Linden zu Fuß

Linden

Weberhäuser an der Velvetstraße

Lange bevor das Werner-Blumenberg-Haus errichtet wurde, wohnten zwischen Velvet- und Pfarrlandstraße Weber-Familien in kleinen Häuschen. Sie wurden schließlich als nicht erhaltungswürdig eingestuft und restlos abgerissen. Unser Foto zeigt, wie es früher hier ausgesehen hat.

Weberhäuser an der Velvetstraße



St. Benno Kirche Offensteinstraße

Die St.-Benno-Kirche in Linden-Nord war ein wichtiger Hort des katholischen Widerstandes gegen Faschismus. Von 1928 bis 1936 war Wilhelm Offenstein (1889 bis 1964) Pastor der Gemeinde. Von 1930 bis 1933 vertrat er außerdem die katholische Zentrumspartei im Reichstag. Offenstein galt als entschiedener Gegner des Faschismus. St. Benno Kirche Das bekannte er auch in seinen Predigten nach der Machtübernahme Hitlers. Die Rache der Nazis: Sie verhinderten, dass er Leiter eines Priesterseminars und Domkapitular wurde. 1936 verließ Offenste in Linden und wurde in Hildesheim tätig. Einer seiner späteren Nachfolger war Otto Bank (1900 bis 1983). Er hatte die Pfarrstelle an St. Benno von April 1941 bis September 1943. Zuvor war Otto Bank von der Gestapo in Hildesheim verhaftet worden und vom Sondergericht Hannover wegen Vergehens gegen das sogenannten Heimtückegesetz verurteilt. Banks Verbrechen: Er hatte sich gegen den Anschluss österreichs ausgesprochen. Seine Gefängnisstrafe musste der katholische Geistliche im Gerichtsgefängnis Hannover verbüßen


Weltliche Schule Fröbelstraße
(heute Albert-Schweitzer-Schule)

Weltliche Schule

Weltliche Schulen waren nach dem 1. Weltkrieg die Antwort von freigeistigen Anhängern der Arbeiterbewegung auf die Pauk- und Prügelschulen des Obrigkeitsstaates. Sie fassten ursprünglich jene Schülerinnen und Schüler zusammen, die vom Religionsunterricht abgemeldet waren. 1922 kam es in Linden in der Fröbelstraße zur ersten Weltlichen Schule die inoffiziell den Namen "Pestalozzischule" trug. Der ehemalige Lehrer der Weltlichen Schule Petristraße, Willi Henkel, erläuterte:
"Was man unter der Weltlichen Schule verstand, war nicht nur eine Weltliche Schule, sondern eine absolute pädagogische neue Tat unter dem Motto: Schule in das Leben stellen, das Leben in die Schule tragen. Dahinter stand eine pädagogische Revolution. Bis die Weltliche Schule kam, hatten wir ja in Preußen und überhaupt im ganzen Deutschen Reich eine mehr oder minder dominante kaiserliche Schule. Die gesamte Zielsetzung der Schule war in ihrem Aufbau und in alldem, was sie lehrte, nicht demokratisch, sondern autokratisch, und die Forderung nach Weltlichkeit der Schule war lediglich ein Bruchstück aus dem gesamten Gebiet der Erneuerung im Sinne einer demokratischen Erziehungsrichtung. Sie war gereift durch eine geschichtliche Entwicklung der pädagogischen überlegungen. Bereits Anfang dieses Jahrhunderts gab es weite Kreise, die empfanden, dass die damals ausgeübte Erziehung in der Schule den Notwendigkeiten unserer Zeit nicht mehr gerecht wurde." (Aus der Dokumentation" Weltliche Schule Fröbelstraße" des Freizeitheims Linden).

Die Weltlichen Schulen hatten nur eine kurze Lebensdauer. Sie wurden 1933 von den Nazis verboten.
Im Ergebnis des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" wurden die Lehrer verhaftet, entlassen oder versetzt, die Schüler auf andere Schulen verteilt Noch heute treffen sich ehemalige weltliche Schülerinnen und Schüler jährlich im Freizeitheim Linden zum "Schultreffen".


Lindener im Verein
Eine Geschichte über den TSV Victoria Linden
Unser Familie heißt Victoria

Sie sind das, was man bei uns gestandene Lindener Butjer nennt. Zudem haben sie noch ein gemeinsames Markenzeichen: den Sportverein Victoria Linden. Diesem Verein, der mit dem ledernen Rugby-Ei internationale Bedeutung erlangte, gehört ihre Liebe. Und sie das sind vier von den 3000 Mitgliedern, die es immer wieder zum Sportplatz an der Fösse zieht: Marga Kemmling, Walter Frieling, Edmund Neumann und das älteste Vereinsreitglied Hermann Meyer. Hermann Meyer ist seit 1917 bei Victoria eingeschrieben.

