Linden zu Fuß

Linden

Arm und Reich im alten Linden

lassen sich unschwer an Gebäuden ausmachen. Wir gehen an der Gaststätte Rackebrandt (hier treffen sich einige Lindener Traditionsvereine auch heute noch: z.B die Sänger von Teutonia, Niedersachsen-Chor und Symphonia) vorbei und kommen in die Beethovenstraße. Hier (und auch am Lichtenbergplatz) sieht man den Häusern an, dass sie (um die Jahrhundertwende) für die Minderheit der bessergestellten Lindener errichtet wurden. Die Wohnungen sind hoch und groß(über 100 qm). Der Kontrast steht in unmittelbarer Nähe (z.B. Konkordiastraße). Um die Mitte des 19. Jahrhunderts reichten enge Backsteinbauten mit Hinterhäusern für die Lindener Arbeiterschaft. Ein besonderes Beispiel dafür ist die ehemalige Siedlung "Klein-Rumänien", Arbeiterhäuschen auf dem HanomagGelände. So verschmolzen Arbeitsplatz und Lebensumfeld zu einer bedrückenden Einheit.

Katholischer Bahnhof

Konkordiastraße

Im Hinterhof Konkordiastraße 15 hatten katholische Zuwanderer aus dem EichsfeId die Konkordia-Säle, das Katholische Vereinshaus, errichtet. Der Volksmund nannte den Bau "Katholischer Bahnhof'. 1946 beherbergte er eine wichtige Konferenz zur Gründung der Einheitsgewerkschaft DGB. Und diese neue Gewerkschaftsform war anfangs nicht unumstritten. Zudem mussten alle organisatorischen Schritte von der britischen Militärregierung genehmigt werden.
Im ehemaligen Katholischen Vereinshaus befinden sich heute Privatwohnungen.

Theater am Küchengarten

Theater am
Küchengarten (tak)

Dietrich Kittners Theater am Küchengarten befmdet sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Badehauses. Hier waren Wannen- und v.a. Duschbäder für die Lindener Familien, die kein Badezimmer in ihrer Wohnung hatten. Benutzerpreise 1938: Wanne 70 Pfennig, Dusche 20 Pfennig. Ein ehemaliges Wannenbad hat Dietrich Kittner erhalten und gewissermaßen als Denkmal in sein Theater integriert.
Das Theater am Küchengarten ist eine Lindener Adresse, die in allen deutschsprachigen Ländern bekannt ist Dietrich Kittner hat 1990 nach über 30 Jahren auf der Kabarettbühne bilanziert, und was da in schwarzen Zahlen auf dem Tisch liegt, ist beeindruckend. 20 Pr0gramme hat er in dieser Zeit bei über 6200 Vorstellungen in 600 Gastspielorten in Deutschland, österreich und der Schweiz vor knapp 3. Mio. Besuchern präsentiert.

Theater am Küchengarten 2 Mio. Autokilometer mussten er und seine Frau Christei dafür aufwenden, ein harter Streifen. Nicht nur die übliche 100 Stunden-Woche, da gab es Anschläge von Neonazis, überwachungen durch den Verfassungsschutz, jahrzehntelange Auftrittsverbote im Fernsehen und hartnäckige Mittelversagung durch die Landesregierung.

"Ich erwarte eigentlich eine Dankadresse vom Verfassungsschutz. Denen habe ich schließlich. Arbeitsplätze gesichert."

Das ist Dietrich Kittners Kommentar. 1985 bekam der Kabarettist für seine Leistungen den Deutschen Kleinkunstpreis zugesprochen.

Der Lindener Butjer

Vom tak gehen wir entlang der Lindener Brauerei die Stephanusstraße bis zur Gartenallee (rechts liegt das 9. Polizeirevier, das schönste in ganz Hannover) und biegen links in die Minister-Stüve-Straße ein. Vor der Lindener Volksbank empfängt er uns: der leibhaftige Lindener Butjer, ein Kunstwerk, aus Anlass des 100. Jubiläums der Lindener Volksbank von Ulrike Enders geschaffen.

Der Begriff "Butjer" hat in Hannover eine lange Tradition. Früher wurden all jene damit bezeichnet, die "von buten ankamen", also von außen in die Stadt gelangen. Und das waren dann die Butjer, abwertend gemeint. Die Lindener machten aus dem Schmähbegriff aber eine Art Ehrentitel. Man wollte durchaus anders sein, sich von den Stadt-Hannoveranern abgrenzen und war deshalb stolz ein "Lindener Butjer".

Seit 1978 veranstaltet das Freizeitheim jährlich ein Butjerfest. Was es damit auf sich hat, steht auf einer Legendentafel an der Mathildenstraße. "Hier auf diesem Grundstück befand sich der Oberhof der ehemaligen Weberhäuser in der Fanny- und Mathildenstraße. 1968 wurden diese Weberhäuser aus der Jahrhundertwende für die geplante Sanierung abgerissen. Mit diesem Abriss der Arbeiterhäuser begann der Protest der Lindener Bürger gegen die Absicht einer Kahlschlagsanierung. Durch eine vorbildliche und kämpferische Haltung erreichten die Lindener Bürger durch ihre Aktionen eine Möglichkeit der Mitbestimmung. Dieser Gebäudekomplex der GBH (Gemeinnützige Baugesellschaft Hannover) wurde durch die solidarische Arbeit der Bürgerinitiative Linden-Nord erreicht.

Lindener Butjer In Erinnerung an die früheren Kinderschützenfeste in der Fanny- und Mathildenstraße treffen sich jährlich hier auf dem Oberhof die jungen und älteren Bürger zum Butjerumzug für das Butjerfest. Möge diese schöne und gute Tradition sich fortsetzen!"

Wilhelm: "Auf den Schülermützen stand LB darauf, .Lindener Bürgerschule'. Da hat man dann den Lindener Butjer draus gemacht!"

Aber zu dem Lindener möcht ich noch sagen, dass das nicht so ein einheitlicher Verband gewesen ist, sondern z.B. diese Ecke Limmerstraße hinunter, das war doch teilweise schon eine ganz andere Ecke als beispielsweise Charlottenstraße oder die andere Seite Hanomagviertel. Die waren untereinander gar nicht bekannt oder verbunden, dass die gemeinsam zusammengehörten. Die fühlten sich echt getrennt. Die haben sich nicht als Lindener so zusammengehörig gefühlt, sondern das waren krasse Unterschiede. ,Wo kommst du denn her?!' "Diese Ecke hier, Limmerstraße, galt schon als ein bisschen verfeinert, früher."

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