Stadt präsentiert Konzept zur „Wissenschaftlichen Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“

Unumstritten: Wilhelm Bluhm
Unumstritten: Wilhelm Bluhm

Immer wieder enthüllen aktuelle wissenschaftliche Recherchen neue Erkenntnisse über namensgebende Persönlichkeiten, deren Leben und Wirken im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus zumindest zweifelhaft sind. Darauf folgt oft der Ruf zur Umbenennung von Schulen und Straßen. Die Stadtverwaltung Hannover hat jetzt ein Konzept erarbeitet, wie in Zukunft mit dieser Problematik umgegangen werden soll. Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann hat das Projekt „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ heute (6. September) vorgestellt.

„Mit diesem, auf zwei Jahre angelegten Projekt sollen die Biographien von Männern und Frauen durchleuchtet werden, deren Namen Straßen und Schulen zieren oder eine andere Form der Ehrung erhalten haben. Dabei geht es nicht um die undifferenzierte Massenumbenennung von Straßen, Schulen und anderen Einrichtungen, sondern vielmehr um die differenzierte Beurteilung von Biografien im Kontext der historischen Situation und damit ein verantwortungsvolles Urteilen“, fasst Drevermann das Ziel des neuen Konzeptes zusammen.

Kozept (Download als pdf)

Inhalt:

Ausgangspunkt für das Projekt „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ sind die aktuellen Richtlinien für die Straßenbenennung und -umbennenung in der Landeshauptstadt. Als Erweiterung zur derzeitigen Praxis zählt das neue Konzept auf, welche Biografien in Zukunft vorausschauend Untersuchungsgegenstand werden sollen. Dazu gehören namensgebende Persönlichkeiten für Straßennamen, Straßennamen für Frauen, Ehrengräber, Ehrenbürger, TrägerInnen der Stadtplakette, Namen von Schulen, Namen von sonstigen kommunalen Einrichtungen und auch Entscheider in Verwaltung und Politik der Stadt. Die Biographien (über Personen, die bei Kriegsende das 18. Lebensjahr vollendet hatten) werden durch eine/n Historiker/in mit Vorkenntnissen zur Stadt- und NS-Geschichte erarbeitet. In einem Zweijahresprogramm (2014 und 2015) sollen mit Hilfe eines Bewertungsrasters alle namentlich bekannten Biographien systematisch gleichmäßig erfasst und überprüft werden, um als Informationspool auch für zukünftige Benennungen zur Verfügung zu stehen. Für die Aufarbeitung der Biographien wird ein Gesamtbudget von 100.000 Euro eingeplant.

Projektstruktur:

Das Projekt ist dem Kultur- und Schuldezernat zugeordnet. Die Federführung hat das Projekt Erinnerungskultur. Zur Projektarbeitsgruppe gehören des Weiteren ein/e Vertreter/in des Stadtarchivs und ein/e Vertreter/in des Baudezernats, zuständig für Straßenbenennungen. Bei Bedarf kommen andere Verwaltungsstellen hinzu.

Als begleitendes Gremium wird ein Beirat eingerichtet, der auch über die Einbeziehung von Mitgliedern der Stadtbezirksräte entscheidet. Die Empfehlungen des Beirats werden der/dem Oberbürgermeister/in übergeben. Der Beirat besteht aus: Dezernentin Kultur und Schule (Vorsitzende), Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann, Propst Martin Tenge, ein/e Vertreter/in der jüdischen Gemeinden Haeckelstraße und Fuhsestraße, ein/e Vertreter/in des DGB, ein/e Vertreter/in der Historischen Kommission Niedersachsen und Bremen, Historiker/in N.N., Dr. Axel Ehlers, Lehrer an der Leibniz Schule sowie die Projektarbeitsgruppe.

Pressemitteilung: Stadt Hannover


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