Denkmalgeschützter Hochbehälter in Linden

Barbara Knoke und Bernd Heimhuber
Barbara Knoke und
Bernd Heimhuber

Der Wasserhochbehälter wurde ursprünglich 1878 in Betrieb genommen. Seit der letzten umfassenden Sanierung des Hochbehälters waren gut 25 Jahre vergangen. Witterungsbedingt waren entlang der gesamten Gebäudehülle Teile des Mauerwerks undicht geworden und die Dachabdichtung war ebenfalls erneuerungsbedürftig. In das Vorhabeninvestierte die enercity Netzgesellschaft GmbH insgesamt rund 650.000 Euro. Die Stadtwerke Hannover AG übernahm im Auftrag der enercity Netzgesellschaft GmbH die Abwicklung des gesamten Sanierungsprojekts. Die Sanierung erfolgte bei laufendem Betrieb, was die Ausführenden vorerhöhte Anforderungen stellte, weil eine Trinkwasserverunreinigung absolut sicher ausgeschlossen werden musste. Sämtliche schadhaften Klinker- und Putzflächen der Außenfassade mussten saniert und rund 2.800 Quadratmeter Dachfläche neu abgedichtet werden. Die komplette Fassaden- und Dachsanierung erforderte die vollständige Einrüstung der Wände. Aufgrund der durch die niedrigen Temperaturenlangen Winterpause mussten an einigen Stellen die Einrüstungen bis inden Mai 2009 stehen bleiben. Einen besonderen Aufwand erforderte die Mauerwerkskrone mit ihren Rundbögen und den Pfeilerköpfen aus Klinker und Sandstein. 36 derinsgesamt 42 Pfeilerköpfe waren derart marode, dass sie vollständig abgebrochen und komplett neu aufgemauert werden mussten. Rund 12.000 Vollklinker im ursprünglichen „Reichsformat“ mussten hierzu eigensbeschafft und zum großen Teil in Form geschnitten werden. In der Klinkerfassade selbst mussten gut 2.800 durch Frosteinwirkung mürbe gewordene Klinker ausgestemmt und wieder neu eingesetzt werden. Im Inneren modernisierte die Netzgesellschaft die Anlagen zur Haus- undWassertechnik, ausgenommen der beiden im Jahr 1983 neu errichteten Beton-Wasserkammern, die turnusgemäß jährlich gereinigt werden. Aus Gründen des Denkmalschutzes wurde das historische Erscheinungsbildder Bausubstanz vollständig erhalten. Auf alternative Sanierungskonzepte mit Spitzdach, Pfeilerabdeckung aus Zinkblech oderaußen liegenden Regenfallrohren wurde verzichtet. „Mit dieserformvollendeten Sanierung sichern wir den Wert des Wasserhochbehältersals ein für den Stadtbezirk Linden charakteristisches, architektonisch signifikantes Bauwerk“, bekräftigt Bernd Heimhuber, Geschäftsführer derenercity Netzgesellschaft mbH.

Planansicht von 1877
Planansicht von 1877

„Für mich ist es eine große Freude, den sanierten Wasserhochbehälter zusehen. Besonders schön ist, dass sein altes Erscheinungsbild erhalten geblieben ist. Seit 131 Jahren steht er so auf dem , in einem Naherholungsgebiet, das von den Lindenern, aber auch von vielen Hannoveranern, so etwa während der Scillablüte, gern besucht wird. Für die Lindener ist er nicht nur ein Gebäude, sondern auch ein Stück Identität. Deshalb werden sich viele Lindener ebenso wie ich über die Sanierung freuen“, freute sich Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke vordem prächtigen Bau.

Die versorgungstechnische Hochbehälterfunktion blieb während der gesamten Bauzeit erhalten. Der Hochbehälter mit seinem Fassungsvermögenvon rund 13.200 Kubikmeter hat eine wichtige Funktion für die gesamte Wasserversorgung der Stadt Hannover. Gemeinsam mit den drei weiterenHochbehältern im Stadtgebiet (Heisterberg, Bemerode, Messe) gleicht er die tageszeitlichen Verbrauchsschwankungen aus und sorgt für einengleichmäßigen Wasserdruck im Wasserversorgungsnetz Hannovers. DasGesamtvolumen aller Wasserhochbehälter beträgt rund 95.500 Kubikmeter.

Wasserbehälter
Wasserbehälter

Ebenso konnte die Sternwarte auf dem Dach des Hochbehälters ihren Betrieb größtenteils beibehalten. Der Zugang zur Sternwarte auf dem Dach erfolgte während der Bauzeit jedoch über Behelfskonstruktionen, daauch der Treppenaufgang im Zuge der Dachabdichtung erneuert werden musste.

Hintergrund-Information zur Historie

  • Baubeginn 1877 – Inbetriebnahme im November 1878 (zunächst vom gleichzeitig vollendeten Wasserwerk Ricklingen gespeist)
  • 1977: nach fast 100 Betriebsjahren Außerbetriebnahme wegen Undichtigkeiten, die zu Leckagen und bakteriologischen Beeinträchtigung des Wasserinhalts führten
  • 1979: eine Studie belegt die Weiterverwendung des 100 Jahre alten Standorts
  • Bauantrag im Dezember 1980
  • Januar 1981: Baustart mit dem Abbruch des Behälters im Inneren des historischen Wasserhochbehälters
  • Oktober 1983: Wiederinbetriebnahme nach vollständigem Betonbehälter-Neubau innerhalb der vorhandenen, Denkmal geschützten Umfassungsmauern, die ebenfalls einer kompletten Sanierung unterzogen wurden
  • Mai 2009: zweite vollständige Sanierung der Gebäudehülle des Wasserhochbehälters

www.enercity.de


Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    da ich mich sehr fuer technische Bauwerke und Stikunde interessiere, stiess ich auf diese faszinierende Seite. Da offenbar Teile stillgelegt und neue hinzugefuegt werden, wenn ich jetzt nicht voellig danebenliege, waere es doch moeglich, diese gigantischen Hallen nochmal akustisch zu nutzen. Bevor bei Bochum der alte Behaelter bei Bochum-Stiepel eingeebnet werden sollte, haben dort in der Naehe ansaessige Moenche z.B. Gregorianische Gesaenge aufgenommen,… das klingt ueberwaeltigend! Nicht von dieser Welt! Glauben Sie mir! Und ich glaube, Sie koennten mit einem solchen durch einfachste Mittel erzeugten Klangerlebnis noch viel mehr Menschen eine Riesenfreude machen, wenn Sie es ermoeglichen koennten. Jedenfalls war ich von der Idee der Moenche ueberwaeltigt. Ich wuenschte, es wuerde noch mehr solche Ereignisse geben. Halten Sie mich ruhig fuer verrueckt. Hochachtungsvoll, T.Schmidt.

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    • Da muss ich sie leider enttäuschen. Der Wasserhochbehälter auf dem Lindener Berg ist noch voll in Betrieb und wird dies wohl auch noch lange bleiben. Er wurde vor ein paar Jahren erst umfangreich saniert und ist ein Teil der Wasserversorgung für den Westen von Hannover. Das Bild auf das sie sich beziehen ist meines Wissens bei der letzten Umbauphase 1983 entstanden.

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