Linden zu Fuß
Lindener Platt
Auf dem Gelände des Ihmezentrums stand die 1858 erweiterte Mechanische Weberei (Lindener Samt). Diese und die 1855 errichtete Spinnerei zogen als größte Arbeitgeber Lindens besonders Arbeitskräfte aus Sachsen an. Die Vermischung mit dem Calenberger Idiom ergab das spezifische Lindener Platt.
Küchengarten Limmerstraße
Jahrelang war der Küchengarten ein bedeutender Platz in Linden. Durch gravierende bauliche Veränderungen im Zuge der Sanierung Lindens ist er als Platz nicht mehr erkennbar. Wenn alle Sanierungspläne der Verwaltung hätten durchgesetzt werden können, wäre auch die Limmerstraße nicht wiederzuerkennen. Nach einem Plan (Göderitzplan) sollte sie gar vierspurig ausgebaut werden.
Ohne Zweifel: Die Sanierung des Stadtteils Linden war dringend erforderlich. Eine Bestandsaufnahme in den 60er Jahren zeigte: Abgesehen von einigen Straßen und Plätzen in Linden-Mitte, lagen die Durchschnittsgrößen der Lindener Wohnungen weit unter dem Niveau der Stadt Hannover. Fast die Hälfte der Wohnungen hatte keine Toilette, weit über die Hälfte hatte kein Bad. In 90% der Wohnungen fehlte die Heizung, 60% aller Lindener Wohnungen waren vor 1918 gebaut Im Bereich der Infrastruktur machte sich schmerzlich bemerkbar, dass viele öffentliche Einrichtungen, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Alte, fehlten. Hinzu kam der wirtschaftliche Niedergang des Stadtteils. Viele Betriebe hatten geschlossen oder waren verlagert worden. Das drastischste Beispiel dafür ist sicherlich der Niedergang des Traditionsbetriebs Hanomag, der in besten Zeiten mehr als 10 000 Menschen beschäftigte.
Trotz dieser Misere ist festzuhalten, dass Lindens Sozialgefüge intakt war. Es gab nach wie vor starke Nachbarschaftsbeziehungen. Die Identifikation mit Stadtteil und Straße war außerordentlich groß. Sinnvoll und menschengerecht sanieren und dennoch das Sozialgefüge erhalten, das wäre Aufgabe für eine notwendige bauliche Veränderung des Stadtteils gewesen. Währenddessen setzte allerdings die Verwaltung auf Flächensanierung. Abriss ganzer Straßen {wie am Beispiel der Fanny- und Mathildenstraße geschehen), zugunsten von Riesenbauwerken (z.B. Ihmezenb11m) rief Widerstand hervor. Er ging im besonderen Maße ab 1972 und 1973 von Bürgerinitiativen in Linden-Süd und Linden-Nord aus.
Der Kampf dieser Bürgerinitiativen und der betroffenen Lindenerinnen und Lindener hat dazu geführt. dass mancher Plan der Verwaltung glücklicherweise in der Schublade blieb. Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass die Sanierung für den Stadtteil Linden, für seine Straßen und Häuser vieles gebracht hat. Er brachte aber auch erhöhte Mietpreise, ein Aufbrechen der Sozialstruktur und eine nachhaltige Vertreibung vieler Bürgerinnen und Bürger, die ins Umland umsiedeln mussten.
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Aktion Limmerstraße1975 schlossen sich Geschäftsleute der Limmerstraße zur "Aktion Limmerstraße" zusammen. Im Vordergrund des Bemühens stehen alle Image-bildenden Maßnahmen, die die Limmerstraße nicht nur als Versorgungsinstitution sondern darüber hinaus auch als wichtige Kommunikationseinrichtung des Stadtteils darstellen. |
Wohnen im Alter
Bekannteste Einrichtung ist die AWO Seniorenwohnanlage Ihmeufer an der Ottenstraße. Viele ältere sind dankbar, hier ihre letzten Lebensjahre verleben zu können. Leiter Hartmut Pfund und seine Mannschaft bemühen sich, gemeinsame Aktivitäten auch mit Jüngeren zu entwickeln. Jung und Alt gemeinsam. Das ist auch Anliegen des Diakonischen Vereins, der im Haus Wilhelm-Bluhm-Straße 5 ein Wohnprojekt "Tun und Wohnen im Alter" entwickeln will. Altengerechtes Wohnen im generationsübergreifenden Umwelt, darum geht es.
Die ehemalige Bettfedernfabrik Werner & Ehlers
Von den zahlreichen Fabrikanlagen an der Ihme ist einzig die ehemalige Bettfedernfabrik Werner & Ehlers übriggeblieben. Einige Fabrikgebäude stehen unter Denkmalschutz, und der Verein für Fabrikumnutzung und Stadtteilkultur FAUST e.V. hat hier sein Betätigungsfeld.
