Linden zu Fuß
Deserteure im 2. Weltkrieg
"Todesursache: Vollstreckung des Todesurteils"
Unscheinbare Gräber sind es, die Klaus Falk von der DFG/VK auf dem Fössefriedhof fand. Und doch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, Dokument der Brutalität des Faschismus. Deutsche Soldaten hingerichtet, weil man ihnen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung vorwarf. Was es mit den Gräbern auf dem Fössefriedhof auf sich hat, berichtet Klaus Falk:
"Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bz. Hannover, hat uns mitgeteilt, dass auf dem ehemaligen Garnisonfriedhof (Fössefriedhof) auch Soldaten bestattet sind, die wegen Desertion bzw. Wehrkraftzersetzung" verurteilt und hingerichtet worden sind.
Auf einem besonders abgegrenzten Gräberfeld haben wir die Gräber der Soldaten:
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Hubert Breitschaft, |
Breitschaft und Weinmann wurden wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt und waren bis zur Vollstreckung des Urteils im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Hannover (Waterlooplatz 9) inhaftiert. Zu Ciesielski sind uns keine Informationen bekannt, außer dass er gemäß Gerichtsurteil erschossen wurde.
In dem entsprechenden Gräberfeld, sind die o.g. drei Soldaten fast hintereinander bestattet worden. Dies erklärt sich u.a. sicherlich auch aufgrund der kurz hintereinander erfolgten Hinrichtung. Da das Gräberfeld von den Grabstätten der anderen Soldaten deutlich abgegrenzt ist (3 Reihen mit insgesamt 36 Gräbern), drängt sich die Frage auf, ob die anderen dort bestatteten Soldaten durch deutsche oder "Feindeshand" zu Tode gekommen sind. Zumindest die beiden dort bestatteten Franzosen (Belgier?) sind vermutlich durch deutsche Hand zu Tode gekommen (als Kriegsgefangene?). Alle Grabsteine in diesem Gräberfeld tragen im Gegensatz zu den anderen Soldatengräbern keinen Dienstgrad. Vor Hinrichtungen wurden diese aberkannt.
Angesichts der doch großen Zahl von zum Tode verurteilten Soldaten und der tatsächlich vollstreckten Todesurteile, muss davon ausgegangen werden, dass alle Soldaten in dem betreffenden Feld hingerichtet worden sind.
Bei der Größe der Garnison Hannover, die auch der Standort eines Wehrmachtsuntersuchungsgefängnisses war, muss man von einer ähnlichen Größenordnung wie in Kassel nach den Untersuchungen von Prof. Kammler ausgehen.
Das Freizeitheim Linden
begrüßt Sie herzlich zum Abschluss des Stadtteilspaziergangs. Einige Worte zum Freizeitheim selbst: Dieses Haus wurde am 28. Januar 1961 als erstes seiner Art vom damaligen hannoverschen Oberstadtdirektor Wiechert "in Obhut der Verwaltung" genommen. Es verdankt seine Existenz vielfältigen Initiativen. Insbesondere ist hier der "Kulturkreis Linden" zu nennen. Er griff die Raumnot vieler Lindener Vereine und das Bedürfnis nach einem örtlichen Treffpunkt auf. Ein Stadtteilkultszentrum sollte entstehen, das sich historisch durchaus an das Volksheim/Saalbau Sander (Gartenallee) orientierte. Bei der hannoverschen Verwaltung fand die Initiative schließlich Zustimmung, weil man sich sehr wohl der Tatsache bewusst war, dass Linden bis zu diesem Zeitpunkt immer noch der Hinterhof Hannovers war, d.h. der Stadtteil Linden war in vielfältiger Hinsicht in den Nachkriegsjahren schlechter ausgestattet worden als die übrige Stadt. In die Planung des Freizeitheims wurde der Kulturkreis Linden einbezogen. Allerdings wurde so gut wie nichts von dessen Vorschlägen realisiert. Die Verwaltung plante allein. Ergebnis: viel Kritik schon von Beginn an. So gab es Kritik am Standort hier an der Peripherie in Linden-Nord. Es gab Kritik an dem Zuschnitt der Räumlichkeiten, an der Größe des Saals, an den Arbeitsmöglichkeiten für Vereine und Verbände. Bauliche Qualifikationsmängel sind gerade jetzt nach über 30 Jahren nicht mehr zu übersehen. Dennoch: Das Freizeitheim Linden hat anerkanntermaßen eine erfolgreiche Arbeit geleistet. 1986 erhielt es durch die Kulturpolitische Gesellschaft e.V. die Auszeichnung für soziale Kulturarbeit, die erstmalig für stadtteilorientierte und zielgruppenbewusste Arbeit zur Entwicklung demokratischer Kultur und Projekte des Stadtteils verliehen wurde. Von Anfang an verstand sich das Freizeitheim Linden als soziokulturelles Zentrum. Die Voraussetzungen für diese Arbeit waren sehr günstig, zumal gestandene Vereine der ehemaligen Arbeiterbewegung und Arbeiterkultur in Linden die Grundlage für diese Arbeit leisten konnten.
Die ersten Seniorenklubs wurden bereits 1961 im Freizeitheim entwickelt.
Das Problembewusstsein für Stadtteilgeschichte, die Problematik der Sanierung, entstand durch Abriss der Fanny und Mathildenstraße und der ehemaligen Weberhäuser Velvetstraße. Neben der Geschichtsaufarbeitung entwickelte eine Arbeitgruppe 1968 das erste Butjerfest. Vereine und Gruppen entwickelten im Rahmen des Butjerfestes eine neue Festkultur im Stadtteil. Die Ansätze einer Stadtteilkulturarbeit gab es bereits in der Weimarer Republik. Schon damals war die Arbeiterkulturbewegung mit ihren vielen Vorfeldorganisationen Multiplikator im Stadtteil.
In den letzten Jahren entstand eine Vielzahl von Projekten im Rahmen der Lindener Geschichtswerkstatt im Freizeitheim Linden. Mehrere umfangreiche Dokumentationen, die Sie im Freizeitheim für 5 DM erwerben können, legen Zeugnis dafür ab. Dennoch merken wir an, dass das Freizeitheim Linden nur einen Teilbereich der Kulturarbeit im Stadtteil abdecken kann. Eine Vielzahl von Initiativgruppen und Zentren leistet ebenfalls einen aktiven Beitrag zur Stadtteilkulturarbeit Hier sei im besonderen Maße die Tätigkeit von FAUST e.V., BAKu e. V. und der Medienwerkstatt Linden erwähnt.
Im Freizeitheim Linden spielt das Kinder- und Jugendtheater Rammbaff. Viele, insbesondere stadtteilbezogene Stücke haben das Theater bei den Kindern und Jugendlichen in Linden und weit darüber hinaus berühmt und beliebt gemacht. Bei Rammbaff konnten sie selbst an Theaterstücken teilhaben, von der Erarbeitung der Szenen bis zur Darstellung. Rammbaff
leistet eine wichtige Kulturarbeit für den Stadtteil, kann das aber finanziell nicht aus eigenen Kräften schaffen. Deshalb hat sich der Rammbaff-Förderverein gebildet.
