Ein Stolperstein für Ernst Schünemann

Ernst Schünemann wurde am 11. Februar 1897 in Hannover geboren. Seit seiner Geburt war er mit einigen Unterbrechungen in der 71 angemeldet. Nach der Schule lernte er Koch. AlsFreiwilliger zog er in den Ersten Weltkrieg, kam inKriegsgefangenschaft und wahrscheinlich erst 1920 wieder frei. Zunächstarbeitete er wieder in seinem erlernten Beruf, trat dann aber ab 1924als Artist und Zauberkünstler auf.

Anfang 1939 wurde er verhaftet und am 7. Februar 1939 im Gerichtsgefängnis Hannover inhaftiert. Erwurde im März 1939 vom Luftwaffengericht Berlin mit drei weiterenZeugen aus Hannover nach Magdeburg angefordert. Einer von ihnen war deram 7. Mai 1903 in Hannover geborene Richard Lange, der noch 1939 inHannover verurteilt wurde, 1941 in polizeiliche Vorbeugungshaftgenommen wurde und 1942 als §-175-Häftling im KZ Mauthausen II starb.Zu dieser Gruppe gehörte unter anderem auch dessen langjähriger Freund.Einer der Beteiligten hat bei den Luftwaffen gedient. Eshandelte sich offensichtlich um einen schwulen Freundeskreis inHannover. Noch im selben Monat kamen sie nach Hannover zurück.

Am3. Oktober 1939 stand Ernst Schünemann dann selbst vor Gericht. DasLandgericht Hannover verurteilte ihn aufgrund der Paragraphen 175 und175a Strafgesetzbuch wegen "widernatürlicher Unzucht" zu drei JahrenZuchthaus. Zur Last gelegt wurden ihm 13 Fälle homosexuellerHandlungen, darunter auch zwei "Versuche", die ebenfalls strafbarwaren. Weil er anscheinend ein "gewöhnlicher" Schwuler war, merkte dasNazi-Gericht die selten geäußerte Meinung an: "Der Angeklagte ist aufdem Gebiet der Unzuchtshandlungen mit Männern Gewohnheitsverbrecher,aber kein gefährlicher Gewohnheitsverbrecher …" Er war nichtvorbestraft.

Noch im selben Monat transportierte man Ernst Schünemann in das Zuchthaus Hameln. Dort wurde erim Februar 1941 mit einer Lungenentzündung in das Anstaltslazaretteingeliefert. Seine Krankheit verschlimmerte sich. Am 14. Februar 1941teilte die Anstalt seiner Mutter in Hannover mit, dass ihr Sohn in dasStadtkrankenhaus Hameln verlegt worden sei. Am selben Tag verstarbErnst Schünemann im Alter von 44 Jahren. Sein Tod dürfte auch durch dieschrecklichen Haftbedingungen im Zuchthaus Hameln verursacht wordensein. [1]

Quellen: [1] 1. Haftakte,Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover Hann 86 Hameln 143/90,1939/260; 2. Meldekarte aus dem Stadtarchiv Hannover.


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