Eine Frau beim Rugby - wie kommt denn so etwas? Marga Kemmling ist über die Frage nicht erstaunt. "Indem man in der Kochstraße wohnt und einen großen Bruder hat. Und dieser großer Bruder spielt Rugby, muss aber seine kleine Schwester betreuen. So wurde ich in die Kinderkarre gesetzt und später an die Hand genommen. Und dann wächst man in einem Verein auf. Da steht man schließlich an der Barriere, und in der Handballmannschaft fehlt eine Spielerin. Also heißt es: Mädchen, zieh dich um, du musst spielen."

Viktoria Linden Aha - da gibt es mehr als Rugby? Handball, Korbball, Leichtathletik und Gymnastik haben längst einen festen Platz im Verein, aber Rugby bleibt die Nummer 1. Auch bei Marga Kemmlings Söhnen - alle vier hat es zum Rugby bei Victoria gezogen. Und ihre beiden Mädchen wurden Korbballerinnen. "Meinen Mann habe ich übrigens auch bei Victoria kennen gelernt" . Also eine komplette Victoriafamilie. über die Familie sind auch andere zu Victoria gekommen. Walter Frieling erinnert an seine Kindheit in der Zeit des 1. Weltkriegs und danach: "Meine Eltern hatten einen Kleingarten an der Fösse, neben dem Sportplatz. Sonntags gingen wir dahin, dann wurde Kaffee gekocht. Was anderes konnte man sich ja nicht leisten. Und die aus den Kleingärten ringsum waren alle bei Victoria. So sind wir Kinder auch dazugekommen."
Dass der Platz in den Anfangsjahren keine sanitären Anlagen und keine Ausstattung hatte ("selbst die Goalstangen mussten zum Spiel herangetragen werden"), störte kaum. So wurden Bier und Brause aus den Kleingärten herbeigeschafft. Und alles, was getan und geschaffen wurde, war selbstverständlich ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder. Für den Verein, ihre große Liebe, gaben viele alles.
Edmund Neumann: "Wir hatten Sommerfeste, Stiftungsfeste, Maskeraden, Weihnachtsvergnügen - der Verein war also mehr als nur der Sport." Gefeiert wurde in der Schwanenburg und auch im Limmerbrunnen. Vergnügungen, die im Leben der zumeist schlechtbezahlten Lindener einen hohen Stellenwert hatten.

"Wir konnten uns gar nichts erlauben. Diese Veranstaltungen waren das Schönste überhaupt im Jahr", erinnert sich Walter Frieling.

Das schaffte enge Verbundenheit.

Marga Kemmling: "Wir haben unsere Wochenenden auf dem Sportplatz verbracht. In der Nachkriegzeit brachten wir jeder ein Brikett mit, damit wir uns im Klubheim aufhalten konnten. Wir hatten unsere Gemeinschaft da; wir hatten unsere Freunde da, wir haben getanzt und gesungen. Wir hielten zusammen, wir gehörten auch zusammen. Das war nicht nur ein Verein, das war eine erweiterte Familie."
Und diese Familie hatte Zentren im Stadtteil: zuerst die Straßen um den Kötnerholzweg und dann die Kochstraße.
"Wir waren eine Clique. Von uns 15 Spielern aus der Mannschaft kamen sonntags immer zwölf zusammen, um tanzen zu gehen", berichtet Walter Frieling. Und Edmund Neumann erzählt von den größten Reisen, die sie damals unternahmen: "Wir fuhren nach Varel zum Spiel. Und das ging so: Unser Bierverleger rüstete seinen Wagen um. Da kamen Holzpritschen drauf und eine Plane, und dann ging es ab nach Varel. Da hat keiner nach Komfort gefragt."

"Für Varel", erklärt Hermann Meyer aus seinen Erfahrungen, "war es eine Sensation, wenn Victoria kam Die hatten da auch eine bekannte Mannschaft".

Was schon frühzeitig zum Problem wurde: Große Vereine kauften talentierte Spieler auf. Edmund Neumann: "Die Vereine haben die Jungs hochtrainiert, und dann gingen sie weg. Dadurch sind manche Vereine eingegangen."

Was Sportler damals in den "kleinen" Vereinen ertragen mussten, weiß Hermann Meyer noch sehr genau:

"Wenn ein Spiel war, mussten sich die Sportler am Kötnerholzweg in einer Kneipe umziehen. Da standen Waschschalen, auf dem Platz war nichts."

"Rugby ist immer noch Nr.l"

"Obwohl wir auch andere Abteilungen haben, die gut besucht sind", bemerkt Marga Kemmling, "Korbball zum Beispiel, wird sehr lange schon bei uns gespielt. Und da haben wir einen guten Nachwuchs, auch eine sehr gut besuchte Kleinkinderabteilung. Viele Kinder kommen auch zum Kleinkinderturnen in die Fröbelstraße. Außerdem haben wir wieder eine Leichtathletikabteilung, hauptsächlich Marathonläufer. Ich selbst leite die Hausfrauengymnastik. Da machen 30 Frauen mit." Stärksten Zulauf hat das jüngste Victoria-Kind: die Wirbelsäulengymnastik.
(Aus der "Lindener Freizeitheim Zeitung")

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