemble zusammenstellt.Die Filmemacherin Özlam Sulek präsentiert auf mehreren Monitoren dokumentarische Videos, die sensibel und sehr persönlich Hintergründe zutürkischstämmigen in Deutschland beleuchten. So begibt sie sich beispielsweise stellvertretend für ihre Großmutter auf eine winterliche Busreise in deren ehemalige Heimat, das damalige Jugoslawien, um ihr anschließend davon zu berichten. Gabi Taplick widmetsich in ihren jüngeren Arbeiten zunehmend gesellschaftspolitischer Themen. Ihre umfangreiche Installation “unten am Fluss” im öffentlichen Raum Hannovers reflektierte zuletzt auf phantasievolle Weise Aspekte derObdachlosigkeit. Für Do it wird sie eine neue Arbeit zur Thematik entwickeln.


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