Die Initiative für die Umnutzung der ehemaligen Bettfedernfabrik Werner & Ehlers in Hannover-Linden/Nord ist vor ziemlich genau 3 Jahren entstanden. Motiv: Den Vereinen fehlen (ausreichend und bezahlbare) Räumlichkeiten zur Ausübung ihrer Arbeit. Auf dem Fabrikgelände bietet sich die einzige und auch sehr günstig gelegene Möglichkeit zur Behebung dieses Mankos. Gleichzeitig erhofft man durch die Nutzung der Fabrik auch bessere Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
Vieles ist in den letzten 3 Jahren passiert: Aus der Interessengemeinschaft Werner & Ehlers ist inzwischen der Verein für Fabrikumnutzung und Stadtteilkultur FAUST e.V. geworden. Die Fabrik ist in Konkurs gegangen, eine Zwangsversteigerung steht an, FAUST nutzt (vorübergehend) mit seinen Mietgliedsvereinen auf dem Fabrikgelände.
FAUST ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein. Hauptziel ist Umnutzung der ehemaligen Bettfedernfabrik Werner & Ehlers für soziokulturelle Vereine.
FAUST versteht sich als weiteres soziokulturelles Zentrum für den Stadtteil Hannover-Linden. Im Unterschied z.B. zum Freizeitheim Linden dürfte FAUST eine andere Klientel ansprechen, und vor allem werden hier Vereine mit festen Räumlichkeiten (Büros, Ateliers usw.) ausgestattet.
Soziokultur steht für ein erweitertes Kulturverständnis, wonach Kultur die Summe aller Lebensäußerungen der Gesellschaft umfasst, sowie für eine veränderte kulturelle Praxis, die sich an breite Bevölkerungsschichten wendet und sie zur aktiven Teilhabe ermutigt. Das Ziel ist nicht Hochkultur, sondern Basis- und Alltagskultur.
(Auszug aus einer Zusammenstellung von Jonny Peter in der "Lindener Freizeitheim Zeitung".)
Werner-Blumenberg-Haus, Pfarrlandstraße
Diese Wohnanlage ist nach dem Sozialdemokraten und Redakteur der Zeitung "Volkswille" Wemer Blumenberg (19001965) benannt. Bis zu seiner Flucht nach Holland am 17. 8. 1936 leitete er die "Sozialistische Front", die bedeutendste Widerstandsgruppe gegen den Faschismus in Hannover.
Diese Legendentafel findet sich an dem Haupteingang der Seniorenwohnanlage, die 1974 nach Werner Blumenberg benannt wurde. Damit wird das Vermächtnis eines Mannes geehrt. der mit mehr als 1000 Gesinnungsgenossen ab 1933 mutig den Widerstand gegen den Faschismus aufnahm. Die Sozialistische Front war im gesamten Deutschen Reich die größte sozialdemokratische Widerstandsorganisation. Ihr Widerstand gegen Faschismus war Protest gegen Hinhalte- und Abwartepolitk der SPD-Führung. Unter Beachtung konspirativer Regeln (die Sozialistische Front arbeitete nach dem System von 5er-Gruppen) wurden vor allem Flugblätter hergestellt und verbreitet. Ab 1934 bis Mitte 1936 erschienen rund 40 Ausgaben der "Sozialistischen Blätter", die jeweils eine Auflage von bis zu 1000 Exemplaren erreichten. Die stärksten Einheiten der Sozialistischen Front existierten in Linden. Sie wurden von Bernhard Furch (Linden-Süd), Erich Kunze (Linden-Mitte) und Willi Wendt (Linden-Nord) geleitet. 3 Jahre lang konnte die Sozialistische Front erfolgreich Widerstandsarbeit gegen den Faschismus leisten. Dann gelang es der Gestapo, einen Spitzel in die Organisation einzuschleusen. Er enttarnte die Führer der Sozialistischen Front. Werner Blumenberg konnte sich in letzter Minute nach Holland in Sicherheit bringen. Es folgte eine Verhaftungswelle, bei der etwa 300 Personen festgenommen wurden. Sie wurden in großen Prozessen wegen" Vorbereitung zum Hochverrat" verurteilt. Viele mussten jahrelange Haft in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern erdulden. Manche überlebten die Torturen nicht. In Linden erinnern neben dem Werner-Blumenberg-Haus zwei Straßen an Kämpfer der Sozialistischen Front: Wilhelm-Bluhm-Straße und Franz Nause Straße.
Eine detaillierte Geschichte des Kampfes der Sozialistischen Front findet sich in einer Dokumentation des Freizeitheims Linden: Werner Blumenberg.
